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Die Bodenarbeiten sind im Gange: Rund 120 Tonnen Bewehrungsstahl und 780 Kubikmeter Beton werden für das Fundamente dieser Windkraftanlage im Hünfeldener Wald gebraucht.

Windkraftanlagen

Im Wald entstehen drei Windräder

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Bis zum Jahresende sollen die drei Windkraftanlagen im Hünfeldener Wald bereits Strom liefern. Zurzeit werden die Fundamente gebaut. Gesamtinvestitionskosten: 21,9 Millionen Euro, ein kleiner Teil davon geht in den Naturschutz.

Kirberg - Noch sieht man sie nicht in die Höhe ragen, sondern es geht nach unten: Für die drei Windkraftanlagen im Kirberger Wald werden gerade die Fundamente errichtet. Etwa 120 Tonnen Bewehrungsstahl und rund 780 Kubikmeter Beton je Anlage sind nötig, um eine stabile Grundlage zu schaffen, erklärt der Betreiber Nordex. Außerdem wird an der acht Kilometer langen Kabeltrasse im Boden gearbeitet, über die später der Strom aus dem Kirberger Wald bis zur Übergabestation in Oberneisen transportiert wird.

Nachdem die Einwände der Deutschen Flugsicherung ausgeräumt und die letzten Gutachten aktualisiert waren, hatte das Regierungspräsidium Gießen im vergangenen Jahr im April die Genehmigung erteilt, drei Anlagen des Typs "Nordex N 149" zu errichten - weniger als ursprünglich geplant, dafür höher: Jeweils 238,5 Meter hoch und hochmodern. Bis Mitte November soll der letzte Turm stehen, Ende November geht die letzte Anlage ans Netz - so die Planung.

Fundamente und Kabel

Zurzeit wird an den Fundamenten und der Betonage gearbeitet (Juli und August), für September bis November ist geplant, die Betontürme mit Spannlitzen und Turmeinbauten zu errichten. An den internen und externen Zuwegen sowie der Fertigstellung der externen Kabeltrasse werde jetzt gebaut - noch bis in den August, wie Projektentwickler Frank Heuser (Land und Forst) erklärt.

Eine wichtige Rolle spielt der Naturschutz: Die Bereiche, in denen gearbeitet werden darf, sind markiert. Das wird von denen kritisch beäugt, die nicht einverstanden sind mit der Errichtung der Windkraftanlagen. Beispiel: Auf der angrenzenden, gegenüberliegenden Seite des Weges stehen Bäume, die von Borkenkäfern befallen sind. Die Schäden sind jetzt noch sichtbar. Einen Teil des Baumbestands haben die Forstwirte schon entfernt. "Es gab Beschwerden beim Regierungspräsidium, wir würden außerhalb der genehmigten Flächen roden", sagt Heuser. Doch das sei nicht der Fall. "Die Forstwirtschaft ruht nicht, nur weil wir hier bauen."

Naturschutzrechtlich gibt es einiges zu beachten. So mussten im März drei Ameisenhügel versetzt, drei Völker umgesiedelt werden. Der Besuch im Wald zeigt: Es krabbelt eifrig im neuen, großen Ameisenhügel. Der Standort ist angenommen, was nicht selbstverständlich ist. "Wir haben gelernt, dass Ameisen, die umgesiedelt wurden, sich manchmal noch etwas weiter entfernt einen neuen Standort suchen", sagt Regina Heuser (Land und Forst). Diesmal nicht. Das hat geklappt.

Insgesamt rund 175 000 Euro der Gesamtkosten von 21,9 Millionen Euro entfallen auf den Naturschutz, so Heuser. Dazu gehört zum Beispiel die Beschaffung von Nistkästen für Umsiedlungen (das kostete in diesem Jahr 9000 Euro), das Monitoring, also das Beobachten, die Kontrolle der Nistkästen, aber auch des Mäusebussards.

