+
Landrat Manfred Michel geht in den Ruhestand

Ende einer Ära

Landrat Manfred Michel (CDU)  verabschiedet sich in den Ruhestand: Das große Abschiedsinterview

  • schließen

Im Landkreis Limburg-Weilburg endet heute eine Ära. Manfred Michel (CDU) geht nach zwölfjähriger Amtszeit als Landrat in den Ruhestand, davor war der Elzer knapp sieben Jahre Hauptamtlicher Erster Kreisbeigeordneter. Im Gespräch mit Joachim Heidersdorf blickt der 65-Jährige zurück und nach vorn.

NNP: Wie ist Ihre Gemütslage kurz vor dem Ausscheiden?

MANFRED MICHEL: Ich freue mich auf den neuen Lebensabschnitt. Der Zeitdruck fällt weg, ich kann künftig alles gemächlicher angehen lassen. Ich werde erst aufstehen, wenn ich wach werde und dann in aller Ruhe am Frühstückstisch die NNP lesen. Aus dem Dienst scheide ich mit einer gewissen Genugtuung. Insgesamt ist aus meiner Sicht alles gut gelaufen. Wir haben mit viel Glück und viel Sachverstand aus dem Haus sehr viel für den Landkreis bewegen können. Das macht mich auch ein Stück weit stolz. Mit Wehmut denke ich daran, dass mir der Kontakt mit Mitarbeitern, Mitstreitern und Bürgern fehlen wird.

Müssen Sie sich am letzten Arbeitstag noch bei jemanden entschuldigen?

Nein.

Sie haben bei Ihrer Verabschiedung von einem „Traumjob“ gesprochen. Was bleibt als Erinnerung?

Jede Menge. Ich könnte spontan 100 positive Dinge aufzählen. Die Begegnungen mit Menschen haben mich erfüllt – sei es bei der Arbeit im Kreishaus, auf interessanten Klausurtagungen oder bei zahlreichen wunderschönen Terminen. Als ausgebildeter Architekt ist unglaublich viel Neues auf mich hereingestürzt. Ich habe Vieles gelernt und weiß heute wesentlich mehr als vor 19 Jahren.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Meine Mitarbeiter.

Landrat Manfred Michel geht in den Ruhestand

Und Ihre Privilegien?

Das eine oder andere sicherlich auch. Natürlich war es beispielsweise schön, einen Fahrer zu haben, keinen Parkplatz suchen zu müssen und auch einmal ein Glas Wein trinken zu können.

Lesen Sie auch den Kommentar: "Michel geht auf seinem Zenit"

Sie werden im Februar 66 - da fängt das Leben bekanntlich erst an. Was macht der Mann, dessen Terminkalender von vorne bis hinten durchgetaktet war und der im Schnitt eine 70-Stunden-Woche hatte? Angst vor Langeweile?

Auf keinen Fall. Ich wünsche mir, die Freizeit mit meiner Frau Sigrun möglichst lange bei hoffentlich bester Gesundheit genießen zu können. Wir haben viel vor und wollen oft unterwegs sein, vor allem auf Städtereisen. In Europa gibt es noch viel zu entdecken.

Was werden Sie am 2. Januar und am ersten Januarwochenende tun?

Mal schauen. . . Der Mittwoch war ab mittags immer freigehalten worden, das hat allerdings nur selten funktioniert. Am kommenden Wochenende habe ich nichts vor.

Sie wollen doch nicht nur faulenzen?

Nicht nur (lacht). Zunächst behalte ich ja noch mehrere Ehrenämter, zum Beispiel als Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes Limburg und als Präsident des Hessischen Tourismusverbandes. Ich bleibe vorerst im Verwaltungsrat der Naspa, im Beirat der Süwag, in der Vertreterversammlung des LWV, im Vorstand des Softwareunternehmens EKOM 21 und im Leichtathletik-Förderkreis.

Welche der anderen Ämter geben Sie besonders ungern ab?

