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"Kannst Du Hummeln am Hintern erkennen?"

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Von: Petra Hackert

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Eine Steinhummel sucht in der Malve nach Nektar. Diese Hummel-Art kann man ganz leicht am Hintern erkennen. Sie hat eine leuchtend rote Hinterleibsspitze.
Eine Steinhummel sucht in der Malve nach Nektar. Diese Hummel-Art kann man ganz leicht am Hintern erkennen. Sie hat eine leuchtend rote Hinterleibsspitze. © Petra Hackert

Bei der Aktion des Naturschutzbundes werden auch im Kreis Limburg-Weilburg alle Sechsbeiner erfasst. Die Hummel steht aber im Mittelpunkt. Und für sie kann man etwas tun.

Limburg-Weilburg -"Hummeln sind meine Lieblingstiere", sagt Manfred Lindner. Die Frage bei der Sommeraktion des Naturschutzbundes "Kannst Du Hummeln am Hintern erkennen?", könnte er also aus dem Stand mit "Ja" beantworten. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) lädt wieder dazu ein, in der Zeit vom 5. bis 14. August Sechsbeiner zu beobachten und zu zählen. Also nicht nur die Hummeln, sondern alle Insekten. Beobachtet und gezählt werden kann fast überall. Egal ob im eigenen Garten oder im Urlaub. Das Beobachtungsgebiet soll nicht größer sein als etwa zehn Meter in jede Richtung vom eigenen Standpunkt aus. Gezählt wird bis zu einer Stunde. Gemeldet werden die Beobachtungen entweder per Online-Formular oder mit der kostenlosen Web-App "Nabu Insektensommer". Beide Meldewege sind online unter www.insektensommer.de abrufbar.

Doch zurück zu den Hummeln: Die häufigsten Arten, die im heimischen Raum vorkommen, sind Ackerhummel, Steinhummel und Erdhummel. Man kann sie tatsächlich am Muster auf ihrem Hintern auseinanderhalten. Die Steinhummel zum Beispiel hat eine leuchtend rote Hinterleibsspitze.

Das Baumhummelvolk

im Holzschuppen

"Jedes Jahr nisten mehrere Hummelvölker bei uns in den Ritzen der Trockenmauern, in Steinhaufen oder Mauselöchern. Neben Garten-, Stein-, Erd-, Wiesen- und Ackerhummeln hatte ich auch schon ein Baumhummelvolk im Holzschuppen", erzählt Manfred Lindner. "Aber das sind natürlich alles Allerweltsarten, denen man schon mit etwas Rücksicht einen wertvollen Lebensraum im Garten bieten kann." Der Würgeser Hobby-Imker ist mit der ganzen Familie im Naturschutzbund aktiv und die treibende Kraft der Initiative "Blühendes Bad Camberg".

Den Garten hat die Familie Lindner naturnah gestaltet - mit einer Vielfalt an Nistmöglichkeiten und Nektar spendenden Frühjahrsblühern. "Für ein gutes Angebot an Pollen- und Nektarquellen kann jeder etwas tun", sagt der Nabu-Landesvorsitzende Gerhard Eppler. Das gelte nicht nur für den Garten, sondern auch für den Balkon.

Manfred Lindner hat noch einen Tipp: "Die naturnahe Gestaltung und das Nicht-Tun beim Großreinemachen sind das Wichtigste." Denn: Bei den Hummeln überwintert nur die begattete Jungkönigin. Meistens (je nach Art) verkriecht sie sich im Herbst einige Zentimeter tief ins Erdreich unter das Laub und fällt in Winterstarre. "Die Laubschicht schützt die Königin im Winter vor Kälte und, so schräg das auch klingt, im zeitigen Frühjahr vor der wärmenden Sonne", erklärt der Experte. Entfernt man beim Gartenfrühjahrsputz also das Laub an den ersten warmen Tagen, erwärmt die Sonne das freigelegte Erdreich. Die Hummelkönigin registriert die Wärme, erwacht viel zu früh aus der Winterstarre und muss, da noch nichts blüht, mangels Nahrungsangebot verhungern. "Deshalb bringt auch hier weniger Arbeit im Garten mehr Nutzen für die Natur."

Der 55-Jährige weiß noch mehr: Hummeln sind staatenbildende soziale Wildbienen mit einer Königin, einigen Hundert Arbeiterinnen und ab August/September etlichen männlichen Drohnen und jungen Königinnen. Das Hummelvolk stirbt im Herbst ab. Nur die frisch begatteten Jungköniginnen überwintern und gründen im nächsten Frühjahr ein neues Volk. "In Deutschland sind um die 40 Hummel-Arten heimisch. Für die Bestäubung sind Hummeln so unglaublich wichtig, da sie sehr robust und kälte-unempfindlich sind. Sie fliegen bis zu 18 Stunden am Tag, auch bei Regen, und bereits bei zwei Grad Celsius. Honigbienen benötigen zehn bis zwölf Grad Celsius Außentemperatur für den Sammelflug und bleiben bei nasser Witterung im Stock und leben von ihren Vorräten", berichtet der Fachmann. Hummeln legen zwar auch Vorräte (Nektar und Pollen) an, aber nicht im gleichen Ausmaß wie Honigbienen. Sie müssten eigentlich immer Nachschub für die Brut heranschaffen. Auch die Hummelkönigin helfe bei der Nahrungssuche. "In einer Schlechtwetterphase im Frühjahr sind daher meist nur die Hummeln die Bestäuber unserer Obstbäume."

Neonicotinoide schaden

den Hummelköniginnen

So robust Hummeln auch sind, sie sind leider sehr anfällig für Insektenvernichtungsmittel. "Vor ein paar Jahren konnte nachgewiesen werden, dass die neuen Pestizide aus der Klasse der Neonicotinoide die Hummeln zwar nicht abtöten, aber die Zahl der Jungköniginnen um fast ein Drittel zurückgeht", warnt Lindner.

Neben einer Reduzierung des Pestizideinsatzes helfe den Hummeln ein reichhaltiges Blütenangebot - vor allem im Frühling den erwachten Jungköniginnen und im Spätsommer/Herbst der Aufzucht eben dieser Jungköniginnen.

Dafür kann man im eigenen Garten aktiv werden. Dabei sind die Erfahrungen unterschiedlich. "Hummeln nehmen auch gerne menschengemachte Nistkästen an. Solche Kästen lassen sich recht einfach selbst basteln. Man kann sie aber auch im Fachhandel kaufen", sagt Gerhard Eppler. Manfred Lindner hat anderes beobachtet: "Spezielle Nisthilfen, die zum Kauf angeboten werden, bringen meines Erachtens wenig und werden selten angenommen." Einig sind sich die beiden in diesem Punkt: Ein naturnaher Garten bietet eine unglaubliche Vielfalt an Nistmöglichkeiten. Lindner: "Das kann man mit einem Hummel-Haus auf dem Rasen nicht überbieten."

Und wie steht es mit der Möglichkeit, ein Hummelvolk zu kaufen? Davon rät Manfred Lindner ab. "Diese werden zwar im Internet angeboten, sind aber nur für den Gemüse-Anbau im Gewächshaus vorgesehen. Hummeln sind Wildtiere. Man kann ihnen nur einen Lebensraum anbieten und sich dann daran erfreuen, wenn sie sich im eigenen Garten ansiedeln."

13 000 Hobbyforscher haben

vergangenes Jahr Insekten gezählt

"Man schützt nur, was man kennt. Der Insektensommer bietet die wunderbare Möglichkeit, in der Ferienzeit ein spannendes Natur-Abenteuer zu erleben. Mit Freunden oder der Familie die Welt der Insekten beobachten und so die Natur am Urlaubsort entdecken - das macht Spaß und fördert die Arten-Kenntnis", sagt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes Hessen. Er hofft auf zahlreiche Teilnehmer bei der Nabu-Sommer-Aktion. Der Naturschutzbund lädt ein, in der Zeit vom 5. bis 14. August Insekten zu beobachten und zu zählen. "Im vergangenen Jahr haben bundesweit fast 13 000 Hobbyforscher mitgemacht. Es ist schön, wenn sich so viele Menschen Zeit für die Natur nehmen."

Jeder gesichtete Sechsbeiner soll gezählt und gemeldet werden. Im August soll dabei auf einige häufig vorkommende Arten besonders geachtet werden: Schwalbenschwanz, Kleiner Fuchs, Ackerhummel, Blaue Holzbiene, Siebenpunkt-Marienkäfer, Streifenwanze, Blaugrüne Mosaiklibelle und Grünes Heupferd. Wer diese Tiere nicht kennt, kann sie ganz einfach mit dem Nabu-Insektentrainer (www.insektentrainer.de) unterscheiden lernen. Die Daten der Zählaktion werden in Zusammenarbeit mit der Plattform Nabu/naturgucker erfasst. Die Ergebnisse werden vom Nabu ausgewertet und zeitnah veröffentlicht.

Kinder entdecken neugierig die Welt. Sie lernen die Natur unvoreingenommen kennen. Der Nabu möchte daher gemeinsam mit Familien und Kindern in die Vielfalt der Insektenwelt eintauchen. Schließlich haben viele Forscher einmal klein angefangen. Die Nabu-Insektenbotschafterin Biene Maja und ihre Freunde zeigen, wie spannend Sechsbeiner sein können. Die Raupe Nimmersatt lädt zum Spielen ein. Das alles finden Interessierte im Online-Angebot auf der Kinderseite www.nabu.de/insekten-kinder.

Bei der Kinder- und Jugendorganisation des Nabu, der Naju, gibt es für Kinder ebenfalls Insektenprojekte zu entdecken. Unter www.naju.de/insektenwelt können die Krabbler und Kriecher begutachtet werden.

Alle Informationen zur Aktion gibt es online unter www.insektensommer.de. Nabu-Insektentrainer: www.insektentrainer.de. Informationen zur Entdeckungsfrage Hummeln: Nabu/Entdeckunsgfrage. NABU-App Insektensommer: Web-App Insektensommer. pp

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