Bei so vielen Fahrern auf der Bahn ist bei den Rennen auf dem Daubornring höchste Aufmerksamkeit gefragt.
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Bei so vielen Fahrern auf der Bahn ist bei den Rennen auf dem Daubornring höchste Aufmerksamkeit gefragt.

Renn-Spektakel

2000 Motorsport-Fans besuchen das Autocross-Rennen auf dem Daubornring

  • VonRobin Klöppel
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Nach langer Corona-Pause: Zum Autocross auf dem Daubornring kommen am Wochenende rund 2000 Motorsport-Fans nach Hünfelden.

Hünfelden - Rund 2000 Motorsport-Fans haben am Wochenende nach zwei Jahren und fünf Monaten Corona-Pause wieder Autocross auf dem Daubornring genossen. Die Nummernschilder zeigen: das Stammpublikum des Auto-Cross-Teams (ACT) Dauborn kommt nicht nur aus der Region. Viele sind mehrere Stunden sogar aus den Niederlanden und Belgien angereist, um mal wieder Motorsport-Feeling mit insgesamt 200 Startern zu erleben und das ohne Masken.

Am beliebtesten ist das Nachtrennen am Samstagabend mit diesmal 62 Meldungen. Es war aber kein wirkliches Nachtrennen, weil die Veranstaltung den Pandemiebedingungen geschuldet um 22 Uhr über der Bühne sein musste und vorher noch drei Vorläufe auszutragen waren. Da die Rennen zuvor aber länger dauerten, war die Dunkelheit doch schneller da als gedacht.

Autocross auf dem Daubornring: Zuschauer bekommen Staub und Steine ins Gesicht

Es ist schon faszinierend, die Wagen zuerst hinter dem Startfahrzeug lauernd und dann auf der 450 Meter langen Strecke voll ins Gas gehen zu sehen - und das mit viel Publikum, das direkt in mehreren Reihen hinter den Absperrungen steht. Bei bis zu 27 Fahrzeugen gleichzeitig auf der Strecke kommt es immer wieder zu packenden Zweikämpfen. Dafür nehmen die Zuschauer es auch in Kauf, am Streckenrand viel Staub und manchmal auch kleine Steinbrocken ins Gesicht zu bekommen. Hautnah dabei sein ist eben immer noch das Beste - trotz Live-Streams der Rennen im Netz.

Einer der Lokalmatadoren im Nachtrennen ist der 20-jährige Erbacher Timo Rühl - und am Ende als bester des ACT auf Rang acht ins Ziel gekommen. Über seinen Vater Christof zum Autocross gekommen, saß er schon mit 14 Jahren in der Jugendklasse hinterm Lenkrad. Thilo erzählt, dass ihm das Schrauben an seinem Fahrzeug mehr Spaß bringe, als das Fahren selbst, das für ihn "nur Beiwerk" sei. Trotzdem ist es ihm nicht egal, wie er in den Rennen abschneidet. Darum hat er sich bewusst einen ausgeschlachteten Scirocco gekauft. "Die sind klein und leicht", begründet Timo Rühl. Die drei letzten Nachtrennen habe immer ein Scirocco oder ein Golf gewonnen. Rühl sagt, dass er am Auto alles selbst machen könne. So hat er sich auch einen Motor und den Sicherheitskäfig selbst eingebaut, der vor jedem Start zum Schutz der Fahrer akribisch überprüft werde.

Autocross auf dem Daubornring: Man muss auf die Fehler der Konkurrenten achten

Wie gewinnt man solch ein Nachtrennen? "Man muss spät auf die Bremse gehen, sich an den Gegnern vorbei bremsen", verrät Rühl. Die Gerade in Dauborn sei einfach zu kurz, um dort zu überholen. Um dauerhaft im Rennen zu bleiben, müsse man trotz Dunkelheit genau auf die Fehler der anderen achten, weil man sonst schnell draußen sei. In der Dunkelheit könne man zudem Abstände und die Geschwindigkeiten der anderen Fahrzeuge schlechter einschätzen.