Ungern ist der falsche Ausdruck. Mir hat fast alles viel Freude gemacht, wie der Verwaltungsratsvorsitz der Kreissparkassen Limburg und Weilburg und des Kreishallenbads Weilburg. Ich habe versucht, dem Hut, den ich auf hatte, gerecht zu werden, und mich überall so gut wie möglich eingesetzt.

Sie werden aufgrund Ihrer Fähigkeiten und Beziehungen ein gefragter Mann in der Wirtschaft sein, noch dazu als Bauexperte, Architekt und Ingenieur. Für wen und was wollen Sie sich einbringen?

Generell nur dann, wenn ich gefragt werde. Ich werde mich zum 1. Januar als Berater selbstständig machen.

Haben Sie eine Ahnung, wie viel Geld der Kreis unter Ihrer Führung eingenommen und ausgegeben hat?

Das kann ich nicht beziffern. Der Haushalt hat pro Jahr ein Volumen von 250 Millionen Euro, für die Schulen haben wir in den vergangenen Jahren insgesamt 250 Millionen investiert.

In diesem Zusammenhang eine der Standardfragen: Auf welche Leistungen sind Sie besonders stolz?

Auf die sehr gute Teamarbeit im Kreishaus. Wir haben eine tolle und leistungsstarke Mannschaft und ein hervorragendes Betriebsklima. Jeder konnte meine offene Tür nutzen.

Und welche Entscheidung bereuen Sie am meisten?

(Überlegt). Die Frage erwischt mich auf dem falschen Fuß. Ich habe keine einsamen Entscheidungen getroffen. Wir haben im Haus alles abgestimmt; deswegen haben ja auch alle Anteil an den Erfolgen. Eine Entscheidung, die völlig daneben war, fällt mir auf Anhieb nicht ein.

Welche Ziele haben Sie nicht erreicht?

Ich wollte für die Jugendlichen am 1. Mai ein großes Fest an drei Orten ausrichten – mit Sternwanderungen nach Limburg, Runkel und Weilburg. Das haben wir organisatorisch nicht umsetzen können. Der zweite Punkt war ein running gag in der Verwaltung, mir aber durchaus ernst: Die GAB sollte ein Kinderkarussell kaufen, zwei Pferdchen und die bunte Malerei erhalten, aber sonst umbauen. Mit einem Ausschank in der Mitte; im Sommer als Weißbier- und im Winter als Glühweinkarussell. Damit hätte man viele Spenden für gute Zwecke generieren können.

Ergänzen Sie bitte spontan die beiden folgenden Sätze. Die lustigste Anekdote im Dienst war. . .

. . .dass ich bei einer Klausurtagung in einer gehobenen Jugendherberge zum Pfeifenrauchen auf den Bürgersteig gegangen und dann von der Betreiberin auf die andere Straßenseite geschickt worden bin.

Besonders traurig gestimmt hat mich. . .

. . . wenn ein Angehöriger eines nahe stehenden Menschen gestorben ist. Alles andere hat mich höchstens nachdenklich gestimmt. In dieser Hinsicht habe ich eine Devise meines Vorgängers Dr. Fluck übernommen: Es gibt keine Probleme, sondern Aufgaben, die man lösen kann.

Welchen Ratschlag geben Sie ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Die Teamarbeit weiter zu pflegen, die Politik mitzunehmen und sich nicht vor Entscheidungen zu drücken.

Wie oft werden Sie im Kreishaus sein?

So schnell nicht und bestimmt nicht häufig. Man begegnet sich zwangsläufig bei verschiedenen Anlässen. Wer etwas wissen will, kann jederzeit zu mir kommen. Ich stehe gerne zur Verfügung.

Ihr Abschiedsgruß an die Bürger?

Ich danke für das gute und offene Miteinander. Unterstützen Sie den neuen Landrat und bald auch den neuen 1. Hauptamtlichen Kreisbeigeordneten bitte genauso wie die derzeitigen Amtsträger. Erkennen Sie an, dass wir in einer guten Zeit leben, und denken Sie positiv!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare