43 kamen nicht zurück

  • VonPeter Schäfer
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Der von Norbert Bandur gehaltene Vortrag „1945 – Kriegsende in Niedertiefenbach“ im katholischen Pfarrheim ist auf großes Interesse gestoßen. Der Pfarrsaal war bis auf den letzten Platz besetzt.

Zum 70. Mal jährte sich in diesem Jahr das Ende des Zweiten Weltkrieges. Anlass für Norbert Bandur, die, wie er sagte, „Gunst der Stunde zu nutzen“ und sich mit Zeitzeugen zusammenzusetzen, um das Kriegsende in dem Beselicher Ortsteil aufzuarbeiten. Neben der Befragung von mehr als zwei Dutzend Augenzeugen nahm Bandur als Vorbereitung für seinen Vortrag auch Einblick in die Pfarrchronik des Jahres 1945. In der Schulchronik hatte er nur wenig gefunden. Zudem führte er auch umfangreiche Recherchen im Internet durch.

Der Vortrag über das Kriegsende in Niedertiefenbach stellte die Kurzfassung eines Buches mit gleichnamigem Titel dar, das 132 Seiten mit mehr als 50 Fotos umfasst und beim Autor für acht Euro erworben werden kann. Von 579 Einwohnern im Jahr 1939, als der Zweite Weltkrieg begonnen hatte, kamen 43 Männer nicht mehr von den Schlachtfeldern zurück. Somit verlor fast jeder siebte Mann sein Leben oder galt als vermisst. „Einen vermissten Verwandten zu haben war eine trügerische Hoffnung für die Angehörigen. Von den Niedertiefenbacher Vermissten kam keiner zurück“, sagte Bandur.

Er ging auch auf die Kriegsgefangenen und die Zwangsarbeiter ein, die in Betrieben in Deutschland und bei Bauern arbeiten mussten. Diese Menschen durften nach der Ideologie der Nazis nicht an einem Tisch mit einer deutschen Familie essen. Zuwiderhandlungen wurden bestraft. Allerdings wurde nachweislich diese Anordnung auch nicht immer eingehalten und somit Menschlichkeit bewiesen. Mit Kriegsbeginn begann auch eine Zeit der Knappheit. Es wurden eingeführt: Reichsfleischkarten, Reichsfettkarten, Reichsbrotkarten, Reichseierkarten, Reichskleiderkarten und vieles andere mehr. Neben der Tatsache, nicht immer ausreichend Essen zur Verfügung zu haben, war die Gefühlslage der Menschen in Niedertiefenbach bestimmt durch die Angst um die Unversehrtheit oder den tödlichen Verlust des an der Front kämpfenden Vaters, Bruders, Ehemannes, Sohnes, Onkels oder Schwagers. Wenn einmal, so Bandur, nicht der Postbote, sondern der NSDAP-Ortsgruppenleiter die Feldpost überbrachte, wusste man schon um den Inhalt des Briefes. „Dann spielten sich herzzerreißende Szenen im Dorf ab“, wie er von den Zeitzeugen erfuhr.

Kein „Volkssturm“

In dem für die Bevölkerungszahl viel zu kleinen Luftschutzraum (Dingese Eiskeller) war, wenn wieder mal die Tiefflieger unterwegs waren, die Luft so schlecht, dass die Kerzen ausgingen. Ausführlich ging Bandur auch auf viele überlieferte Erlebnisse von Niedertiefenbachern und Bürgern aus den Nachbardörfern mit den Tieffliegern ein. Am 27. März 1945 war es so weit: Die ersten amerikanischen Soldaten marschierten in Niedertiefenbach ein. Ein Zeitpunkt, in dem „hektische Betriebsamkeit zu beobachten war“. Denn nun galt es, belastendes Material wie Akten, Geheimakten, Fahnen mit dem Hakenkreuz ebenso zu verbrennen wie Hitlerbilder und Nazi-Literatur zu vernichten. Die mögliche Rache des Siegers wollte auch im Beselicher Ortsteil niemand riskieren, und niemand wollte mehr etwas mit dem Nazi-Regime zu tun haben. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten in Deutschland gab es in Niedertiefenbach erfreulicherweise keinen unsinnigen „Volkssturm“ mehr in Form von bewaffnetem Widerstand der Bevölkerung gegenüber den Amerikanern.

Zum Schluss seines Vortrages ging Bandur noch auf die Zeit nach dem Kriegsende ein und auf das Miteinander von Siegern und Besiegten, auf die Entnazifizierung und auch auf Anordnungen der Amerikaner für die deutsche Bevölkerung. So war zum Beispiel der Gebrauch von Fotoapparaten und Ferngläsern strengstens verboten.

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