Man darf zwar während des 45-Minuten-Finals rausfahren und am Auto arbeiten, "aber wenn du mehrere Runden verlierst, hast du keine Chance mehr". Rühl hat eine Eieruhr im Fahrzeug, um ungefähr zu sehen, wie lange noch zu fahren ist. Und er hat ein Gefühl dafür, ob er gut oder eher schlecht im Rennen liegt, "aber beim Zieleinlauf weiß man die genaue Platzierung nicht".

Autocross auf dem Daubornring: Zuschauer können schnell Überblick verlieren

Auch beim Zuschauen kann schnell den Überblick verlieren, wo in dem Getümmel mit vielem Überrundungen die Spitze ist. Rühl findet, dass ein Nachtrennen zu fahren auf jeden Fall anstrengender, aber auch schöner als andere Rennen sei. Dass seit Mai 2019 nicht mehr auf dem Daubornring gefahren worden sei, habe ihm beim Schrauben im Winter jedoch etwas die Motivation gekostet. 10 000 Euro hat Rühl in sein neues Rennauto gesteckt. Donnerstagabend musste er nach einem Defekt im Training noch ein neues Getriebe einbauen.

Hannes Jirasek, auch Fahrer des Dauborner Clubs, hatte 2019 das letzte Nachtrennen gewonnen und gibt offen zu: "Bei so vielen starken Konkurrenten gehört auch das nötige Glück dazu." Das hatte er diesmal genauso wenig wie auch die weiteren Dauborner Luc Köppel und Mirco Crecelius. Bei den Vorläufen waren sie zwar noch vorne dabei, im Hauptlauf aber in Unfälle verwickelt. So ein Finale sei körperlich sehr anstrengend, aber beim Fahren spüre man das noch nicht, verrät Jirasek. Er ist selbstbewusst, zu sagen, dass er, wenn seine Technik halte, immer um einen Treppchenplatz mitfahren könne. Er beobachtet die Scheinwerfer der Gegner, um zu wissen, wo sie sind. "Ich habe dann ein Gefühl dafür, an der richtigen Stelle zu überholen", sagt der Fahrer.

Autocross auf dem Daubornring: Durch das Adrenalin spürt man keine Schmerzen

Thomas Triesch war mit 55 Jahren der älteste Dauborner bei den Rennen und startete auf der Langstrecke. Er sagt: "Der sicherste Platz auf dem Gelände ist im Wagen." Er habe viel mit Rückenschmerzen zu tun, aber im Fahrzeug sei man so voller Adrenalin und derart im "Flow", dass man keine Schmerzen mehr spüre. Triesch liebt am Autocross vor allem die Gemeinschaft. Auf der Strecke seien alle Gegner, doch im Fahrerlager helfe dir auch dein größter Konkurrent gerne mit Tipps und einem Ersatzteil aus. "Wir sind hier eine große Familie." Glück hatte Triesch am Samstag aber nicht. Er musste sein Fahrzeug mit einem technischen Defekt am Rand abstellen. Beim Langstreckenrennen belegten aus Gastgebersicht Bodo Büttner auf Platz vier und Julien Engel auf Platz sechs gute Ränge.

Theo Rühl und Julian Harder fahren an diesem Tag das erste Mal im Dauborner Vereinskart bei den Cross-Karts mit. "Das geht ab zwölf Jahren", erklärt ACT-Sprecher Volker Jirasek: "Mit 14 kann man dann die richtigen Wagen fahren," Kinder sowie Erwachsene mit Führerschein, die Interesse haben, finden auf der Webseite alle nötigen Infos. (Robin Klöppel)

Das letzte Rennen vor Corona war das 40-Jährige Jubiläum des Autocross-Rennens auf dem Daubornring.

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