Post-Streik

Immer mehr Arbeit – aber das Einkommen soll sinken

Die Mitarbeiter der Post streiken. Nicht alle, aber doch so viele, dass der Streik nicht unbemerkt bleibt. In Limburg und Umgebung halten sich die Auswirkungen in der dritten Streikwoche in Grenzen, das liegt vor allem daran, dass dort noch viele Beamte im Einsatz sind – und Beamte dürfen nicht streiken.

Die Steaks und Würstchen sind fertig, die mitgebrachten Salate stehen bereit und auch eine große Auswahl an Getränken steht zur Verfügung. Das könnte ein Grillfest sein, ist aber keines, sondern eine Versammlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Post AG, die sich im Streik befinden. 70 bis 80 sind es, die den Weg auf die Zuchtanlage in Lindenholzhausen gefunden haben. Stefan Schneider, Vorsitzender der Verdi-Ortsvereins Limburg-Weilburg, ist überaus zufrieden mit der Beteiligung. Und mit der Zeit kommen auch noch etliche Beamte hinzu, die ihren Dienst beendet haben und den Kollegen solidarisch zur Seite stehen.

„Ist denn auch genug Geld in der Streikkasse, halten wir das noch aus?“, ist die besorgte Frage eines streikenden Postmitarbeiters. Stefan Schneider zerstreut die Befürchtungen und verweist darauf, dass der Bundesvorstand schon in der ersten Streikwoche entschieden habe, das Streikgeld zu erhöhen, wenn der Arbeitskampf nach vier Wochen noch nicht beendet ist.

Für die Sorge und Nöte der Postmitarbeiter im Zustelldienst hat Schneider durchaus Verständnis, das kann er jedoch nicht für diejeningen aufbringen, die am vergangenen Sonntag Briefe ausgetragen und Pakete verteilt haben. 100 Euro hätten sie dafür auf die Hand erhalten. Unsolidarisch sei dies, so Schneider.

Was die Akzeptanz des Streiks bei den Kunden der Post angeht, hat der Verdi-Kreisvorsitzende keine Befürchtungen. Was bei ihm ankommt ist geprägt vom Verständnis für die Streikenden. „Wir wollen ja auch nicht einfach mehr Geld haben, wir wollen nur nicht verlieren“, so Schneider. Das Augenmerk derer, die am Streik teilnehmen, richtet sich gegen die Gründung neuer Tochtergesellschaften. Dort sollen die Mitarbeiter künftig für weniger Geld abreiten.

Dabei ist die Arbeit in den vergangenen Tagen immer mehr geworden. Eine festangestellte Mitarbeiterin der Post berichtet davon, dass ihre tariflich festgelegte Arbeitszeit so gut wie nie ausreicht, um die Briefe und Pakete richtig zuzustellen. Fertig ist sie natürlich erst, wenn alles verteilt ist. „Wenn ich abends nach Hause komme, bin ich schlagskaputt“, sagt die Zustellerin, die in und rund um Limburg Briefe und Pakete zustellt. Und oft sind es 80 Pakete und mehr, die sie auf ihrer Tour mitnimmt, Die Menschen kaufen zwar recht bequem über das Internet ein, aber die Ware muss dann auch bei den Kunden ankommen. Und wenn Hundefutter oder Feuerholz per Paket verschickt wird, dann hat sie als Austrägerin mächtig zu schleppen.

In Zukunft, so die Befürchtung von Verdi, soll das alles für weniger Lohn über die Bühne gehen. Dann nämlich, wenn die Post überall ihre Tochterunternehmen ins Leben gerufen hat. Die Deliverys sind zwar derzeit noch für die Paketzusteller vorgesehen, doch dass es dabei bleibt, daran glaubt Stefan Schneider nicht. Auch die Briefzusteller werden nach Einschätzung der Gewerkschaft in diese Subunternehmen überführt. Und dann gibt es deutlich weniger Geld. Und wenn dieses Beispiel Schule macht, dann werde sich das weiter fortsetzen. Und das obwohl die Post AG als Unternehmen ausgezeichnete Gewinne mache.

Schneider forderte die Anwesenden dazu auf, in den Bemühungen für einen Fortbestand ihrer Arbeitsverhältnisse mit der Post AG als Arbeitgeber nicht nachzulassen. Heute nehmen die Streikenden an einer Kundgebung in Mainz teil. Auch in Limburg ist für diese Woche noch eine Kundgebung vorgesehen.

Während es das Ziel der Gewerkschaft ist, möglichst viel Streikwirkung zu erzielen, hat die Post als Unternehmen ein entgegengesetztes Ziel, sie möchte die Auswirkungen des Streiks ihrer Zusteller möglichst niedrig halten. „80 Prozent der Briefe und Pakete werden fristgerecht zugestellt“, sagt Post-Pressesprecher Heinz-Jürgen Thomeczek. Um dieses Ziel zu erreichen, greift das Unternehmen auf Regelungen zurück, die schon in der Vergangenheit erprobt wurden beziehungsweise auf die saisonbedingt immer wieder zurückgegriffen wird.

Um das Ziel einer hohen Zustellquote zu erreichen, waren auch am Sonntag Zusteller unterwegs. Eine entsprechende Regelung hat das Unternehmen dem Regierungspräsidium in Darmstadt mitgeteilt, mehr war dazu nach Angaben von Thomeczek nicht notwendig. Nach unseren Informationen ist den Mitarbeitern eine Antrittsprämie von 100 Euro auf die Hand zu gesagt worden.

Dass die Post Hallen anmietet, um Pakete zwischenzulagern, bestreitet Thomeczek nicht. Vielmehr verweist er auf ein regelmäßig wiederkehrendes Ereignis. Vor Weihnachten wäre das ein übliches Prozedere. Das betreffe auch den Einsatz von Arbeitskräften aus Polen und Rumänien. Im Bereich der Postleitzahl 65, also rund um Wiesbaden, sei es gängige Praxis, in den Sommerferien Kräfte aus den Ländern einzusetzen. Auch dies sei völlig gesetzeskonform, schließlich kämen die Arbeitskräfte aus Ländern der EU.

17,80 Euro, so hoch ist nach Angaben von Thomeczek der Durchschnittsstundenlohn für einen Paketzusteller der Post. Das sei im Vergleich zu den Mitbewerbern zu hoch. In den Delivery-Unternehmen der Post sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch 12,80 Euro pro Stunden erhalten. Das liege noch über dem Niveau der Mitbewerber, so der Sprecher der Post. Nach Einschätzung von Schneider ist die Post jedoch in der Lage, den bisherigen Lohn zu zahlen. Die gute Position am Markt und den hohen Gewinn verdanke das Unternehmen nämlich seinen Mitarbeitern. jl

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