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Lage im Gesundheitsamt bleibt angespannt

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Von: Sabine Rauch

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Kirsten Eckenberg (Mitte) ist bereits seit acht Jahren beim Gesundheitsamt des Landkreises Limburg-Weilburg beschäftigt. Am 1. Januar 2018 wurde sie stellvertretende Amtsleiterin und übernahm im April 2021 mitten in der Corona-Pandemie die Amtsleitung. Mit in ihrem Büro stehen Landrat Michael Köberle (links) und der Erste Kreisbeigeordnete Jörg Sauer.
Kirsten Eckenberg (Mitte) ist bereits seit acht Jahren beim Gesundheitsamt des Landkreises Limburg-Weilburg beschäftigt. Am 1. Januar 2018 wurde sie stellvertretende Amtsleiterin und übernahm im April 2021 mitten in der Corona-Pandemie die Amtsleitung. Mit in ihrem Büro stehen Landrat Michael Köberle (links) und der Erste Kreisbeigeordnete Jörg Sauer. © Landkreis

Limburg-Weilburg: Leiterin äußert sich im Interview über die Folgen der hohen Inzidenz im Sommer

Limburg-Weilburg -Auch wenn es beim Blick auf Straßen und Feste denn Anschein macht: Die Corona-Lage darf man bei einer Inzidenz von nun wieder über 900 nicht ganz aus den Augen verlieren. Das gilt natürlich besonders für das Gesundheitsamt des Landkreises Limburg-Weilburg. Redakteurin Sabine Rauch hat bei Leiterin Kirsten Eckenberg nachgefragt, wie dort die aktuelle Situation ist.

Frau Eckenberg, feiern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes jetzt alle ihre Überstunden ab?

Da die Inzidenz gegenüber den vorherigen Sommern deutlich höher liegt, besteht bisher wenig Möglichkeit für den Abbau einer größeren Zahl von Mehrstunden.

Wie ist die Personalsituation?

Angespannt durch Rückgabe der internen und externen Abordnungen sowie Umorientierung einiger Beschäftigter.

Sind befristete Verträge ausgelaufen oder verlängert worden?

Einige Verträge sind ausgelaufen, die meisten wurden beziehungsweise werden verlängert.

Was ist im Moment die Haupt-Aufgabe der Mitarbeiter?

Die Mitarbeitenden des Corona-Teams erfassen im Wesentlichen PCR-Befunde und nehmen bei Bedarf Kontakt zu Infizierten auf.

Wie läuft es mit der Kontaktverfolgung der mit Corona Infizierten? Findet die überhaupt noch statt?

Die Kontaktpersonennachverfolgung wurde bereits vor längerer Zeit auf Anweisung des Bundes eingestellt. Infizierte werden nur noch gebeten, ihre Kontakte entsprechend zu informieren. Es gibt für Kontaktpersonen keine Beschränkungen mehr. Sie werden lediglich zu erhöhter Aufmerksamkeit und zur Reduzierung ihrer Kontakte angehalten.

Verschickt das Gesundheitsamt noch Quarantäne-Bescheide?

Da die Isolierung für Infizierte per Landesverordnung gilt, wird kein Quarantänebescheid benötigt. Das Gesundheitsamt hat bisher als Serviceleistung einen sogenannten Quarantäne-Hinweis verschickt, dies aber nun auch eingestellt. Die Betroffenen haben jedoch die Möglichkeit, sich eine entsprechende Bescheinigung auf der Internetseite des Landkreises herunterzuladen, die dann zusammen mit dem positiven PCR-Befund ebenfalls als Nachweis gilt. Es reicht jedoch auch nur der PCR-Befund aus, damit der Arbeitgeber Lohnersatzleistungen beim Regierungspräsidium Darmstadt beantragen kann.

Wie aussagekräftig sind die Zahlen der Infizierten und die Inzidenzen?

Das Gesundheitsamt geht davon aus, dass die tatsächliche Inzidenz höher ist - zum einen, weil es bei hohem Fallzahlaufkommen an einzelnen Tagen einen Meldeverzug hat, zum anderen, weil trotz der Verpflichtung zum PCR-Test in der Landesverordnung nicht alle Personen, die einen positiven Selbst- oder Antigentest haben, zum PCR-Test gehen.

Besteht nicht die Gefahr, dass mit dem Wegfall der kostenlosen Bürgertests die Pandemielage gar nicht mehr eingeschätzt werden kann?

Das ist richtig, allerdings bundespolitisch so entschieden.

Wie sollte man sich verhalten, wenn im Umfeld eine Corona-Infektion auftritt?

Die betroffene Person so weit wie möglich isolieren, Hygienemaßnahmen erhöhen, eigene Kontakte reduzieren, aufmerksam auf Symptome achten, im günstigsten Fall regelmäßige, tägliche Selbsttests bis fünf bis sieben Tage nach dem Kontakt durchführen. Auch dazu gibt es ausführliche Informationen auf unserer Homepage.

Wie gefährlich ist die aktuelle Variante?

Das Gesundheitsamt sieht, dass die Personen deutlich symptomatisch und oft auch arbeitsunfähig sind, aber die wenigsten müssen stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Wie kann man sich am besten schützen?

Sorgfältige, individuelle Risikoabwägung beim Besuchen von Veranstaltungen, vor allem von größeren, in Gedrängesituationen Maske tragen und unverändert regelmäßig Hände waschen oder desinfizieren.