Sogar das drüsige Springkraut muss im Auge behalten werden. "Das ist eine invasive Pflanze, die sich im Wald verbreiten könnte, wenn der Boden transportiert wird", erklärt Heuser. Die Laster, die zurzeit auf den Baustraßen Staub aufwirbeln, könnten auf diese Weise ungewünschten Samenflug erzeugen. "Damit der Wald nicht plötzlich rosa blüht, müssen wir das im Auge behalten und solche Pflanzen gleich entfernen", erklärt die Projektentwicklerin.

Kontrollen bis 2032

"Die Rodungen mussten bis zum 28. Februar abgeschlossen sein. Dann begann die Brutzeit der Vögel", sagt Heuser. Auch auf die Haselmaus und drei Fledermausarten galt es Rücksicht zu nehmen - unter anderem. "Wir haben mehrere Flachwasserteiche für den Schwarzstorch angelegt und müssen auch hier fünf Jahre beobachten und Rücksicht nehmen. Allerdings ist der Schwarzstorch schon vor Baubeginn hier nicht mehr aufgetaucht." 21 Molche wurden umgesiedelt, Wildkatzenburgen errichtet als Ersatz für durch die Baumaßnahmen zerstörten Habitate. "Das Monitoring, also die Kontrollen und das Beobachten werden bis ins Jahr 2032 fortgesetzt", erläutert die Hünfeldener Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer (parteilos).

Die Gemeindevertretung hat gerade die Weichen für die Bürgerbeteiligung gestellt. Der Anteil ergibt sich aus der Differenz zwischen dem notwendigen Eigenkapital (etwa 3,5 Millionen Euro) und dem bereits von den aktuellen Kommanditisten eingezahlten Anteil (2,22 bis 2,25 Millionen Euro). Das heißt, für die Bürgerbeteiligung stehen noch 950 000 bis 980 000 Euro zur Verfügung. Eine Informationsveranstaltung zur Bürgerbeteiligung ist für Oktober geplant.

Ein Beitrag zum Naturschutz: So werden Waldameisen umgesiedelt

Es krabbelt wie wild in den umgesiedelten Ameisenhaufen. Es hat also gut funktioniert. Doch wie muss man sich das vorstellen, wenn ein ganzes Volk an einen anderen Standort gebracht wird? "Ich habe einiges dazugelernt", sagt Regina Heuser. Sie war dabei und hat gesehen: "Im Gegensatz zu den Bienenvölkern gibt es mehrere Königinnen. Das ist im Ameisenbau ganz normal."

Es geht um die Kahlrückige Waldameise (Formica polycenta), die nach der Neufassung der Bundesartenschutzverordnung von 2005 als besonders schützenswerte Tierart gilt. Die Umsiedlung unter fachlicher Begleitung von Rainer Pfisterer von der Hessischen Ameisenschutzwarte, Lena Daum, die die ökologische Baubegleitung für das Ingenieurbüro für Umweltplanung (IBU) ausübt, mit dem Umweltbeauftragten der Gemeinde Hünfelden Michael Becker sowie den Bauhof-Mitarbeitern Björn Schenk, Mathias Ritter und Jürgen Klärner ist dokumentiert.

"Zunächst wird der sichtbare Teil des Hügels abgetragen und in einen Behälter gefüllt", erklärt Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer. Das Material, zum Großteil Fichtennadeln, aber auch Wurzelwerk und Holz, wurde in 250-Liter-Tonnen gefüllt. Anschließend folgte der Abtrag des unterirdischen Teils des Nestes.

"Etwa ein Drittel war oberirdisch, zwei Drittel unterirdisch", erklärt Michael Becker. Der unterirdische Teil wurde ebenfalls separat in Tonnen gefüllt. Gegraben wurde bis auf den Erd- beziehungsweise Steinboden. Am neuen Standort wurde der Boden von Laub befreit und aufgelockert, das Nest wieder aufgetragen, zuerst der untere, dann der obere Teil, anschließend Zucker verstreut, um eine erste Nahrung zu bieten. Auf diese Weise wurden drei Waldameisennester umgesiedelt. pp

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