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Vor ein paar Tagen hatte der Kabarettist Nico Semsrott die Lösung aller Probleme: Ein Kopftuchverbot im Kindergarten. In vielen Bereichen, die Menschen Sorgen machen, sind intelligente Lösungen gefragt.

Vor ein paar Tagen hatte der Kabarettist Nico Semsrott die Lösung aller Probleme: Ein Kopftuchverbot im Kindergarten. In vielen Bereichen, die Menschen Sorgen machen, sind intelligente Lösungen gefragt. Werde ich einmal von meinem Gehalt leben können? Wohnungsnot, Massentierhaltung, Pflanzengifte, Überbelastungen in der Pflege. Er stellte all diese Fragen und beantwortete sie immer mit dem Mantra: „Ein Kopftuchverbot im Kindergarten.“ Was zeigt: Es hilft nicht weiter, wenn es um existenzielle Fragen geht.

Genauso ist es mit der Kruzifix-Debatte. Eigentlich ist alles ganz klar: Wir leben in einem Rechtsstaat, es gibt eine Trennung von Kirche und Staat, jeder Mensch hat das Recht, seine Religion auszuüben, und die Freiheit des einzelnen endet dort, wo er dem anderen auf die Füße tritt.

Deshalb eiert Markus Söder jetzt auch so herum, wenn es um die Frage nach der religiösen Bedeutung des Kreuzes geht, und stuft es mal eben zur Folklore herab. Er weiß genau, er würde ein Fass aufmachen, wenn er es als religiöses Symbol verpflichtend in staatlichen Räumen gesetzt sehen will. Deshalb redet er um den heißen Brei.

Die Erklärung ist einfach: Es ist Wahlkampf in Bayern. Mal wieder. Menschen haben Zukunftsängste. Deshalb wählen sie Randgruppen wie die AfD, die stärker werden, weil Wähler bei den politisch Verantwortung tragenden Antworten vermissen. Wie sieht mein Verdienst in den nächsten Jahren aus? Kann ich jetzt oder später davon leben? Wie ist es im Alter? Kann ich mir eine Wohnung leisten, eine Familie ernähren? Das sind Sorgen. Die Kruzifixdebatte ist ein Ablenkungsmanöver. Noch dazu ein schlechtes. Von Spitzenpolitikern erwarten Wähler Inhalte, die weiterhelfen. Da genügt es eben nicht, ein Kreuz an die Wand zu nageln und anschließend zu behaupten, es sei ja nur Folklore, halt üblich hier. So etwas ist sowohl für diejenigen, die wirklich etwas mit diesem Zeichen verbinden, als auch für die, die es nicht wollen, das gleiche: eine Zumutung.

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