Gemeinsam beim Butterschütteln und Verkosten - als praktisches Beispiel für das Bildungsangebot für Kinder (von links nach rechts): Sander Hoogendam (Jesus-Bruderschaft), Frank Kilian (Landrat Rheingau-Taunus-Kreis), Andreas Kowol (Stadtrat von Wiesbaden), Thomas Kunz (Vizepräsident des Hessischen Bauernverbands und Kreislandwirt des Rheingau-Taunus-Kreises) und Jörg Sauer (Erster Kreisbeigeordneter).
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Gemeinsam beim Butterschütteln und Verkosten - als praktisches Beispiel für das Bildungsangebot für Kinder (von links nach rechts): Sander Hoogendam (Jesus-Bruderschaft), Frank Kilian (Landrat Rheingau-Taunus-Kreis), Andreas Kowol (Stadtrat von Wiesbaden), Thomas Kunz (Vizepräsident des Hessischen Bauernverbands und Kreislandwirt des Rheingau-Taunus-Kreises) und Jörg Sauer (Erster Kreisbeigeordneter).

Ziel: Regionale, möglichst ökologisch orientierte Landwirtschaft

Im Nassauer Land setzt man auf Ökolandbau

  • vonGundula Stegemann
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Kreis Limburg-Weilburg ist nun mit dem Rheingau-Taunus-Kreis und Wiesbaden eine Modellregion.

Hünfelden -Limburg-Weilburg wird Ökolandbau-Modellregion - gemeinsam mit dem Rheingau-Taunus-Kreis und der Stadt Wiesbaden. Alle drei Gebietskörperschaften schließen sich zusammen und werden zur "Ökolandbau Modellregion Nassauer Land". Das Motto der Kooperation: "Netzwerke schaffen: ökologisch - vielfältig - regional - nachhaltig". Insgesamt werden zum 1. Januar 2021 sechs Landkreise und Regionen in das Förderprogramm des Landes Hessen aufgenommen. Damit wird Hessen als erstes Bundesland flächendeckend zur Ökolandbau-Modellregion.

Die Auftakt-Veranstaltung fand jetzt in Gnadenthal statt, wo Jörg Sauer (SPD), Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Limburg-Weilburg, gemeinsam mit Frank Kilian (parteilos), Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, und Andreas Kowol (Grüne), Stadtrat von Wiesbaden, das Projekt vorstellten. Mit dabei waren auch Marco Hepp, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Limburg-Weilburg, Armin Müller, Kreislandwirt Limburg-Weilburg, Thomas Kunz, Kreislandwirt Rheingau-Taunus-Kreis und Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, und Jonas Bachmann, Geschäftsführer der Kreisbauernverbände Limburg-Weilburg und Rheingau-Taunus.

Jutta Ebersberg gab einen kurzen Einblick in das Leben der ökumenischen Kommunität und das Bio-Hofgut Kloster Gnadenthal. Sander Hoogendam, Konzeptentwickler für Bildungsangebote in der Landwirtschaft bei der Jesus Bruderschaft, stellte das dort von ihm weiterentwickelte Bildungsangebot vor - ein erfolgreiches Beispiel, um ökologisches Bewusstsein für Klima, Umwelt und Konsum schon bei Kindern zu schaffen. Anschließend lud er die Anwesenden zum Butterschütteln und Verkosten ein.

Hadamar angesiedelt

Koordiniert wird das Projekt "Ökolandbau Modellregion Nassauer Land" vom Landkreis Limburg-Weilburg unter Federführung von Eckart Mascus vom Amt für den Ländlichen Raum, Umwelt, Veterinärwesen und Verbraucherschutz. Die Förderung des Landes Hessen in Höhe von 100 000 Euro ermöglicht anderthalb Stellen für das Projektmanagement, die beim Amt für den Ländlichen Raum in Hadamar angesiedelt werden. Ab 1. Januar 2021 sollen dort zwei Projektmanager ihre Arbeit aufnehmen. Die Förderung ist auf fünf Jahre begrenzt. Pro Landkreis werden 50 000 Euro bereitgestellt. Der Zusammenschluss der beiden Landkreise mit der Landeshauptstadt ist insofern interessant, als dass dort zahlreiche potenzielle Konsumenten mit einer entsprechenden Kaufkraft leben, die man als Verbraucher gewinnen möchte.

Ziel ist im Wesentlichen eine regionale, möglichst ökologisch orientierte Landwirtschaft und damit einhergehend, Erzeuger und Verbraucher sowie alle in dieser Kette Beteiligten in der Region zusammenzubringen. "Wir wollen weitere Betriebe gewinnen, die zukünftig ökologisch arbeiten wollen, und die Verbraucher mit gesunden und regionalen Erzeugnissen versorgen", sagte Mascus. "Die Teilnahme als Ökolandbau Modellregion Nassauer Land bietet die Chance, praxisreife Ideen für die Agrarsysteme der Zukunft aufzuzeigen. Aber es geht nicht darum, andere Landbewirtschaftungsformen zu diffamieren, was ist falsch, was ist richtig. Wir wollen mit den Menschen in der Region das Thema voranbringen." Regionalität und Öko - beides sei wichtig. Es gehe nicht um ein "entweder - oder" sondern um ein "sowohl, als auch". Dabei könne man keine Dogmen gebrauchen.

