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Sicher unterwegs, weil andere falsch parken

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Die Teilnehmer beim Fahrsicherheitstraining. Ganz rechts: Coach Knut Tamme am Trainingsauto der Polizei.
Die Teilnehmer beim Fahrsicherheitstraining. Ganz rechts: Coach Knut Tamme am Trainingsauto der Polizei. © weis

Training am Fahrzentrum der Polizei Hessen an der Bundesstraße 417

Hünfelden/Hünstetten -"Es ist ein Unterschied, ob man mit 45 Kilometern pro Stunde gegen die Wand fährt oder mit 70", meint Sicherheitstrainer Gerhart Leist kernig. Unfälle sollen nämlich durch "die Art der Reaktion" verhindert oder Unfallsituationen minimiert werden. Neun interessierte Teilnehmer zwischen 18 und 23 Jahren sowie ein Vater haben sich auf dem Fahrtrainingszentrum der Polizei Hessen an der Bundesstraße 417 eingefunden.

Seit knapp 25 Jahren richtet die Kreisverkehrswacht Limburg-Weilburg das Fahrsicherheitstraining für Jugendliche und Senioren ab 65 Jahren aus. Zwei Mal beziehungsweise drei Mal pro Jahr finanziert die Gemeinde Hünfelden aus Geldern, die aus Parkknollen und zu schnellem Fahren eingenommen werden, ein kostenfreies Training für Jugendliche und Senioren ab 65 Jahren aus Hünfelden. Und die Kurse werden auch außerhalb der Gemeinde sehr gut angenommen, denn Ziel ist das "bewusste Fahren, um in Gefahrensituationen das Gelernte abrufen und gut reagieren zu können", weiß Ordnungsamtsleiterin Helga Natz.

Auf dem Trainingsgelände wurden orange-weiß-gestreifte dreieckige Pylonen aufgebaut und ein schwarzer Golf zu Übungszwecken bei Theorie, Brems- und Slalomübungen zur Verfügung gestellt. Fahrtrainer Knut Tamme setzt sich lässig in den Wagen, verknuddelt den Anschnallgurt und sitzt mit gestreckten Beinen hinter dem Lenkrad. Folkert legt sofort Veto ein und richtet den Autogurt. Tamme erklärt an Leas ausgestrecktem Arm, was bei einem Aufprall medizinisch und physikalisch passieren könnte und ob mit der richtigen Sitzeinstellung vielleicht Einfluss auf die körperlichen Folgen genommen werden könnte. Etwa, dass nur der Knöchel statt des Oberschenkels getrümmert wird. "Wir bewegen uns heute noch öfters am Rand der Physik", schmunzelt Gerhart Leist.

Ausprobieren mit der "Grenzerfahrung"

Simon erwartet sich vom heutigen Kurs Hilfe im Alltag und eine richtige Reaktion, die aus dem Bauch heraus kommen kann. Lenny möchte seinen Golf auch in "kritischen Situationen beherrschen können". Doch Gerhard Leist weiß aus Erfahrung, dass man "das Auto nicht beherrschen kann, sondern den Unfall oder die Gefahrensituation meist nur minimieren kann".

Auch Mediziner Folkert möchte einmal "Grenzerfahrung" mit seinem Auto machen und ausprobieren, was passiert, wenn sein Audi ausbricht. Auch Jenna, Jakob sowie Tim wollen "sinnvolles, neues und essenzielles Lernen" mit ihrem Fahrzeug am heutigen Trainingstag.

Nach der "theoretischen Trockenübung" rund um das richtige Sitzen, Anschnallen und die Funktionen des Autos kommen die Walkie-Talkies, mit denen jeder Teilnehmer ausgestattet ist, zum Einsatz. Die Jugendliche können nach den Anweisungen mit ihrem eigenen Personenkraftwagen durch den Wald auf dem Trainingsgelände fahren. Dabei können natürlich auch echte Wildschweine und Rehe den Weg kreuzen. Zudem werden besondere Brems- und Kreiselübungen gemacht. Knut Tamme und Gerhart Leist sorgen nach dem unebenen Waldgelände sogar für Blitzeis beziehungsweise eine spiegelglatte Fläche mitten auf der Trainingsstrecke und das bei strahlendem Sonnenschein Anfang Mai.

Herausforderungen im Winter

Die Experten wissen natürlich, dass gerade der Winter für unerfahrene Fahranfänger eine Herausforderung darstellen kann. Und hier erklären Tamme und Leist auch den unterschiedlichen Umgang bei Autos mit und ohne ABS. "Wenn ihr den Zündschlüssel rumdreht, leuchtet ein orangefarbenes Symbol mit zwei Bremsbacken auf", erklärt der Coach Janine, die einen 22 Jahre alten Seat fährt und "lernen möchte, sicherer zu fahren". Alle sind sich einig: ein rundum gelungener Tag. YVONNE WEIS

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