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Bäckermeister Dominique Huth könnte verschiedene Kaffeebecher anbieten, auch recyclebare wie der aus Kaffeeresten gepresste schwarze. Allerdings fehlt bislang die Nachfrage.

Müllberg

Kampf den Einwegbechern: Nur wenige Anbieter aus der Region bemühen sich

Rund 40 000 Tonnen Abfall werden hierzulande jährlich allein durch Einweg-Becher produziert. Diesen Müllberg nicht weiter anschwellen zu lassen, wäre möglich. Allerdings tun sich viele Anbieter auch im Nassauer Land schwer, wie der Versuch einer Umfrage zeigt. Es gibt aber auch gute Ideen.

Kaffee muss dampfen. 60 bis 70 Grad gilt bei Kaffeekennern als die optimale Trinktemperatur. Wird das Gebräu mit 40 oder nur 30 Grad serviert, ist der Genuss dahin. Und genau das sei das Problem mit Mehrwegbechern, sagt der Limburger Bäckermeister Dominique Huth. Kunststoff- oder Porzellantassen kühlen das Heißgetränk sofort herunter. „Wenn Sie heißen Kaffee in einen kalten Becher füllen, wird er lau – und schmeckt auch so.“

Deshalb haben sich umweltfreundliche Mehrwegbehältnisse bislang nicht durchgesetzt, haben schnell erhitzbare Einweg-Pappbecher Einzug in Bäckereifilialen, Imbissrestaurants und bei Tankstellen gehalten. Und deshalb türmen sich bundesweit 40 000 Tonnen zu einem Einweg-Papptassen-Berg.

Rund 320 000 Einwegbecher werden nach Schätzungen der Deutschen Umwelthilfe in Deutschland in einer Stunde verbraucht und weggeworfen. Im Jahr sind das etwa 2,8 Milliarden Becher. Aus dem Kaffee To-Go wird ein Kaffee To-Throw.

Der „Verbrauch unserer knappen Ressourcen“ steige stetig an, sagt Bernd Scholz von der Initiative Grünes Hadamar. Das müsse verhindert werden. Deshalb startete die Gruppe eine Umfrage bei Großbäckereien in der Region. Man habe herausfinden wollen, wie die „Filialen mit diesem Umweltproblem umgehen“. Die Bilanz ist ernüchternd. Von fünf angeschriebenen Bäckereien reagierte nur eine. Auch die Anfragen dieser Zeitung blieben unbeantwortet. Für Bernd Scholz deutet das spärliche Interesse sich mit dem Thema auseinanderzusetzen auf ein Umweltbewusstsein hin, das zumindest ausbaufähig ist.

Geringes Interesse

Auch bei den Konsumenten. Denn die hätten durchaus Möglichkeiten Einwegbecher zu vermeiden, sagt Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne), die bereits im Frühjahr 2016 die Initiative „BecherBonus“ angestoßen hat. Danach sollen Kunden den Bechermüll reduzieren und Mehrwegbecher mitbringen. Dafür erhalten sie pro Heißgetränk einen Nachlass von zehn Cent. In Limburg und Umgebung nehmen an diesem Projekt indes nur wenige Firmen teil. Das Fisch-Restaurant Nordsee, die SB-Bäckerei Backwerk, das Steh-Kaffee Tchibo und die Bäckerei Huth.

Seit drei bis vier Jahren habe man das Thema Mehrwegbecher „konkret auf dem Radar“, sagt Huth, der bereits vor Jahren mit Mehrwegbechern experimentierte und auf den umweltfreundlichen Behältnissen sitzen blieb. Aufgegeben hat er das Thema dennoch nicht. Vielmehr werden in seinen Filialen derzeit Einwegbecher über die Theke gereicht, die es in verschiedenen Größen gibt, auf die jedoch ein einheitlicher Deckel passt. Der ist zwar immer noch aus Plastik. Einen kleinen Beitrag zur Öko-Bilanz leistet das Unternehmen aber trotzdem. Denn die Pappbecher werden nicht wie die der meisten Konkurrenzprodukte in Asien gefertigt, sondern 400 Kilometer entfernt im Osten Deutschlands.

Und dann hat die Bäckerei Huth noch eine ökologische Besonderheit. Die knapp zehn Gramm schwere „Mehrweg-Cup“ aus gepressten Kaffeeresten und Zellstoff. Hält die Trinktemperatur, ist recyclebar, verschafft Kaffeegenuss. Für Tea-To-Go-Kunden ist der Becher allerdings unbrauchbar. Er schmeckt nach Kaffee.

von ANKEN BOHNHORST

Kommentar von ANKEN BOHNHORST:

Plastikmüll wird sich nie vermeiden lassen. Einweg-Einzelteile ebenso wenig. Reduzieren ließe sich die Flut der Dinge für den einmaligen Gebrauch allerdings auf jeden Fall, sofern Anbieter und Verbraucher mitmachen – ohne auf politische Fingerzeige aus Berlin oder Brüssel zu warten. Dass die Politik hier unterstützen will, dass das hessische Umweltministerium mit seiner Becher-Bonus-Initiative die Abfallreduzierung vorantreiben will, ist richtig und wichtig. Nur darauf zu warten, ist falsch. Denn Herstellungsverfahren etwa für wiederverwendbare To-Go-Tassen sind längst entwickelt und könnten täglich über die Ladentheke gereicht werden. Ein Limburger Bäcker hat das bewiesen und gleichzeitig festgestellt, dass die Nachfrage danach noch immer gering ist.

Die könnte angekurbelt werden, wenn sich die Anbieter auf lokaler Ebene zusammenschließen würden. Wenn sich die beispielsweise die Bäckereien, Imbissrestaurants und Tankstellen aus der Region mehrheitlich für eine umweltfreundliche Becher-Lösung einsetzen und diese gemeinsam vertreten. So könnten sich die Coffee-To-Go-Anbieter einen Weg aus der Einweg-Einbahnstraße bahnen und auch die Konsumenten mitnehmen. Auch ihnen könnte durch gemeinsames lokales Handeln deutlich gemacht werden, dass nicht jeder schnelle Kaffee aus einem Pappbecher mit Plastikdeckel getrunken werden muss. Dann würde deutlich, dass Umweltschutz kein Thema für Berlin oder Brüssel ist, sondern für alle. Für die Region, für Limburg – und nicht nur für Kaffeetrinker.

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