Es gebe viele gute Ideen für die Zukunft und bereits bestehende Initiativen, so Mascus. Es gehe insbesondere um ökologische und regionale Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung, Klimaschutz und Biodiversität, Gastronomie und Tourismus, um den Verbraucher, um Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung. Verschiedene Projekte sollen fortgeführt und weitere neu angestoßen werden. "Sie werden davon hören", sagte Mascus.

etablieren

Im Fokus stehen dabei Themen wie Anbaudiversifizierung, Einführung neuer Produkte, ein Forum Ökolandbau mit Beratung der Landwirte, Initiierung von Betriebskooperationen, Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten sowie Projekte der Umweltbildung, insbesondere Fortführung der Projekte "Bauernhof als Klassenzimmer". Angedacht ist der Ausbau einer regionalen Landwirtschaft mit Regionalvermarktung und Direktvermarktung durch Hof- und Dorfläden sowie die Etablierung einer Regionalmarke "Nassauer Land".

"Mit unserem Ökolandbau-Forum haben wir im letzten Jahr einen guten Anfang in der Zusammenarbeit mit den Bauernverbänden und dem Gladbacher Hof der Justus-Liebig-Universität Gießen gemacht", so Mascus. Nun sollten die lokalen und regionalen Akteure stärker inhaltlich und programmatisch zusammengebracht werden. Neben den Vertretern der Bauernverbände und der ökologischen Anbauverbände sind dies vor allem die Direktvermarkter, der örtliche Lebensmitteleinzelhandel, die Verarbeiter, das Nahrungsmittelhandwerk, wie Bäcker und Metzger, aber auch die Verbraucher und die Kommunen. Einbezogen werden sollen auch die Gastronomie und relevante Bildungsträger.

Es ist vorgesehen, eine Steuerungsgruppe einzuberufen. Diese wird Vertreter der genannten Bereiche enthalten und auch ermächtigt sein, zu verschiedenen Themen Arbeitsgruppen einzusetzen. Die Geschäftsführung dieses Prozesses soll den schon genannten "Projektmanagern Ökolandbau Modellregion Nassauer Land" obliegen.

das Leitbild

Das Nassauer Land ist eine vielfältige Region zwischen Lahn und Rhein. In diesem Raum finden sich die Landkreise Limburg-Weilburg, Rheingau-Taunus und die Landeshauptstadt Wiesbaden wieder. Charakteristisch für den Kreis Limburg-Weilburg sind vor allem die ertragreichen Standorte wie beispielsweise der Goldene Grund und das Limburger Becken. Im Rheingau-Taunus-Kreis befindet sich eines der wichtigsten deutschen Weinanbaugebiete, der Rheingau. In t Wiesbaden treffen der ländliche Raum und die Stadtbevölkerung direkt aufeinander. Im Nassauer Land leben auf einer Fläche von mehr als 175 000 Hektar über 635 000 Einwohner. In dieser Region wird eine landwirtschaftliche Nutzfläche von fast 57 000 Hektar bewirtschaftet.

Das Leitbild der Ökolandbau Modellregion "Nassauer Land": Im Nassauer Land werden landwirtschaftliche Produkte in ökologischer und sozialer Hinsicht nachhaltig erzeugt. Die Bürger der Region können vermehrt auf Erzeugnisse des ökologischen Landbaus und auf regionale Produkte pflanzlicher und tierischer Herkunft zugreifen. Dabei werden in der landwirtschaftlichen Erzeugung vermehrt Maßnahmen des Klimaschutzes, zur Verbesserung der Biodiversität, zum Schutz von Wasser, Boden und Luft und zur wirksamen Steigerung des Tierwohls ergriffen. Die Ökolandbau Modellregion strebt die Realisierung verschiedener Ziele im Hinblick auf den ökologischen Landbau und die regionale Wertschöpfung an. Es werden zahlreiche Projekte zugunsten der ökologisch bewirtschafteten Betriebe gestartet. Durch den gezielten Ausbau der Wertschöpfungskette für Öko-Produkte und die Stärkung der ökologischen und der regionalen Landwirtschaft wird der ländliche Raum und damit die Region langfristig nachhaltiger. Um das zu erreichen arbeiten viele gesellschaftliche Gruppen programmatisch zusammen.

Ökolandbau-Modellregion?

Das Förderprogramm "Ökolandbau Modellregionen Hessen" wurde 2015 vom Hessischen Umweltministerium für den Ökoaktionsplan gestartet - mit zunächst drei Regionen: Fulda, Wetterau und der Ökomodellregion Nordhessen mit den Landkreisen Werra-Meißner und Kassel. 2018 folgten fünf weitere Ökomodellregionen: Marburg-Biedenkopf, Süd (Odenwald, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau und Darmstadt), Waldeck-Frankenberg, Lahn-Dill-Gießen und Vogelsberg. Die Verträge mit den bestehenden Ökomodellregionen wurden ebenfalls verlängert. Für alle ist eine Laufzeit ab Januar 2021 von fünf Jahren geplant.

Die hessischen Modellregionen suchen Wege, um die steigende Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln stärker aus der heimischen Landwirtschaft zu decken und das Bewusstsein der Verbraucher für regionale Kreisläufe und biologisch erzeugte Lebensmittel zu schärfen. Für ihre Arbeit erhalten die ausgewählten Regionen pro Landkreis zur Umsetzung ihrer Entwicklungskonzepte eine finanzielle Förderung für einen Projektmanager mit bis zu 75 Prozent der Personalkosten, bei einem maximalen Zuschuss von 50 000 Euro pro Jahr sowie eine Sachkostenpauschale.

Die sechs neuen Ökolandbau-Modellregionen sind: Kreis Bergstraße (schließt sich der bestehenden Ökomodellregion Süd an), Nassauer Land (Rheingau-Taunus-Kreis, Landkreis Limburg-Weilburg und Stadt Wiesbaden), Main-Kinzig-Kreis, Schwalm-Eder-Kreis, Region Hersfeld-Rotenburg (Gutes aus Waldhessen e.V. als Träger und Landkreis Hersfeld-Rothenburg), Region Rhein-Main (Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, Landkreis und Stadt Offenbach, Stadt Frankfurt)

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