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Peter und Lydia aus Eindhoven stoppen mit Wohnwagen und Boot in Limburg. Die Niederländer sind tiefenentspannt und haben ihr Butterbrot immer dabei.

Raststätte bei Limburg

Kleine und große Dramen: Ein Nachmittag auf der Autobahnraststätte an der A3

Für einige ist es der letzte Stopp vor dem Ziel, für andere ein trostloser Haltepunkt weit weg von der Heimat. Ein Nachmittag auf dem Rastplatz an der Autobahn 3 in Limburg bietet kleine und große Dramen.

Limburg - Es ist heiß. Der Asphalt glüht, und die Fahrzeuge, die darauf abgestellt sind, scheinen unter der Last ihrer Ladung zu ächzen. Selbst der Schatten, den ein paar Bäume und Büsche am Straßenrand spenden, fällt auf nicht mehr als verdorrte, braune Erde. Alles Frische ist aus dieser Straße herausgepresst. Fast alles. Denn ganz am Ende des Gehsteigs stehen ein Mann und seine Frau und beißen in saftig belegte Butterbrote. Es sind Lydia und Peter aus Eindhoven, die auf ihrer Heimreise aus dem Urlaub am Rasthof in Limburg eine Pause einlegen. Gemütlich ist es hier nicht, sagen die beiden. Muss es aber auch nicht sein. Für Gemütlichkeit haben sie ihren Wohnwagen, der jetzt in der Sonne schmort. "Wir sind gut erholt", sagt Peter, "und haben alles dabei, was man für einen Autostop braucht".

Ansonsten wird der Aufenthalt an der Tank- und Rastanlage schnell teuer, beweist die Angebotstafel, die an der Außenseite des Rasthauses um Gäste wirbt. Snacks, Sandwiches, Cappuccino und kalte Getränke werden hier angepriesen. Alles viel zu teuer, findet Herbert aus Leverkusen. "70 Cent für eine Toilettenbenutzung. Ist das nicht ungeheuerlich? Sie zahlen 70 Cent, bekommen 50 Cent retour - und was machen Sie damit?" Dass das Leben an Rastanlagen viel zu teuer ist, das weiß der 76-Jährige seit Jahren. Daher hat auch er Verpflegung und Getränke dabei. Ein schönes Sitzplätzchen wäre gut, sagt er und schüttelt den Kopf: "Tische gibt's hier nicht und Bänke auch nicht." Und dann der Müll. "Mülleimer werden aufgestellt, und trotzdem liegt der ganze Dreck daneben."

Dass es an der Autobahnhaltestelle in Limburg besonders wenig anheimelnd ist, war Herbert bislang nicht bekannt. Schließlich habe er zuvor noch nie hier nahe der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz gehalten. Und das wird er auch nach Möglichkeit nicht mehr. Für ein paar Zigarettenlängen wird er noch bleiben. Dann klettert Herbert zu seiner Frau Christa ins Auto, und es geht weiter. Leverkusen ist nicht mehr weit. Zu den Abendnachrichten will man vor dem eigenen Fernseher sitzen.

Tour "mit Großtransporter"

Das wird Igor nicht schaffen. Der stämmige Mann macht sich ein paar mehr Meter von Herberts Auto vor seinem Lkw zu schaffen, sammelt leere Flaschen in eine Plastikwanne und verstaut ein paar Lebensmittel. Sprechen will er nicht. Worüber auch? Die Tour ist lang. Die Heimat weit weg, sagt er und zeigt zu einem jungen Kollegen, der angeblich auskunftsfreudiger ist. Aber auch der ist wenig redselig. Er klettert auf die Pritsche und bereitet sein Essen vor. Aus der Ukraine komme er. Aber Geld verdienen könne man da nicht. Deshalb fährt er "mit Großtransporter". Wohin, will er nicht erzählen.

Nicht jeder auf der Rastanlage ist in Gesprächslaune. Jene drei Männer etwa, die nach einem dreiwöchigen Urlaub auf Bali feststellen mussten, dass ihr Auto in ihrer Abwesenheit zerkratzt wurde. Schlimmer noch. An einem der Reifen sei manipuliert worden, sagt einer der Männer. Es zischt. Die Luft entweicht. "Total stinkig" sei er. Mit jemandem von der Zeitung sprechen? "Das fehlt mir gerade noch", schimpft er und verschwindet in der Tankstelle, um sich nach einer Pannenhilfe zu erkundigen. Dazu wird sich der Mann an der Kasse äußern dürfen. Ansonsten nicht. Der Pächter habe ausdrücklich verboten, Auskünfte übers Geschäft zu geben. Aber dass in der Ferienzeit mehr los ist, sei doch irgendwie klar, oder? Auch der Freundlichkeit hat an diesem Nachmittag die Hitze zugesetzt.

Witterungsunabhängiger Ärger breitet sich derweil in einem dunklen Kombi mit Weilburger Kennzeichen aus. Vater, Mutter und drei Kinder sitzen darin und diskutieren gestenreich. Wenige Minuten später öffnet sich die Fahrertür. Der Familienvater steigt aus, um seinem Ärger Luft zu machen. Die wichtigen Urlaubsdokumente sind auf dem heimischen Küchentisch liegengeblieben. Jetzt muss man zurückfahren, dann wieder los. Und wenn dann erneut etwas fehlt, brauche man gar nicht mehr zu starten. Das Urlaubsziel Kroatien sei schließlich nicht um die Ecke.

Peter und Lydia aus Eindhoven lächeln. Sie haben ihren Urlaub hinter sich, sind erholt - und trotzdem froh, den Rastplatz zu verlassen.

von Anken Bohnhorst

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