+
Jagdpächter Dieter Wolf

Aufregung in Hundsangen

Vier Hunde töten Ricke

  • schließen

Feld und Flur sind derzeit eine Kinderstube, die Wildtiere haben Nachwuchs oder stehen kurz davor, zu gebären. Frei herumlaufende Hunde sind für die Tiere ein große Gefahr, eine tödliche Gefahr, wie ein Fall in Hundsangen zeigt.

Die Ricke war hochtragend, in Kürze hätte sie zwei Kitze zur Welt gebracht. Stattdessen lag das Reh vergangene Woche mit aufgerissenem Leib in einem Hof mitten in Hundsangen. Der Anblick des toten Tiers inmitten von Blut und ausgerissenen Fellbüscheln hat selbst den erfahrenen Jagdpächter Dieter Wolf geschockt. „Das ist ein Trauerspiel“, sagt er. Die Ricke sei von vier Schäferhund-Mischlingen übers Feld bis ins Dorf gejagt worden. Dort seien die Schäferhundmischlinge dann über das entkräftete Tier hergefallen.

Dies habe nur passieren können, weil ein gedankenloser Halter mit vier nicht angeleinten Hunden unterwegs war. Als diese das Reh aufspürten, gelang es ihm nicht, seine Tiere unter Kontrolle zu bekommen. Gerade in der aktuellen Jahreszeit sei dies fatal. „Der Wald ist zurzeit die reinste Kinderstube“, sagt Wolf. Viele Wildtiere seien hochträchtig, die Geburt der Jungtiere stehe unmittelbar bevor. „Sie können in diesem Zustand nicht mehr schnell laufen und sind leichte Beute für wildernde Hunde“, sagt Dieter Wolf. Außer Rehen seien derzeit Jungvögel, vor allem Bodenbrüter, und Hasen besonders gefährdet.

Der Jagdpächter appelliert aus aktuellem Anlass an alle Hundehalter, ihre Hunde gerade in dieser sensiblen Zeit anzuleinen – auch beim Spaziergang durch Wald und Feld. Denn der Jagdtrieb stecke in jedem Hund, gefährlich für Wildtiere würden allerdings meistens größere Rassen wie Schäferhunde oder auch Terrier. Sie müssten sehr gut und konsequent erzogen sein, um Herrchen oder Frauchen bei der Begegnung mit Wild zu gehorchen. „Die Tiere müssen von klein auf Gehorsam lernen“, sagt Wolf, der, wie er sagt, seit 55 Jahren selbst Jagdhunde ausbildet. Schwierig werde es, wenn Hunde bereits des Öfteren ausgebüxt sind und Wild gejagt haben. „Das ist dann schwer wieder rauszubekommen“, sagt der Jäger. Grundsätzlich ärgere er sich jedoch weniger über die Hunde, die ihrem Instinkt folgen, sondern eher über deren Besitzer. „Ich habe noch nie einen wildernden Hund erschossen, obwohl ich das dürfte“, sagt Wolf.

Der Halter der vier Schäferhundmischlinge aus Hundsangen habe zumindest Reue gezeigt. Allerdings sind derartige Vorfälle kein Einzelfall. Auch vergangenes Jahr wurde Dieter Wolf gerufen, als ein Schäferhund ein Reh gerissen hatte. Das Tier war seinem Frauchen bereits mehrmals entkommen und wurde schließlich im Tierheim untergebracht, erzählt der Jagdpächter.

(jub)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare