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Schlange stehen für die Auffrischung

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Von: Rolf Goeckel

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Vor der Mehrzweckhalle in Dauborn stehen die Menschen am Mittwochnachmittag Schlange, um sich gegen Corona impfen zu lassen. 265 Spritzen werden an diesem Tag verabreicht.
Vor der Mehrzweckhalle in Dauborn stehen die Menschen am Mittwochnachmittag Schlange, um sich gegen Corona impfen zu lassen. 265 Spritzen werden an diesem Tag verabreicht. © Rolf Goeckel

265 Spritzen in nur vier Stunden in Dauborn gesetzt. Landkreis Limburg-Weilburg bietet weitere Termine an.

Limburg-Weilburg -Der Andrang ist gewaltig: Vor der Mehrzweckhalle in Dauborn hat sich eine lange Schlange gebildet. Etwa 200 Menschen, überwiegend ältere, stehen am Nachmittag an, um sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Die meisten kennen das Prozedere, denn sie haben bereits zwei Injektionen erhalten und wollen nun einen sogenannten Booster erhalten. Eine Auffrischung also, die sie besser gegen das Coronavirus schützt, das sich derzeit auch im Kreis Limburg-Weilburg wieder rasch ausbreitet, mit Inzidenzen weit jenseits der 100.

Zu den "Boostern" gehört Daniel Groß aus Niederbrechen. Mit 41 Jahren ist er einer der jüngeren Impflinge während der Sonderimpfaktion, die der Landkreis in Dauborn organisiert hat. Er selbst, sagt er, habe eigentlich nur wenig Angst, schwer an Covid-19 zu erkranken. Aber: "Ich habe eine gewisse Verantwortung", sagt Groß, der als Gruppenleiter in einem Wohnheim der Lebenshilfe in Limburg arbeitet. Seine zweite Impfung liegt schon eine Weile zurück, berichtet er: Am 30. März habe er sich die zweite Injektion setzen lassen, höchste Zeit also für eine Auffrischung, wie er meint. Denn: "Ich muss die Leute in meinem Wohnheim schützen."

Ihre Drittimpfung will sich auch Helga Koch, 83 Jahre alt, aus Kirberg abholen. Auch ihre letzte Impfung liegt schon eine Weile zurück. Sie weiß es noch ganz genau: Am 17. April hat sie die letzte Spritze erhalten, vor sieben Monaten also. Angst, versichert sie, hat sie aber keine. "Ich will mich trotzdem schützen." Bei ihrem Hausarzt hätte sie wohl erst im nächsten Jahr einen Termin bekommen, also war sie dankbar für das Angebot des Sonderimpftages.

Das gilt auch für Rolf Schwenk, 76, Diabetiker, dessen Hausarzt ihm eine Drittimpfung erst am 29. Dezember angeboten hatte - seine Zweitimpfung war am 10. Juni. "Ein bisschen Angst habe ich schon", gesteht er auf die Frage nach seiner Motivation. Was in den Köpfen der Impfverweigerer vor sich geht, könne er nicht nachvollziehen. "Ich hoffe, dass die noch die Kurve kriegen, wenn die Einschläge näher kommen oder sie von der Klinik abgewiesen werden", sagt Schwenk.

Zu denen, die die "Kurve gekriegt" haben, gehört die 33-jährige Jill Degen aus Mensfelden, die sich heute ihre erste Spritze gegen Covid-19 abholen will. Für ihre späte Entscheidung habe sie allerdings einen guten Grund, sagt sie: "Ich habe Nachwuchs bekommen, und die Stiko hat die Impfung von Schwangeren erst vor ein paar Wochen empfohlen." Weil ihre Familie und ihr soziales Umfeld bereits komplett geimpft seien, habe sie nicht zurückstehen wollen und das "schöne Angebot" der Sonderimpfaktion gerne genutzt.

Das soziale Umfeld war für Nora Mors (54) aus Bad Camberg der ausschlaggebende Faktor für eine Booster-Impfung. "Ich habe viele alte Leute um mich herum", erzählt sie. "Meine 78 Jahre alte Schwiegermutter lebt im Haus, und für meine pflegebedürftige 90-jährige Mama mache ich den Fahrdienst." Da sei es für sie keine Frage gewesen, dass sie ihre letzte Impfung vom 11. Juni auffrischen lassen will.

Die Nachfrage

nimmt deutlich zu

Von der enormen Nachfrage an diesem Nachmittag ist Carsten Fruhner vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Limburg, das diese Sonderimpfaktion ausführt, wenig überrascht. "Die Impfzahlen nehmen schon seit etwa eineinhalb Wochen deutlich zu." Seien es in Limburg vor einiger Zeit noch 90 Menschen gewesen, so kamen vergangene Woche nach Frickhofen schon 150 Leute. Und in Dauborn sind es am Ende insgesamt 265 Männer und Frauen, so die Kreisverwaltung auf Anfrage - und das innerhalb von nur vier Stunden.

Für einen reibungslosen Ablauf sorgen zwei Ärzte, Gertrud Sperveslage aus Brechen und Dr. Jürgen Unger aus Limburg, sowie zwei medizinische Fachangestellte und zwei Helfer, die für die Datenerfassung zuständig sind. Ein kurzer Check der Personalien, ein Blick in das gelbe Impfbuch, Oberarm hochgekrempelt - und schon senkt sich die Nadel in den Oberarm. Keine fünf Minuten dauert eine einzelne Impfung, und schon ist der nächste dran.

Der überwiegende Teil der in Dauborn Geimpften verlangt nach einer Auffrischung; lediglich 50 werden an diesem Tag zum ersten Mal geimpft, wie der Kreis mitteilt. Zweitimpfungen habe es nur vereinzelt gegeben. Das größte Vertrauen genießt offenbar der Biontech-Impfstoff, nur 40 Impfkandidaten entscheiden sich für Moderna. "Nach der negativen Berichterstattung bekommen wir Moderna kaum noch los", ärgert sich Fruhner. Dabei gebe es für die meisten Menschen keinen sachlichen Grund, der gegen den US-Impfstoff spreche. Denn die Stiko-Empfehlung sage klar, dass Moderna nur bei unter 30-Jährigen nicht verabreicht werden soll. Für alle anderen Altersgruppen sei der Impfstoff nicht riskanter als Biontech. Für den Ablauf einer Impfaktion wie in Dauborn, so Fruhner, sei diese Situation insofern unerfreulich, als die Verabreichung des Moderna-Impfstoffs deutlich einfacher sei.

Länger öffnen und

Sonderimpfaktionen

Impfzentrum, Hausärzte und Sonderimpfaktionen - aus dieser Trias besteht die aktuelle Impfstrategie im Landkreis Limburg-Weilburg gegen das Coronavirus. Dass es richtig war, ein Impfangebot auf der Dietkirchener Höhe aufrechtzuerhalten, hatte Landrat Michael Köberle (CDU) kürzlich betont. Damit sei der Kreis Limburg-Weilburg einen anderen Weg als viele andere hessische Landkreise gegangen. Wegen der großen Nachfrage wurde das Angebot in Dietkirchen erst vor kurzem verdoppelt, so dass nun eine Kapazität von etwa 200 Impfungen täglich bestehe, wie Kreissprecher Jan Kieserg erklärt. Doch angesichts ausgebuchter Termine bis Februar 2022 werde über eine erneute Ausweitung nachgedacht. "Zurzeit überlegen wir, ob wir die Öffnungszeiten erhöhen sollen", so Kieserg auf Anfrage. Derzeit habe das Zentrum von 12 bis 20 Uhr geöffnet, künftig könnten auch schon vormittags Termine vergeben werden.

Der große Andrang während der Sonderimpfaktion in Dauborn, die Kieserg insgesamt als großen Erfolg wertete, habe gezeigt, dass es eine verstärkte Nachfrage nach sogenannten Booster-Impfungen gebe. Aber auch der Druck auf die Ungeimpften nehme offenbar weiter zu. Kieserg machte aber auch deutlich, dass der Landkreis alleine es nicht schaffen werde, gemeinsam mit dem DRK die Impfnachfrage zu befriedigen. Auch die Hausärzte spielten eine wichtige Rolle; diese müssten sich aber auch um ihre übrigen Patienten kümmern.

Der Landkreis bietet weitere Sonderimpftermine an - jeweils von 14 bis 18 Uhr: Der nächste ist am heutigen Freitag, 19. November, im Bürgerhaus Schloss in Mengerskirchen. Es gibt auch zweite Termine: Im Kurhaus Bad Camberg am Freitag, 3. Dezember, beim DRK Frickhofen und am Bürgerhaus Dehrn am Freitag, 10. Dezember, in der Mehrzweckhalle Dauborn am Dienstag, 14. Dezember, in Mengerskirchen am Freitag, 17. Dezember, sowie im Mineralbrunnen in Niederselters am Montag, 20. Dezember.

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