Die Ergebnisse der IHK-Umfrage wurden im Hünfeldener Rathaus von Silvia Scheu-Menzer (Bürgermeisterin), Monika Sommer (IHK-Hauptgeschäftsführerin), Robert Krebs (Erster Beigeordneter der Gemeinde), Alfred Jung (Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Standortpolitik) und dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung Jürgen Semrau (von links) vorgestellt.
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Die Ergebnisse der IHK-Umfrage wurden im Hünfeldener Rathaus von Silvia Scheu-Menzer (Bürgermeisterin), Monika Sommer (IHK-Hauptgeschäftsführerin), Robert Krebs (Erster Beigeordneter der Gemeinde), Alfred Jung (Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Standortpolitik) und dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung Jürgen Semrau (von links) vorgestellt.

Sorgen in Hünfelden wegen Fachkräftemangel

Umfrage der IHK: Gemeinde punktet bei Wohnqualität

  • vonTobias Ketter
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Unternehmer bewerten Wirtschaftsstandort positiv

Hünfelden -Die meisten in Hünfelden beheimateten Unternehmen sind mit dem Wirtschaftsstandort zufrieden. Das geht aus einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Limburg (IHK) hervor. 80 Prozent von 101 befragten Betrieben aus verschiedenen Branchen bewerten die Bedingungen in der Kommune positiv. 20 Prozent sind nicht zufrieden. Die Bewertungsskala der Umfrage reicht von sehr zufrieden (Note 1) bis sehr unzufrieden (Note 6). Hünfelden erzielt bei der Evaluation mit 47 Fragen eine Gesamtwertung von 2,96. Neben der Benotung hatten die Gewerbetreibenden auch die Möglichkeit, die Standortfaktoren nach ihrer Wichtigkeit zu ordnen.

Infrastruktur: Der wichtigste Standortfaktor ist die Infrastruktur. 82 Prozent messen ihr eine hohe oder sehr hohe Bedeutung zu. Der Gesamtwert in dieser Kategorie beträgt 3,05. Gut beurteilt wurde die Anbindung an das Fernstraßennetz (2,11), die Anbindung an den Flughafen (2,40) und die Nähe zu den Absatzmärkten (2,54). Eine mittlere Wertung erhielten die Leistungsfähigkeit des örtlichen Straßenverkehrs (3,07), der bauliche Zustand der Verkehrsinfrastruktur (3,11), die Anbindung an den ÖPNV (3,22) und die Breitbandanbindung (3,32). Nicht so gut beurteilt wurde die Anbindung an den Schienenverkehr (3,44) sowie Tagungs- und Übernachtungsangebote (4,10).

Mittlere Wertung für Höhe der Abfallkosten

Kosten: In der Bedeutung an zweiter Stelle liegen die Standortkosten. Sie haben einen Zufriedenheitswert von 3,20 erhalten. Am positivsten wurde die Höhe der Personalkosten (2,90) bewertet. Mittlere Wertungen erzielten die Miet- und Kaufpreise von Gewerbeimmobilien (3,24) sowie die Kosten von Wasser, Abwasser und Abfall (3,21). Kritischer sehen die Unternehmer die Höhe des Gewerbesteuerhebesatzes (3,44).

Weiche Standortfaktoren: Auch die sogenannten weichen Standortfaktoren sind für viele Betriebe wichtig. Sie liegen an dritter Position. In dieser Kategorie punktet Hünfelden. Insgesamt ergibt sich ein Wert von 2,77. Die besten Beurteilungen gab es für die Wohnqualität (2,10). Dahinter folgt die Umwelt- und Lebensqualität (2,22). Ebenfalls gute Bewertungen erhielten das Schulangebot (2,42) und das Betreuungsangebot für Kinder (2,49). Im mittleren Bereich befinden sich das Image der Kommune (2,60), das Sport- und Freizeitangebot (2,72), die Gesundheitsversorgung (2,83) und das Betreuungsangebot für ältere und pflegebedürftige Leute (2,95). Etwas weniger gut kommen das Kulturangebot (3,11), das Einzelhandelsangebot (3,22) und das gastronomische Angebot (3,40) weg.

Wirtschaftsförderung und Verwaltung: Diesen Faktor beurteilten die Betriebe mit einem Gesamtwert von 3,1. Zufrieden sind die Gewerbetreibenden mit der generellen Erreichbarkeit der Verwaltung (2,66). Daran schließen sich die Wertungen für die Bearbeitungsdauer (2,83) und die Verlässlichkeit bei Wirtschaftsfragen (2,95) an. Mittelmäßig beurteilt wurde die Begründung von Entscheidungen und die Transparenz (3,05). Auch die Kategorie "ein offenes Ohr für Wirtschaftsfragen" (3,05) und die Qualität des Onlineangebotes (3,16) erhielten durchschnittliche Noten. Die schwächste Bewertung bekam das kommunale Standortmarketing (3,42).

Fachkräftebedarf: Dem Bereich Arbeitsmarkt und Bildung schreiben mehr als zwei Drittel der Gewerbetreibenden eine eher hohe Bedeutung zu. Zufrieden sind sie mit dem Angebot jedoch nur teilweise. Die Gesamtbeurteilung erzielt einen Wert von 3,38. Eine relativ gute Einzelwertung gibt es für die Nähe zu Berufsschulen (2,90). Die Verfügbarkeit von Berufseinsteigern und Auszubildenden (3,30) schneidet etwas schlechter ab. Schwächere Bewertungen wurden für die Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen (3,51), das regionale Weiterbildungsangebot (3,59) und die Verfügbarkeit von Fachkräften (3,59) vergeben.

Flächenangebot: Die Flächenverfügbarkeit ist für die Unternehmen je nach Branche mehr oder weniger relevant. Insgesamt ergibt sich ein Zufriedenheitswert von 3,24. Eine etwas bessere Beurteilung gibt es für die Verfügbarkeit von Wohnraum (3,16). Etwas schwächer schneidet die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen und -immobilien (3,32) ab.

Sonderfrage: Die Betriebe wurden auch nach emotionalen Begriffen befragt und wie stark sie diese mit Hünfelden assoziieren. Sehr stark verbunden sieht man die Gemeinde mit Begriffen wie Natur (1,82), Heimat (2,02), Sicherheit (2,05) und Familienfreundlichkeit (2,18). Weniger assoziieren Unternehmer die Kommune mit Kreativität (3,00) und mit Wirtschaftskraft (3,19). Am wenigsten sehen sie Hünfelden verbunden mit Kunst und Kultur (3,66) sowie Tourismus (4,24).

Statements zu der Auswertung: "Die Ergebnisse der Befragung sind eine Chance", sagt Silvia Scheu-Menzer, Bürgermeisterin von Hünfelden. Die Gemeinde werde die Schwachstellen angehen, um die Unternehmer noch mehr zu unterstützen. Ein besonders wichtiges Thema sei der Fachkräftemangel. Und auch der ÖPNV habe hohe Priorität. "Seit eineinhalb Jahren versuchen wir eine Busverbindung zwischen Ohren und Bad Camberg zu schaffen", sagt Scheu-Menzer. Eine verbesserte Internetanbindung sei schon lange ein wichtiges Thema. Kultur und Tourismus dürfe nicht unterschätzt werden. "Wir sind deshalb mit Bad Camberg, Selters und Brechen vernetzt, um die Marke Goldener Grund zu entwickeln", so Scheu-Menzer. Generell möchte sie kleinen Unternehmen auch künftig die Chance geben, in der Region zu bleiben.

"Hünfelden ist die fünfte Kommune, in der wir die Umfrage durchgeführt haben", sagt Monika Sommer, Hauptgeschäftsführerin der IHK Limburg. Man wolle die Evaluation in allen Städten und Gemeinden des Landkreises machen. "Mit der Umfrage wollen wir den Kommunen aufzeigen, welche Bedürfnisse die Betriebe haben. Gemeinsam mit Politik und Verwaltung wollen wir dann Verbesserungen bewirken", sagt Sommer.

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