+
Dom Limburg

Meinung

Abschied von Landrat Michel: "Er hat das Gespür für das Machbare"

  • schließen

Für NNP-Redaktionsleiter Joachim Heidersdorf geht Landrat Manfred Michel (CDU) auf dem Zenit seines Erfolgs. Ein Kommentar.

In den meisten Fällen wird man sich erst später bewusst, was man verloren hat. Bei Manfred Michel ist das anders. Der Landrat hört auf dem Zenit seines Erfolges und seiner Beliebtheit auf – (fast) alle wissen es, und die meisten bedauern es. Und dennoch ist es gut, dass er keine weitere Amtsperiode anhängt. Für ihn und für das Amt. Der Elzer hat kurz vor dem 66. Geburtstag den richtigen Zeitpunkt für den selbstbestimmten Abgang gefunden. Und den Landkreis können neue Impulse und neue Akzente nach zwölf Jahren befruchten. Es lag natürlich nicht allein am Landrat, dass Limburg-Weilburg sich in den vergangenen Jahren prima entwickelt hat – aber auch nicht zuletzt an ihm. 

Manfred Michel: Ein lieber Mensch mit Empathie für andere

Manfred Michel hatte nach eigenen Angaben in vielen Situationen viel Glück. Das Glück des Tüchtigen(!), denn Chancen müssen erst mal erkannt und dann auch ergriffen und umgesetzt werden. Das ist Manfred Michel mit Hilfe der Verwaltung und der Kreispolitik bei verschiedenen großen Programmen und Projekten gelungen. Wenn man später vom Landrat Michel sprechen wird, werden die verbesserte Infrastruktur und die geordneten Finanzen jedoch nur nebenbei erwähnt werden. Ebenso wie sein zu wenig gewürdigter und von manchen schon vergessener Verdienst, die Kreisverwaltung zum modernen, serviceorientierten und freundlichen Dienstleister umgestaltet zu haben. 

Der studierte Architekt hat die Verwaltung umgekrempelt

Was hängen bleiben wird, sind vor allem seine persönlichen Stärken. Manfred Michel ist ein lieber Mensch mit großer Empathie für andere; er kann gut zuhören und andere begeistern. Michel war nicht nur im übertragenen Sinn nahe bei den Menschen; er war es auch außergewöhnlich häufig. Als er mir vor etwas mehr als 13 Jahren verriet, er wolle Landrat werden, habe ich ungläubig den Kopf geschüttelt. Das Amt sei nichts für ihn, habe ich ihm gesagt. Privat habe ich mich in Manfred Michel bis heute nie getäuscht, beruflich damals gewaltig. Er hat politisch ein sicheres Gespür für das Machbare. Der studierte Architekt hat die Verwaltung umgekrempelt, weil er sich nicht an bürokratische Vorschriften klammerte, sondern aus Sicht der Bürger handelte. Er hat sich akribisch in Themen hineingearbeitet, von denen er keine Ahnung hatte, wie Bankgeschäfte und Krankenhausprobleme. Er ist zwar kein brillanter Rhetoriker, aber ein guter Redner, weil er immer authentisch ist und den passenden Ton trifft. Bei all dem profitierte Manfred Michel von gesundem Menschenverstand und Pragmatismus – und von seinem offenen und angenehmen Auftreten und positiven Denken. Klar, auch Manfred Michel hat wie jeder andere Schwächen und Fehler gemacht. Der nette und lebensfrohe Mann kann auch mal schlecht gelaunt und „knorzig“ sein, wie sein „Entdecker“ Helmut Peuser bei der Verabschiedung erklärte. Die Ecken und Kanten runden das glänzende Bild von einem herausragenden Landrat freilich nur ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare