LESERMEINUNG

Argumente nicht nachvollziehbar Zum Leserbrief „Die Fakten sprechen für sich“ vom 13.

Argumente

nicht nachvollziehbar

Zum Leserbrief „Die Fakten sprechen für sich“ vom 13. März und „Alternativen suchen“ vom 20. Februar:

Nachdem ich durch die Medien (Zeitung, TV und Internet) in letzter Zeit ausgiebig über Windkraft informiert wurde – ob inhaltlich richtig oder falsch, sei dahingestellt –, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die pseudoökologischen Äußerungen und die

Argumente

zu den wirtschaftlichen Aspekten für mich

nicht nachvollziehbar

sind.

In einer 15 000 Einwohner zählenden Taunusstadt wie Bad Camberg (oder auch Neu-Anspach) wird über die Stromrechnung per EEG-Umlage alleine in diesem Jahr eine Kaufkraft von etwa drei Millionen Euro entzogen (Tendenz steigend). Diese Anzahl von Verbrauchern muss etwa eine weitere Million Euro im Jahr mehr bezahlen für den durch die EEG-Abgabe gestiegenen Stromkostenanteil in Waren und Dienstleistungen. Zusätzlich werden die Immobilien jener Einwohner durch den Bau benachbarter Windkraftanlagen um mindestens 150 Millionen Euro entwertet. Darüber hinaus läuft ein großer Teil der bereits errichteten Bürger-Windparks nicht rentabel und generiert – nach Abschreibungen und Zinsen – Verluste und somit keine Gewerbesteuern vor Ort. Können wir bei jährlichen Pachteinnahmen für die Gemeindekassen in Höhe zwischen 90 000 bis 300 000 Euro hier noch von „regionaler Wertschöpfung“ sprechen?

Es werden leider Werte vernichtet bzw. über das EEG unsozial von „unten“ nach „oben“ in unserer Gesellschaft umverteilt. Jeder Bürgermeister müsste dies ablehnen. In den Ortschaften Haintchen und Münster der Gemeinde Selters wird voraussichtlich kein Cent in die Gemeindekasse eingezahlt, da die Verträge mit Hessen-Forst und dem Nassauischen Zentralstudienfonds geschlossen werden sollen. Die Fakten sprechen tatsächlich für sich.

Bernd Roller

Bad Camberg

Desinformation durch

Windkraftgegner

Zu „Alle Informationen auf den Tisch“ vom 26. März:

Die Veranstaltung hatte einen höchst informativen Charakter. Dank der – meist von

Windkraftgegner

n – vorgebrachten populistischen Zwischenfragen zog sich die Veranstaltung aber sehr hin. Leider blieb so kaum Raum für unvoreingenommene interessierte Bürger, wirkliche Sachfragen zu stellen. Mich hätte zum Beispiel interessiert, ob die Trassenführung für die Stromanbindung der sechs Windräder am Camberger Kuhbett, mit den gleichen Kabeln vorgenommen werden kann, die zur Zeit für den Riedelbacher Windpark verlegt werden. Das würde ja eine erhebliche Entlastung für die Natur bieten.

Aber für Sachinhalte interessieren sich die

Windkraftgegner

anscheinend nicht. Es wurde vorgezogen, Unterschriftenlisten an den Camberger Bürgermeister zu übergeben, die im Rahmen einer Desinformationskampagne gesammelt wurden. So wird von den Gegnern z. B. vorgebracht, dass 28 WEA um Hasselbach entstehen würden. Wer die Informationsveranstaltung besucht hat, konnte sich eines Besseren belehren lassen. Ich bin mir sicher, viele der Unterschriftenleister hätten umgehend die Streichung ihrer Unterschrift verlangt, hätten sie die Vertreter der BI Rennstraße an diesem Abend erleben können. So wurde dem Gutachter des avifaunistischen Gutachtens schlichtweg vorgeworfen, dass ja bekannt sei, dass er als Windkraftbefürworter voreingenommen sei und sein Gutachten daher nicht ernst genommen würde. So geht ein Gegner mit seinen Widersachern um, der keine Sachargumente hat.

Mit Händen und Füßen wurde sich dagegen gewehrt einzugestehen, dass nichts bleibt als das Argument: Wir wollen keine Windräder vor unserer Haustüre! Man bediente sich der allseits bekannten Parolen: Verlust an Immobilienwert (was durch nichts belegbar ist), Verlust von Naherholungsgebieten (WEA Vorrangflächen machen gerade einmal 0,03 % der Waldflächen Hessens aus), Verlust von Tourismus (was keine Stadt oder Gemeinde mit WEA in deren Gebiet bestätigen kann).

Marlis Teubert,

Weilrod

Bürgerinitiative

nach St. Florian

Zum gleichen Thema:

Leider wurden die Informationen in dem Artikel nur einseitig auf den Tisch gelegt. Die von der Stadt Bad Camberg eingeladenen Experten informierten sehr ausführlich und anschaulich (und dies habe ich im Artikel vermisst) über die von den städtischen Gremien in Auftrag gegebene Untersuchung und kamen zu dem Ergebnis, dass Windenergie in unserem Raum, konkret dem Gebiet Kuhbett, ökonomisch und ökologisch sinnvoll und verträglich ist. Dabei wurden alle Vogelarten und deren Verhalten einzeln betrachtet.

Dass Windräder das Bild der Landschaft verändern und es für einige wenige (!) Vögel problematisch wird, ist sicher richtig. Ein „Nullrisiko“ ist nicht möglich, will man die Energiewende. Der BUND rechnet mit durchschnittlich 0,5 toten Vögeln pro Windanlage und Jahr, derzeit also rund 8000 jährlich. 5 bis 10 Millionen Vögel sterben jedoch im Straßenverkehr und an Hochspannungsmasten pro Jahr in Deutschland. Bei Wild- und Nutztieren tritt nach kürzester Zeit ein Gewöhnungeffekt auf.

Welche Alternativen gibt es? Davon war von seiten der

Bürgerinitiative

nichts zu hören. Strom ja, Erzeugung, egal wie, aber nicht bei uns, das alte egoistische St.-Florians-Prinzip. Die Energiewende ist aber notwendig angesichts von Fukushima, Tschernobyl, der endlosen Suche nach einer Lagerstätte für den strahlenden Abfall der Atomindustrie, den verseuchten Gebieten des Uranabbaus, dem Braunkohletagebau in Hambach, dem zahlreiche Dörfer weichen mussten, die endliche Verfügbarkeit der Energieträger wie Öl, Gas und Kohle und Abhängigkeit von anderen Staaten, der zunehmenden Luftverschmutzung. Zu dieser Erkenntnis sind mittlerweile alle großen politischen Parteien und der Großteil der Bevölkerung gekommen. Dafür kämpfen wir Grünen seit den 70er Jahren.

Noch ein Dank an die Verwaltung, dass sie so kompetente Referenten bekommen konnte, und an Bürgermeister Erk als souveränen Moderator. Es würde mich freuen, wenn die Planungen nun auch umgesetzt würden.

Manfred Heinze,

Mitglied B90/Die Grünen,

Bad Camberg

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