+

Kommentar zur Heiligsprechung: Die Kirche muss sich ändern

  • schließen

Es war eine schwierige Zeit, die Mitte des 19. Jahrhunderts – für Katharina Kasper und die katholische Kirche. Die junge, arme Frau aus dem Westerwald haderte nicht mit ihrer und der allgemeinen

Es war eine schwierige Zeit, die Mitte des 19. Jahrhunderts – für Katharina Kasper und die katholische Kirche. Die junge, arme Frau aus dem Westerwald haderte nicht mit ihrer und der allgemeinen Situation, sondern ergriff die Initiative, um Schwachen, Armen und Kranken zu helfen. Selbstlos. Unermüdlich. Anfang des 21. Jahrhunderts erlebt die katholische Kirche wieder (mal) eine schwierige Zeit, ganz aktuell auch das Bistum Limburg.

Die Ereignisse der vergangenen Tage und die Heiligsprechung der Ordensgründerin haben gezeigt, dass die katholische Kirche sich dringend verändern muss. Die ganze Welt hat gestern erfahren, dass Katharina Kasper zu Recht verehrt werden sollte. Sie ist ein großes Vorbild, auch für Nicht-Christen. Nicht nur das Bistum kann stolz auf seine erste Heilige sein. Ihr Geist lebt im Engagement der Dernbacher Schwestern bis heute weiter.

Beim feierlichen Akt auf dem Petersplatz ging es ausschließlich um das segensreiche Wirken Katharina Kaspers – das für die Heiligsprechung erforderliche Wunder ist mit keiner Silbe erwähnt worden. Gut! Denn daran darf man zweifeln – an ihren Leistungen nicht. Wozu bedarf es dann aber des ganzen mit der Anerkennung verbundenen Brimboriums?

Wichtiger ist derzeit freilich, aus den aktuellen Skandalen und Geschehnissen Lehren zu ziehen – und Konsequenzen! Der Vatikan, gestern glanzvolle Bühne, hilft dem Bistum wenig; im Gegenteil. Die Äußerungen des Papstes in der vergangenen Woche zur Abtreibung („Auftragsmord“) verwirren ebenso wie die Entscheidung, dem Rektor der Hochschule St. Georgen in Frankfurt , Ansgar Wucherpfennig, wegen Aussagen über Homosexuelle die Lehrerlaubnis zu entziehen. Die Reaktionen auf den Missbrauch von Klerikern sind bestenfalls halbherzig. Das alles passt nicht mehr in die Zeit. Dabei geht es für eine Institution wie die Kirche nicht darum, dem Zeitgeist zu huldigen, aber die Lebenswirklichkeit anzuerkennen. Zeit für eine Zäsur. Sonst verpufft die frohe Botschaft vom lebendigen Gott.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare