Weniger Mitarbeiter als früher bei Kundgebung

Lässt der Kampfgeist nach?

  • VonRobin Klöppel
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Lässt der Kampfgeist gegen die Schließung von Mundipharma am Standort Limburg nach? Ein für gestern angekündigter „Trauerzug“ jedenfalls wurde abgesagt. Und zu einer Kundgebung kamen deutlich weniger Mitarbeiter als früher.

Der zunächst angedachte Trauerzug bei Mundipharma ist gestern vom Betriebsrat abgesagt worden. Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) riet den Mitarbeitern am Donnerstagnachmittag bei einer Kundgebung, keinesfalls jetzt schon im Kampf um die Arbeitsplätze aufzugeben. Limburg sei ein optimaler Standort mit exzellenten Mitarbeitern. Es gebe keinen fachlich nachvollziehbaren Grund, den heimischen Standort aufzugeben.

Die Frage ist allerdings, ob die Belegschaft wirklich noch an die gut gemeinten Worte der Politiker glaubt. Denn die Resonanz der Betroffenen auf die Versammlung war deutlich geringer als noch bei den ersten Protestkundgebungen. Auch wenn alle möglichen Politiker aus Limburg sowie die regionalen Abgeordneten an die Unternehmerfamilie Seckler in den USA geschrieben haben. Niemand hat von ihnen Antwort erhalten. CDU-Bundestagsabgeordneter Klaus-Peter Willsch gab zu, dass die Politik keinen direkten Einfluss auf Unternehmerentscheidungen ausüben könne und er den Mitarbeitern auch keine falschen Hoffnungen machen wolle. Willsch versicherte aber, weiter am Ball zu bleiben, bei Secklers nochmal nachzuhaken und zu sehen, ob er durch seine zahlreichen Kontakte in die Pharmabranche nicht ein anderes Unternehmen dazu bewegen könne, den Firmensitz in Limburg zu übernehmen.

„Aus diesem Gebäude wird jedenfalls keine billige Vertriebs-Klitsche“, sagte Bürgermeister Hahn energisch. Der Limburger Verwaltungschef bot an, er könne Mundipharma neue, moderne Büroräume im ICE-Gebiet anbieten, mit direktem Anschluss zum Flughafen. Das sei sicherlich der bessere Standort als Berlin, ist Hahn überzeugt.

Willsch: Absoluter Quatsch!

Willsch bezeichnete die Mundipharma-Aussage als „absoluten Quatsch“, dass die Firmenzentrale „wegen der Nähe zur Bundespolitik“ nach Berlin ziehen müsse. „Kontakte kann man von Limburg aus genauso pflegen“, sagte der CDU-Abgeordnete.

FDP-Fraktionsvorsitzende Marion Schardt-Sauer zeigte sich richtig wütend über den Umgangsstil des Firmenmanagements mit der Kommunalpolitik und den Mitarbeitern. Sie findet es respektlos, nicht auf Schreiben zu antworten und Menschen über ihre Zukunft im Unklaren zu lassen. FWG-Bundestagskandidat Georg Horz meinte, er kenne eine Familie, die beide bei Mundipharma arbeiteten und ein Haus gebaut hätten. Für solche Menschen könnten Unternehmensentscheidungen existenzbedrohend sein, meinte der Eisenbacher.

„40 bis 50 Mitarbeiter von Mundipharma haben mittlerweile bei anderen Arbeitgebern Stellen gefunden“, sagte auf Nachfrage der Nassauischen Neuen Presse Betriebsratsvertreterin Claudia Stein. Es lohne sich aber trotzdem weiter, für die Zukunft des tollen Standorts Limburg zu kämpfen. Mitarbeiter sagten gestern, dass die mäßige Resonanz der Belegschaft nicht am mangelnden Kampfgeist der Kollegen liege. Viele seien einfach müde von einem langen Tag mit vielen Sitzungen ohne konkrete neue Ergebnisse. Und wie zu hören war, mussten auch viele Vertriebler vorzeitig weg, weil sie heute wieder in ihren Einsatzgebieten für Mundipharma unterwegs sind. Andere, die da waren, warten noch ab, sehen aber ihre Zukunft alles andere als rosig. Claudia Reichwein würde als Limburgerin gerne in der Region bleiben. Aber die Zahl an Laborstellen in der Region sei nicht sehr hoch. Zudem habe Mundipharma ein hohes Lohnniveau gezahlt, so dass sie anderswo deutliche Abstriche befürchtet. Auch im Rhein-Main-Gebiet warten andere Pharmaunternehmen nicht händeringend auf zusätzliche Leute. „Überall werden doch Stellen abgebaut“, sagte Reichwein ernüchtert.

„27 Jahre alles gegeben“

Vera Wiegand bedauert auch, dass die Mitarbeiter von Mundipharma in der Luft hängen gelassen werden und keine konkreten Aussagen zu den Zukunftschancen in dem Unternehmen bekommen. Sie sei sehr heimatverbunden, aber im kaufmännischen Bereich sei in Limburg und Umgebung keine Stelle zu ähnlichen Konditionen zu finden. Chemiefacharbeiter Markus Völpel ist von seinem Arbeitgeber enttäuscht: „Ich habe hier 27 Jahre immer alles gegeben, war nie krank“, sagt er. Auch Völpel sieht aktuell in Hessen keine guten Chancen, in der Medikamentenherstellung eine ähnlich gute Stelle zu finden. Die im Büro tätigen Mitarbeiter hätten es da wahrscheinlich einfacher.

Willsch und Hahn boten den Mitarbeitern Hilfestellungen über ihr Netzwerk an. Sie sollten sie einfach mit ihren Problemen anrufen oder -mailen. Es wurden Gerüchte laut, dass offenbar nicht alle Führungsleute von Mundipharma mit dem aktuellen Kurs des Unternehmens einverstanden seien. So habe in einem Rundmail an die Mitarbeiter ohne Angabe von Gründen Europachef Anthony Matteschick mitgeteilt, dass er sein Amt aufgeben werde.

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