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Katholikinnen verkünden Gottes Wort

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Von: Sabine Rauch

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Sie hat eine Menge zu Gottes Wort zu sagen: Nicole Bormann, die Pastoralreferentin von St. Blasius, macht gemeinsam mit ihrer Kollegin Gabriele Stein bei der Frauenpredigtwoche im Bistum mit.
Sie hat eine Menge zu Gottes Wort zu sagen: Nicole Bormann, die Pastoralreferentin von St. Blasius, macht gemeinsam mit ihrer Kollegin Gabriele Stein bei der Frauenpredigtwoche im Bistum mit. © Privat

Ein kleiner Schritt in Richtung einer sich erneuernden katholischen Kirche, aber nur zwei Frauen aus dem Kreis Limburg-Weilburg sind dabei.

Limburg-Weilburg -Mit dem Schlagwort „Frauen*power“ wirbt das Bistum Limburg und dem Hinweis, dass im „Volk G*ttes Geschlecht, Hautfarbe oder Nationalität“ nicht zählen, sondern allein, „wes Geistes Kind wir sind“. Zur Priesterinnenweihe sei es trotzdem noch ein weiter Weg, sagt Nicole Bormann. „Da bin ich Realistin.“ Aber immerhin dürfen Frauen im Bistum Gottes Wort verkünden - von Samstag an, eine Woche lang.

Zum zweiten Mal lädt das Bistum Limburg zur Frauenpredigtwoche ein. Nicole Bormann, Pastoralreferentin in der Pfarrei St. Blasius, und Gabriele Stein, Gemeindereferentin in St. Blasius, machen mit - und zwar als einzige Theologinnen im Landkreis Limburg-Weilburg. Nur in Diez gibt es in der Region noch eine streitbare Theologin: Karin Stump, Pastoralreferentin der Pfarrei St. Christophorus.

Ziel: Frauen in Führungspositionen

„Wir hatten Lust darauf, mal etwas zusammen zu machen“, sagt Nicole Bormann. Aber das ist es natürlich nicht allein: „Wir wollen den Menschen überzeugen, dass wir da vorne was zu suchen haben.“ Mit da vorne meint sie den Altarraum - in Frickhofen, Dorchheim, Hintermeilingen und eigentlich überall. Natürlich wünsche sie sich langfristig, dass die Frauen, die sich zur Priesterin berufen fühlten, auch weihen lassen könnten. Aber das Verbot der Frauenordination sei ja erst im vergangenen Jahr im Kirchen-Strafrecht zementiert worden.

Dagegen kann auch Bischof Georg Bätzing nichts machen. So sehr er sich auch im Bistum und auf Bundesebene für eine geschlechtergerechte Kirche einsetzt. Im Bistum arbeite man zum Beispiel an einer Gleichstellungsordnung für Frauen, sagt Stephan Schnelle, der Sprecher des Bistums. Das Ziel: Frauen in Führungspositionen. „Wir tun, was wir tun können - wo es möglich ist“, sagt Stephan Schnelle. Die Priesterinnenweihe gehört nicht dazu.

Also erst einmal Aufklärungsarbeit: Also wollen Nicole Bormann und Gabriele Stein auch im Westerwald darauf aufmerksam machen, dass Frauen viel zu Gottes Wort zu sagen haben. „Wir wollen uns mal aus dem Fenster lehnen und als Frauen illegal und provokant predigen.“ Denn das ist ja eigentlich verboten; in der katholischen Kirche ist das Predigen den Priestern vorbehalten, also Männern. Laien dürfen nur eine Andacht halten oder eine Ansprache.

„Wir schauen anders auf die Organisation“

Sie hätten nicht lange überlegen müssen, über welchen Lesungstext sie predigen werden, sagt Nicole Bormann, das Gleichnis von der verlorenen Drachme hat sich angeboten. Weil es von einer Frau erzählt, von einer Frau, die unermüdlich nach einem verlorenen Geldstück sucht und von ihrer Freude, als sie es wiederfindet. Die Interpretation des Gleichnisses haben sich die beiden Theologinnen geteilt - Nicole Bormann berichtet in der Dialogpredigt aus ihrem Alltag, vom auf dem Spielplatz verlorenen Schlüssel, und Gabriele Stein zieht die Schlüsse, zeigt die Parallelen zum verlorenen Glauben, zum Hang zu Nebensächlichkeiten, anderen Wertigkeiten.

„Kein großes Frauenthema“, aber ein Thema des modernen Menschen. „Wir wollen nicht die Feminismuskeule schwingen, sondern Gottes Wort verkünden“, sagt Nicole Bormann und lacht. Aber natürlich wollten sie auch die Veränderungen in der Gesellschaft und der Kirche ansprechen. Und zwar aus weiblicher Perspektive. „Wir schauen anders auf die Organisation.“ Männer hätten andere Dinge im Blick.

Auch die Männer in der Pfarrei St. Blasius. Lange Jahre war die „total klerikal“: Drei Priester, ein Diakon und Gabriele Stein als einzige Theologin mit einer halben Stelle als Gemeindereferentin. Seit Mitte Juli sind die Frauen wieder zu zweit, seit Nicole Bormann aus ihrer Elternzeit zurück ist - mit einer vollen Stelle als Pastoralreferentin. „Und jetzt sind da zwei Theologinnen, die was draufhaben.“

Drei Gottesdienste in drei Kommunen

Was sie draufhaben, wollen Nicole Bormann und Gabriele Stein am heutigen Samstag, 10. September, 17.30 Uhr, in St. Martin, Frickhofen, zeigen, am Sonntag, 11. September, 9 Uhr, in Mariä Verkündigung in Hintermeilingen und um 10.30 Uhr in St. Nikolaus in Dorchheim. Ganz bewusst hätten sie sich drei Kirchorte in allen drei kommunalen Gemeinden ausgesucht, sagt Nicole Bormann. Und natürlich sei Pfarrer Frank-Peter Beuler bei allen drei Gottesdiensten dabei. Aber sie hätten die Lieder und die Gebete ausgesucht, die Gottesdienste vorbereitet. „Wir sind froh, dass er uns die Chance gibt und uns unterstützt.“ Und er sei froh über den Perspektivwechsel.

Jetzt muss nur noch die Gemeinde mitmachen: „Wir sind gespannt, ob andere als die üblichen Sonntagsgottesdienstbesucher kommen werden.“ Und wenn es die üblichen sind, ob sie überrascht sein werden, vielleicht erfreut. Und ob sie vielleicht ins Gespräch kommen mit den Theologinnen. Denn darum gehe es ja, um den Dialog, das Gespräch. Dafür habe sie Theologie studiert. Weil sie es spannend fand, weil sie Seelsorgerin sein wollte, weil sie mit Menschen aus allen Generationen zusammenkommen und theologische Diskussionen führen wollte. Weil Seelsorgerin so ein „ehrenvoller Beruf“ ist. Und weil sie hofft, dass die katholische Kirche sich erneuert und das Geschlecht bei der Übernahme von Aufgaben und Ämtern irgendwann keine Rolle mehr spielen wird.

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