Cello trifft Akkordeon

Klangvolle Eröffnung der tArt-Orte

Beim Eröffnungskonzert der „tArt-Orte“, „Cello meets Akkordeon“ mit Christopher Herrmann und Veronika Todorova, war das Interesse riesengroß.

Zum Glück gibt es in der Galerie des Klosters Gnadenthal an der Wand entlang ein Mäuerchen. Schnell wurden Sitzkissen ausgelegt, und schon konnten etliche weitere Besucher Platz nehmen. Aber dann vermeldete Jutta Ebersberg von der Jesus-Bruderschaft schließlich doch: „ausverkauft“ und begrüßte hoch erfreut die vielen Zuhörer zum Eröffnungskonzert der diesjährigen „tArt-Orte“. Gekommen waren sie, um Christopher Herrmann und Veronika Todorova zu hören. Der Cellist wie auch die Akkordeonistin sind Musiker mit Leib und Seele. Sie machen nicht nur fantastische Musik, sie selbst sind ganz Musik, sind eins mit ihren Instrumenten und nehmen das Publikum mit in ihre klangvolle Welt. In diesem Falle sogar auf eine Weltreise: Von andalusischen Stierkämpfen bis nach China. Ein geschriebenes Programm gab es an diesem Abend nicht, die Künstler sagten die Stücke selbst an. „Mit Vertrauen lebt es sich leichter“ – Herrmann hatte kurz vor Beginn in der Buchhandlung eine Karte mit diesem Text erworben und den Spruch spontan zum Motto des Abends gemacht.

Was die beiden aus ihren Instrumenten herausholen, wie sie mit ihnen „reden“, ist an Variantenreichtum kaum zu überbieten. Veronika Todovora beherrscht einfach alle Facetten des Akkordeonspiels. Mal sind es virtuose Läufe im „Flötenregister“ des Akkordeons, die wie zufällig hereinstolpern, so zart und filigran, dass man sogar das Anschlagen der Tasten hört. Dann gibt es die großartigen Momente, in denen der Balg tief einatmet und die Kraft eines ganzen Orchesters den Raum erfüllt. So wird beispielsweise Piazollas „Libertango“ zu einem beseelten Stück Musik, das stimmungsvoller und körperlicher nicht sein kann. Auch bei Piazollas „Meditango“ mag man sich Tänzer vorstellen, die schwungvoll loslegen, sich dann plötzlich ertappt fühlen im Rausch des Tanzes, letztendlich wieder in den fantastischen Sog der Musik geraten – und der Zuhörer mit ihnen. Nicht viel anders das Cellospiel von Christopher Herrmann. Auch er macht aus einem Instrument mit gerade mal vier Saiten ein ganzes Orchester. Warum auch nicht, der große Korpus wird mal zur Percussion, mal zupfen die Finger rythmische Akkorde und dann schmeichelt der Bogen über die Saiten und zaubert Tiefe, Raum und eine unendliche Fülle. Mal ist es „Vogelgezwitscher“ das die Saiten bereitwillig hergeben, mal meditatives Meeresrauschen, hin und wieder ein fröhliches Lachen.

Dann das Zusammenspiel der beiden. Auch hier nimmt ein weiterer Piazolla-Tango regelrecht Gestalt an. Etwa so: Markante Akkordeonklänge übernehmen den männlichen Part, das Cello schmiegt sich an. Beide schweben dahin, lehnen sich aneinander an, um sich gleich wieder voneinander zu distanzieren. Dazwischen immer wieder mal das Klappern von „Absätzen“. Nähe, Distanz, Nähe – dann schließlich das majestätische Happy End.

Letztlich spielt es gar nicht die große Rolle, wie die Stücke heißen. Das eine oder andere kennt man natürlich, wie Chick Coreas „Spain“. Allerdings nur im Ansatz, da es – wie die meisten anderen auch – eindeutig die Handschrift des „Arrangeurs“ Herrmann widerspiegelt. Bei anderen kann sich der Künstler selbst sogar den Titel nicht merken. Ein Bulgarisches Volkslied versteckt sich auf jeden Fall dahinter. Eines von denen, die erst mal ganz harmlos, sanft und melodisch auf dem Akkordeon daherkommen. Dann übernimmt das Cello den Puls, die Melodie wird mitreißend, dann wieder leise, beinahe meditativ, erinnert an orientalische Sitar-Musik und entschwindet sanft in der Weite des Raums.

Entschwinden in die reale Welt mussten dann leider auch irgendwann die Zuhörer. Ein großartiger Abend mit einem wunderbaren Duo, absolut gelungener Auftakt zu den „tArt-Orten“, die vom 25. Mai bis 10. Juni im Nassauer Land ihre Pforten öffnen.

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