Immer Weniger wollen pflegen

. Immer mehr Menschen sind der Pflege bedürftig, aber immer weniger Arbeitnehmer sind bereit, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Dass der Kreis Limburg-Weilburg in diesem Szenario keine Ausnahme

. Immer mehr Menschen sind der Pflege bedürftig, aber immer weniger Arbeitnehmer sind bereit, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Dass der Kreis Limburg-Weilburg in diesem Szenario keine Ausnahme macht, hat jetzt eine Veranstaltung bei der Limburger Arbeitsagentur verdeutlicht.

Auf Einladung des gemeinsamen Arbeitgeberservices der Arbeitsagentur und des Jobcenters Limburg-Weilburg sind 20 Personalverantwortliche aus heimischen Kranken- und Pflegeeinrichtungen mit Vertretern der Arbeitgeberservices und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) zusammengetroffen, um alternative Wege zur Fachkräftesicherung in den Pflegeberufen zu diskutieren.

Songül Münüklü vom gemeinsamen Arbeitgeberservice brachte das Dilemma auf den Punkt. Im letzten Jahr dauerte es 86 Tage, bis ein Stellenangebot aus dem Pflegebereich abgeschlossen werden konnte. Nicht selten seien diese Stellenangebote jedoch ohne Erfolg abgeschlossen worden, weil sich der Arbeitsplatz nicht besetzen ließ.

2013 standen im Kreis Limburg-Weilburg 360 Stellenmeldungen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen jahresdurchschnittlich 65 arbeitslosen Pflegefachkräften gegenüber. „Und das ist nur ein Teil Wahrheit“, so Münüklü weiter, denn „ein Großteil dieser Erwerbslosen meldete sich arbeitslos, weil sie den Pflegeberuf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben konnten, so dass der heimische Arbeitsmarkt so gut wie nichts mehr hergibt“.

Aus den Reihen der Pflegeverantwortlichen erntete die Agenturmitarbeiterin eifriges Kopfnicken. Eine Pflegedienstleiterin berichtete zudem, dass viele Pflegekräfte nicht mehr in der Branche arbeiten wollen.

Wie sich die prekäre Lage durch die Anwerbung ausländischer Pflegefachkräfte mildern lasse, stellte Marko Markovic von der ZAV vor. Mit dem Projekt „Triple Win“, dass die Bundesagentur für Arbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) erfolgreich in Leben gerufen habe, werden qualifizierte Pflegekräfte aus Ländern mit einem Überschuss an Pflegekräften für eine Tätigkeit in Deutschland angeworben, vorbereitet und vermittelt. Namentlich sind das die Länder Serbien, Bosnien-Herzegowina, die Philippinen und Tunesien. Dabei handele es sich um gelernte oder akademisch ausgebildete Pflegekräfte mit Berufserfahrung, die nach intensiven Bewerbungsinterviews in ihren Heimatländern Sprachkurse beim Goethe-Institut absolvieren und in Seminaren fachlich auf die Pflegesituation in Deutschland vorbereitet werden.

Heimische Unternehmen können sich dann aus dem Bewerberpool entsprechende Kräfte vermitteln lassen. Die Formalitäten der Arbeitsmarktzulassung erledigt die ZAV. Die neuen Arbeitskräfte verpflichten sich, innerhalb eines Jahres nach Arbeitsaufnahme in Deutschland eine Anerkennungsprüfung als Gesundheits- oder Altenpfleger nachzuholen. Dabei werden Sie weiter von den Projektverantwortlichen unterstützt. Vom Erfolg dieser Bemühungen hängt dann auch das weitere Bleiberecht in Deutschland ab. Die Unternehmen verpflichten sich, die ausländischen Kräfte ortsüblich zu entlohnen und zahlen bei Abschluss des Arbeitsvertrages eine Gebühr von 3700 Euro.

Interessierte Arbeitgeber können sich unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 4 5555 20 beim gemeinsamen Arbeitgeberservice in Limburg melden.

(nnp)

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