Ruft das Gesundheitsamt bei den Infizierten an und fragt, wie es ihnen geht?

Die Symptomüberwachung erfolgt über das elektronische Symptomtagebuch Climedo, entweder per Mail oder per SMS. Nur vereinzelte Personen, denen die technischen Möglichkeiten dafür fehlen, werden telefonisch kontaktiert.

Wie weit ist das Gesundheitsamt in Sachen Digitalisierung?

Der Prozess ist im Gang. Befunde von Laboren gehen bereits seit Anfang des Jahres elektronisch ein. Weitere Anbindungen folgen. Das Land Hessen setzt den Weg zur Entwicklung einer einheitlichen Software fort. Auf Bundesebene gibt es ebenfalls Ansätze, die vorhandenen technischen Lösungen im Infektionsschutz zu ertüchtigen.

Ist der Impfstatus der Bürger beim Gesundheitsamt registriert?

Bei Infizierten wird der Impfstatus über das Climedo-Tagebuch abgefragt und damit erfasst. Eine allgemeine Datenerfassung zum Thema Impfen gibt es nicht.

Wie sieht es mit der Erfassung einer durchgemachten Infektion aus?

Jeder positive Antigen-Schnelltest zieht laut Corona-Basisschutzmaßnahmenverordnung eine unverzügliche und verpflichtende PCR-Testung mittels Nukleinsäurenachweis nach sich. Bestätigt die Testung mittels PCR-Test die Infektion, wird sie beim Gesundheitsamt erfasst. Als Start der Isolation wird der Nachweis des positiven Schnelltests zugrunde gelegt. Mit Erhalt eines Ergebnisses des PCR-Tests, dass keine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus vorliegt, endet die Absonderung unmittelbar nach Erhalt des Befundes. Laut Landesverordnung beträgt die Zeit der Quarantäne für Personen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, fünf Tage. Eine Freitestung ist nicht mehr notwendig, außer bei medizinischem Personal. Wenn Krankheitssymptome aufgetreten sind, sollte die Isolation aber eigenverantwortlich fortgesetzt werden, bis mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit vorliegt.

Wie ist die Lage im Impfzentrum? Wie viele Menschen kommen pro Tag?

Die Zahlen schwanken je nach Wochentag zwischen 15 und 60 Personen. Die meisten Impflinge kommen freitags.

Bekommen die dann alle ihre vierte Impfung?

Nein, es erfolgen auch immer noch Erst-, Zweit- und Drittimpfungen. Die vierte Impfung wird nach Stiko-Empfehlung verimpft. Das sind im Moment im Wesentlichen über 70-Jährige und Menschen mit Vorerkrankungen. Das Gesundheitsamt ist vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration angehalten, die Indikation zur vierten Impfung im Einzelfall eher großzügig zu stellen. Allerdings liegt die Einzelfall-Entscheidung am Ende immer beim Impfarzt.

Wie werden die Bürger an die nächste Auffrischungsimpfung erinnert?

Durch die Medien, Erinnerungssysteme des Hausarztes ein Service, den einige Praxen ihren Patienten anbieten, oder durch persönliche Recherche wie bei allen übrigen Impfungen auch. Ab Oktober 2022 beispielsweise ist man nur noch dann vollständig geimpft, wenn man mindestens drei Impfungen erhalten hat. Bisher galt dies mit zwei Impfungen.

Sollte man mit der Impfung warten, bis der neue Impfstoff im Herbst da ist?

Da lässt sich keine generelle Empfehlung für die eine oder andere Lösung aussprechen, sondern es muss jeder individuell für sich abwägen. Wer kein hohes Risiko hat, kann sicher abwarten, weil mit dem neuen Impfstoff eine deutliche bessere Schutzwirkung gegen Omikron erwartet wird. Wessen dritte Impfung schon mehr als sechs Monate her ist und der dann noch zu den in der Stikoempfehlung aufgeführten Risikogruppen gehört, kann sich impfen lassen. Unklar ist noch, welcher Abstand zwischen der letzten Impfung und dem neuen Impfstoff empfohlen sein wird.

Tragen im Gesundheitsamt alle Mitarbeiter Masken?

Es besteht in der Kreisverwaltung keine Maskenpflicht mehr. Bei Besprechungen tragen die Mitarbeitenden im Gesundheitsamt aber in der Regel Maske.

Was halten Sie als Amtsärztin vom Wegfallen der Maskenpflicht?

Auf Grund der hohen Inzidenz und der deutlich höheren Infektiösität der nun dominanten Variante Omikron-BA5 kann ich in Gedrängesituationen oder an Orten, wo viele Menschen zusammenkommen, das Maskentragen nur weiter empfehlen, da es sich als einfaches und wirksames Mittel zum Schutz vor einer Infektion bewährt hat.

Werden die Mitarbeiter noch von Corona-Leugnern beschimpft oder hat sich die Lage entspannt?

Da hat sich die Lage deutlich entspannt. Die Leute sind nun eher mal ungehalten über die Isolierungsmaßnahmen, wenn sie infiziert sind.

Wie bereitet sich der Landkreis auf den Herbst vor?

Das Gesundheitsamt hat eine Personalplanung für unterschiedliche Szenarien gemacht und befindet sich hier in der Abstimmung. Zusätzlich versuchen wir, fortlaufend Prozesse zu optimieren und zu automatisieren.

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