Hünfeldens Bürgermeisterin hat runden Geburtstag

Silvia Scheu-Menzer feiert im kleinen Kreis

  • vonPetra Hackert
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Sie ist die einzige Bürgermeisterin im Kreis Limburg-Weilburg und Sprecherin der 19 Rathaus-Chefs

Hünfelden -Rund 300 Leute wären sicher zur Geburtstagsfeier gekommen. Silvia Scheu-Menzer hatte die Halle gemietet - und wieder abgesagt. Heute wird die Hünfeldener Bürgermeisterin 60. Ein Einschnitt im Leben. Man beginnt, noch mehr über die Zukunft nachzudenken. Der eigenen widmet sie gerade die wenigste Zeit. Das liegt an der Pandemie. Die Corona-Krise hat dafür gesorgt, dass gewohnte Routinen verschwinden. Auch im Bürgermeister-Alltag. Im kleinen Kreis kann sie trotzdem feiern: Ihr Mann Peter und die beiden nun erwachsenen Söhne, ihre Eltern - die werden sicher zu den ersten gehören, die der Daubornerin zum Jubeltag gratulieren. Die Tage und Wochen davor waren ganz anders, als sie hätten sein sollen. Coronabedingt eben.

Als einzige Bürgermeisterin im Landkreis steckt sie mitten in ihrer zweiten Legislaturperiode. Jahre für Hünfelden, die der Architektin gut getan haben. Sie ist gerne ins Amt gestartet, weitere Aufgaben sind hinzugekommen. Seitdem Werner Schlenz nicht mehr Brechener Bürgermeister ist, hat sie dessen Funktion als Sprecherin der 19 Rathaus-Chefs im Kreis übernommen. Das kommt jetzt zum Tragen, wenn sich die Verwaltungsspitzen mit dem Landrat treffen, einmal die Woche per Telefonkonferenz. Die Fragen, die alle bewegen, sammelt sie vorher, um das Ganze zu strukturieren. Es soll schneller, konzentrierter gehen, wenn man sich austauscht.

Familien

entlasten

Gerade sind die Kitas und die Schulen ein wichtiges Thema. Überall werden die Beschränkungen sukzessive gelockert. Das gilt allerdings nicht für Abstand und Hygiene, das A und O in der Corona-Zeit. Neu ist, dass mehr Kinder in den Einrichtungen sein werden. Eine organisatorische Aufgabe, der sich jetzt alle Kommunen widmen. Das Ziel: Die maximalen Möglichkeiten bei maximaler Sicherheit zu schaffen, und zwar so, dass möglichst viele Familien entlastet werden. So wie vorher ist es noch nicht, doch Schritt für Schritt wird es besser.

"Ich mache das noch immer sehr gern", sagt Scheu-Menzer über ihr Aufgabenfeld. Als Landratskandidatin war sie im Gespräch, entschied sich aber anders. Sie wollte Bürgermeisterin in ihrer Heimatgemeinde bleiben. Nach wie vor parteilos, außerdem im Kreistag aktiv. Neu ist jetzt, dass die Flipchart-Karte, auf der sie ihre Gedanken und Ideen ordnet, anders aufgebaut ist. Auf was muss alles geachtet werden? Was steht als nächstes bevor?

"Wir reagieren im Grunde von Woche zu Woche neu", sagt die Bürgermeisterin zum Thema Lockerungen. Die Sportvereine dürfen ihre Hallen wieder nutzen. Jeder musste ein Hygienekonzept erstellen. "Die habe ich alle gelesen", meint sie. Überhaupt: Lesen und Verarbeiten ist noch wichtiger geworden als zuvor. Ebenso die andere Art der Kommunikation. Wer ins Rathaus möchte, muss sich vorher anmelden. Die Räume werden mit Maske betreten. Der Mund- und Nasenschutz begegnet den Besuchern auf allen Fluren. Die Bediensteten passen auf, gehen mit gutem Beispiel voran. Niemand möchte, dass sich das Virus ausbreitet.

Angesichts dessen rückt im Bilanzgespräch das meiste in den Hintergrund, wirkt fast unwichtig. Obwohl, eines ist geblieben: "Ich bin ein Teamplayer", sagt Silvia Scheu-Menzer. Sie setzt auf viele gute Gedanken, so auch jetzt. Das hat geholfen, als zu Beginn der Flüchtlingskrise 2015 die größte Räumlichkeit im Kreisgebiet in Hünfelden zur Verfügung gestellt wurde. Ein enormer Arbeitskreis freiwilliger Helfer hatte sich gebildet, um die Menschen in Not und die in der Verwaltung zu unterstützen.

Ähnlich beim Thema Windkraft: Die Hünfeldener wollen Transparenz. Nicht nur die Entscheidungen des Parlaments sind nachvollziehbar. Mehr noch: Auch hier gibt es Arbeitstreffen, über die sie informiert oder Ideen, die über das Internet und die Presse weitergegeben werden. Gegenwind gibt es auch. "Nicht immer fair", wie sie erfahren hat. Doch das kam auch vor: Leute, die sich für falsche Anschuldigungen entschuldigt haben. "Das hat gut getan", sagt sie.

Für Silvia Scheu-Menzer ist es wichtig, nicht als "One-Frau-Show" an der Spitze zu stehen. Das sagt sie, und das belegt sie durch ihre tägliche Arbeit. Die hat sich durch die Pandemie verändert. Aber sie stellt fest: "Politisch ziehen wir alle an einem Strang." Keiner will die Krise verschärfen. Fast nebenbei geht es weiter mit der Entwicklung neuer Baugebiete. Bezahlbarer Wohnraum für unterschiedliche Bedürfnisse - darauf liege ein weiteres Augenmerk.

"Ich plane und bereite viel vor", sagt die Architektin, die im zehnten Jahr Bürgermeisterin in Hünfelden ist. Und: Sie ist jetzt abends früher daheim als sonst. Viele Sitzungstermine, Jubiläen, Repräsentationstreffs entfallen. Da ist die Zeit wie eingefroren. Entschleunigung ist trotzdem etwas anderes, denn immer gilt es, die Luft anzuhalten, gute Entscheidungen zu treffen, keine gesundheitlichen Risiken einzugehen, aber doch so viel wie möglich zu gestatten.

Sie spielt

wieder Schach

Noch etwas ist neu: die freie Zeit. "Wenn ich frei habe, bin ich sonst im Urlaub", sagt sie. Geht alles nicht. Pandemie. Dafür haben sie und ihr Mann Peter das Schachspiel wiederentdeckt. Vor vielen Jahren war das ein Hobby. Jetzt fehlt für eine richtige Partie dennoch die Muße. Deshalb ist sie auf den Vorschlag ihres Mannes eingegangen: Jeder darf jeden Tag nur einen Zug machen. Sechs Wochen hat das Spiel gedauert. Das war echte Entschleunigung.

Für die nächste Zeit hat sie sich vorgenommen, weiter am Ball zu bleiben, unterstützt von ehrenamtlichen Kommunalpolitikern und den Menschen in der Verwaltung, die auch mit der Krise umgehen müssen. Und dann wird Geburtstag gefeiert. Vielleicht nächstes Jahr. 60 plus 1.

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