Sehen aus wie brave Samtpfoten, auch wenn sie fauchen wie hier. Es sind aber Wildkatzen.
+
Sehen aus wie brave Samtpfoten, auch wenn sie fauchen wie hier. Es sind aber Wildkatzen.

Nur Wildschweine und Waschbären bleiben in der Dauborner Einrichtung außen vor

Wo Problemkinder auf die Freiheit warten

In der Wildtierstation gibt es einen 24-Stunden-Betrieb

Axel Wagner vom Naturschutzbund (Nabu) Rhein-Lahn und der Diezer Tierschutzverein wurden von der Optonia-Fachschule informiert, dass auf der Treppe ihrer Schule im Wilhelm-von-Nassau-Park in Diez ein junger Turmfalke sitzt. Wie der Nestling dorthin kam konnte nicht geklärt werden. Was sollte man tun? Axel Wagner, der als engagierter Tierschützer und Naturfreund bekannt ist, holte den jungen Vogel ab und brachte ihn zunächst zu Rosie Küssner vom Diezer Tierschutzverein. Dort blieb das Tier über Nacht. Am nächsten Tag wurde der kleine Falke wieder von Wagner abgeholt und in die Wildtierstation Dauborn gebracht und dort aufgenommen.

Zum Hintergrund: David Schmidt und seine Partnerin Ilka Pissin haben einen Verein gegründet, der das Ziel verfolgt, verletzte und verwaiste Wildtiere aufzuziehen und gesundzupflegen, um sie dann wieder in die Freiheit zu entlassen. "Ich durfte mit Axel Wagner die Station besuchen und war sehr überrascht, dass die Wildtiere, die in die Obhut der Tierschützer kommen, zunächst in einer Quarantänestation untergebracht werden", berichtet Rüttger Schrörs. Dort untersucht sie eine Tierärztin, um festzustellen, ob die Tiere keine ansteckenden Krankheiten haben.

Zuerst in die

Quarantäne

Verletzungen werden sofort behandelt. Wenn die Wildtiere die Quarantänestation verlassen, kommen sie in verschiedene Käfige, Volieren oder Gehege. Auch eine Art Brutkästen stehen für wärmebedürftige Jungtiere bereit.

"Ich war erstaunt über die vielen Regale auf denen die Nahrung gelagert werden", so Rüttger Schrörs weiter. "Beeindruckend fand ich auch die Hygienemaßnahmen. Das ist mit sehr viel Arbeit verbunden." In den Regalen lagern unter anderem viele "Windeln", die auf den Böden der Behältnisse ausgelegt werden, um sie sauber zu halten. Auch stehen einige Regale und Tiefkühltruhen für die Lagerung des Futters bereit.

Der Verein, der vom Veterinäramt die Erlaubnis hat, die Tiere zu pflegen und sie auf die Auswilderung vorzubereiten, betreut zurzeit rund 300 Tiere, davon sind 200 Singvögel. Sogar die seltenen Arten Schwarzspecht und Feldlerche sind darunter. "Sehr interessant fand ich die acht jungen Baummarder, die in ihrem großen Gehege umherwuselten", erzählt der Wasenbacher.

Halsbandsittiche für den Schlosspark

In einem anderen Zimmer waren sieben junge Wildkatzen untergebracht. "Sie lagen auf einem Klettergestell und fauchten mich an", berichtet Schrörs. "Eben Wildkatzen. Sie alle wurden oder werden im Senckenberg Museum in Frankfurt auf ihre Reinrassigkeit genetisch untersucht." Zwei Siebenschläfer sind in einer Art Brutkasten untergebracht. In einer anderen Box warteten drei Halsbandsittiche auf ihre Auswilderung im Biebricher Schlosspark. Ein schon fast ausgewachsener Mäusebussard dort ist sehr scheu, unselbstständig und muss noch mit der Hand gefüttert werden. Ein weiterer Mäusebussard und 14 Turmfalken-Junge fühlen sich gut in ihren Behältnissen untergebracht und machen einen zufriedenen Eindruck.

David Schmidt sagte, dass zurzeit keine Eichhörnchen zur Pflege und Behandlung da sind. Diese Tiere haben einen unbändigen Bewegungsdrang und man muss deshalb besonders auf sie aufpassen. Mit einem Grinsen erzählte er, dass alle jungen und verletzen Wildtiere aufgenommen werden - außer Wildschweine und Waschbären. Wer diese Tierarten näher kennt, kann das verstehen. Füchse würden zwar aufgenommen, sind aber nur sehr schwer zu halten. Mehrere Füchse zusammen unterzubringen wäre unmöglich, da sich diese untereinander beißen und verletzen.

"Der Verein und seine aktiven Mitglieder sind sehr überzeugte Tierschützer und tun das irgendwie Mögliche, um die Wildtiere wieder in die Freiheit zu entlassen", ist Rüttger Schrörs überzeugt. "Natürlich ist das nicht zum Nulltarif zu haben. Im Moment betragen die Kosten nur für die Fütterung der vorhanden Tiere 30 bis 40 Euro pro Tag. Deshalb ist jede Spende willkommen." og

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare