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Junge (6) spendet seine Haare für Echthaarperücken

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Stolz präsentiert Laurentin seine sechs rund 35 Zentimeter langen Haarzöpfe, die sich der Sechsjährige die vergangenen zweieinhalb Jahre für einen guten Zweck freiwillig hat wachsen lassen.
Stolz präsentiert Laurentin seine sechs rund 35 Zentimeter langen Haarzöpfe, die sich der Sechsjährige die vergangenen zweieinhalb Jahre für einen guten Zweck freiwillig hat wachsen lassen. © Andreas Egenolf

Gutes tun mit einem Friseurbesuch: Wie ein TV-Film einen Sechsjährigen aus dem Westerwaldkreis auf eine bewundernswerte Idee brachte.

Westerwaldkreis – Einen Friseursalon von innen gesehen, das hat der sechsjährige Laurentin schon lange nicht mehr. „Das letzte Mal muss Ende 2019 kurz vor dem Start der Corona-Pandemie gewesen sein“, erinnert sich seine Mutter Anna-Lisa Daum. Umso angespannter und ein stückweit skeptisch wirkt der junge Niedererbacher, als er an diesem Juli-Nachmittag den Frisör Müller in Elz gemeinsam mit seiner Mutter, Großmutter und dem jüngsten Bruder betritt. Doch er weiß auch: Mit diesem Friseurbesuch und seiner Haarspende wird er mindestens eine andere Person glücklich machen.

Zweieinhalb Jahre hat Laurentin Daum nämlich seine Haare geduldig wachsen lassen. Schon bis zu den Achseln baumeln sie mittlerweile. Doch jetzt, wenige Monate bevor der Junge vom Kindergarten auf die Grundschule wechselt und auch die Hitze zunehmend den Kopf schwitzen lässt, soll die gelockte, braune Haarpracht nun doch ab und endlich ihren guten Zweck erfüllen. Auf die Idee dafür kam der Sechsjährige eher zufällig.

„Ist das ein Mädchen?“: Junge aus dem Westerwaldkreis lässt seine Haare absichtlich wachsen

Mit seiner Großmutter Patricia Becker schaute der Junge Anfang 2020 TV. „Im Fernsehen lief ein Film, in dem ein junges Mädchen ihre Haare an ein anderes Mädchen, das eine Immunkrankheit hatte, spendete“, erinnert sich die Niedererbacherin. Laurentin ist fasziniert davon und fasst kurzerhand den Entschluss: „Oma, das will ich auch machen.“ Zentimeter für Zentimeter lässt der Junge letztlich seine Haare wachsen und verändert somit auch zusehends sein Äußeres. „Ist das ein Mädchen?“, wird in den kommenden zweieinhalb Jahren die wohl meistgestellte Fragenfalle, in die Menschen, die Laurentin bisher nicht kennen, tappen.

So beispielsweise auch der Generalvikar des Bistums Limburg, Wolfgang Rösch. Bei der Fronleichnamsprozession in diesem Jahr trug Laurentin eine Fahne durch die Straßen Niedererbachs. Nach Gottesdienst und Prozession kam Wolfgang Rösch im Beisein des Kleinen ins Gespräch mit seiner Großmutter und er fragte, ob es die Enkeltochter sei. Ehe Patricia Becker antworten konnte, entgegnete der kleine Niedererbacher dem Geistlichen schon selbst mit einem gewissen Stolz: „Ich bin kein Mädchen. Ich will meine Haare spenden.“

Sechsjähriger will Gutes tun: Junge aus dem Westerwaldkreis spendet Haare für Echthaarperücken

„Er hat auch ansonsten immer über den Sprüchen gestanden“, sagt Anna-Lisa Daum mit Stolz in der Stimme über den mittleren von drei Söhnen. Dabei hat er auch teilweise schon Sätze von sich gegeben, die man aus einem Kindermund nicht unbedingt erwartet hätte. So erinnert sich seine Großmutter an eine Aussage ganz besonders: „Wenn die Leute sagen: ,Du siehst aus wie ein Mädchen.‘ Wie müssen sich dann die Kinder ohne Haare fühlen? Das ist doch viel schlimmer. Da kann ich das schon aushalten.“

An diesem Juli-Nachmittag ist es allerdings vorbei mit der Haarpracht. Gleich sechs rund 35 Zentimeter lange Haarzöpfe schneidet Friseurin Eva Müller fein säuberlich nacheinander ab, während sie sich Laurentins Geschichte erzählen lässt und begeistert ist. „Ich finde deine Aktion klasse“, lobt sie den Sechsjährigen, während sie ihm binnen 30 Minuten einen ansehnlichen Jungen- Kurzhaarschnitt verpasst. Wie er aussehen möchte? „Wie Papa“, sagt Laurentin immer wieder.

Gute Tat eines Jungen im Westerwaldkreis: „Ich finde das ganz toll, was du da machst“

„Es kommt immer wieder mal vor, das Mädchen im Teenageralter oder jüngere Frauen ihre Haare spenden. Einen Jungen hatten wir hier bisher aber noch nicht“, erklärt Friseurmeister Christian Müller. Und auch ein anderer Mann im Laden ist sichtlich angetan. „Ich finde das ganz toll, was du da machst“, erzählt der Stammkunde, der während seines Haarschnitts dem Gespräch am Frisierplatz gegenüber gelauscht hat. Kurzerhand steckt der ältere Herr, kurz bevor er den Laden verlässt, Laurentin einen Fünf-Euro-Schein zu. „Kauf dir davon ein Eis“, flüstert er ihm zu.

Und auch Eva Müller ist von der Aktion so ergriffen und überzeugt, dass sie kurzerhand kein Geld für den Haarschnitt des jungen Niedererbachers verlangt, wofür sich Laurentin artig bedankt. In einer Papiertüte nimmt schließlich seine Großmutter Patricia die sechs Haarzöpfe mit. Diese werden nunmehr eingeschickt an die rund 230 Kilometer entfernt gelegene Zweithaarmanufaktur Rieswick im nordrhein-westfälischen Velen-Ramsdorf. Eingehende Haarspenden, die unter www.haare-spenden.de angemeldet werden, werden dort registriert, sortiert und dann eingelagert, bis daraus entsprechende Echthaar-Perücken entstehen. Kinder bis 18 Jahre bekommen durch die Haarspenden sogar zuzahlungsfrei Haarteile zur Verfügung gestellt – bald mit Haaren vom kleinen Laurentin aus Niedererbach. (Andreas Egenolf)

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