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Mitten auf der Fahrbahn ein Schuh und links auf dem Gehweg weitere Gegenstände des Opfers: Dort hat der Mörder in Limburg mit seinem Auto die Frau erfasst. Sie flog etwa 30 Meter durch die Luft und landete direkt hinter dem Wagen, der in die Hauswand raste.

Täter bedrohte Helfer mit Pistole

Axt-Tötung in Limburg: Der Täter wartete auf die Polizei

Die Leiche der von ihrem Ehemann in Limburg brutal getöteten Frau ist obduziert worden. Die Hintergründe der Tat werden für Diskussionen sorgen.

Limburg - Die Bilder gehen einem nicht mehr aus dem Kopf: Ein Mann fährt seine Ehefrau absichtlich mit dem Auto um und zertrümmert dann mit einer Axt ihren Schädel, enthauptet sie fast.

Nach dieser unglaublich grausamen Bluttat kann es keinen Trost für die Hinterbliebenen und keine gute Nachricht für die Öffentlichkeit geben. Allenfalls die Annahme, dass die 31-jährige Sanae ihr Abschlachten mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erlebt hat. 

Sie muss bereits beim Zusammenstoß auf dem Gehweg getötet worden sein. Das Opfer ist nach dem Aufprall nicht mitgeschleift worden, wie zunächst angenommen, sondern im hohen Bogen etwa 30 Meter weit durch die Luft geschleudert worden. Die Frau landete direkt hinter dem Pkw, der mit hohem Tempo in die Wand des Hauses Nummer 6 in der Weiersteinstraße krachte.

Limburg: Mann tötet Ehefrau brutal - Schweres Auto extra geliehen

Ihr Mann Imad hat sie auf dem Bürgersteig regelrecht "abgeschossen". Tatwaffe ein eigens für diesen Mord bei einem Autovermieter besorgter schwerer Wagen, ein Audi A6 Avant; neuestes Modell, Typ 40 mit 170 bis 204 PS.

Am Freitag hatten die Ermittler gerätselt, warum die Frau nicht gegen die Frontscheibe und/oder über das Fahrzeug geschleudert worden ist. Die Antwort geben die Bilder der Überwachungskamera am Haus der Kreishandwerkerschaft. 

Der Film zeigt, wie eine Fußgängerin mit Kopftuch und roter Jacke von rechts in Richtung Bahnhof geht. Plötzlich rast der schwarze Audi über die Weiersteinstraße und den Parkplatz der Kreishandwerkerschaft in das Wohnhaus, gleichzeitig fliegt jemand durch die Luft. „Das haben wir in dieser Form noch nicht gesehen“, sagt ein Experte.

Limburg: Männer befreien Fahrer aus dem Auto

Unmittelbar vor dem Crash ist das schwere Metalltor auf dem Parkplatz aufgefahren, ein weißer Pkw fährt und parkt ein. Sonst wäre der Audi des Täters hier abgebremst worden, was am schrecklichen Geschehen freilich nichts geändert hätte.

Die folgenden Szenen geben Aufschluss über weitere bislang offene Fragen des Ablaufs, der aufgrund widersprüchlicher Zeugenaussagen teilweise falsch dargestellt wurde. Tatsächlich ist es so weitergegangen:

Der Fahrer des weißen Pkw geht über den Parkplatz zu dem demolierten Audi an der Hauswand, öffnet die Fahrertür, läuft eilig um den Wagen und reißt die Beifahrertür auf. Zwei weitere Männer kommen ihm zur Hilfe; zwei Personen zerren den offensichtlich eingeklemmten Fahrer aus dem Pkw. 

Limburg: Mann bedroht Helfer mit Pistole

Die dritte entdeckt das Opfer und schaut nach ihm. Der Amokfahrer greift außen zur Pistole und bedroht seine Helfer, die davonrennen - ebenso wie eine Frau, die die Aktion etwas abseits verfolgt, telefoniert und filmt.

Der Mann im schwarzen Trainingsanzug geht zum Kofferraum des jetzt qualmenden Autos, holt die Axt raus, nimmt sie in beide Hände und schlägt mit voller Wucht fünfmal auf den Kopf der regungslos am Boden Liegenden. Die Zeugen gehen weiter in Deckung.

Limburg: Tatverdächtiger beachtet Leiche nicht

Der Killer wirkt keineswegs panisch. Relativ ruhig geht Imad auf dem Parkplatz hin und her. Er denkt nicht daran zu fliehen. Eine Passantin marschiert ein paar Meter vor ihm ungehindert an ihm vorbei. Imad geht bis zum Bürgersteig, wo er seine Frau mit dem Pkw erfasst hat. Er nimmt kurz die braune Handtasche mit abgerissenem Tragegurt in die Hand, wirft sie wieder hin und geht zurück zum Parkplatz, schnürt sich die Schuhe und geht zur Beifahrertür. Die Leiche beachtet er nicht.

Imad scheint auf die Polizei zu warten. Nach etwa drei Minuten nimmt er die Arme hinter den Kopf, setzt sich auf die Knie und legt sich auf den Bauch. Zwei Polizisten laufen mit vorgehaltener Pistole auf ihn los, fixieren ihn und nehmen ihn widerstandslos fest. Zehn Sekunden später kommt ein dritter Polizist, der die Leiche entdeckt. Jetzt tauchen auch wieder Passanten auf, dann kommen die Rettungskräfte.

Limburg: Hat der Mann ein Schlachtermesser benutzt?

Ob und wann der Tatverdächtige das neben der Leiche liegende blutbehaftete Schlachtermesser eingesetzt hat, ist auf dem Film nicht genau zu sehen. Das wird bei der Obduktion festgestellt worden sein. Sie ist bereits im Rechtsmedizinischen Institut der Universitätsklinik Gießen vorgenommen worden; das Ergebnis will die Limburger Staatsanwaltschaft am Mittwoch (30.10.2019) bekannt geben.

„Wir haben noch keinen schriftlichen Bericht“, sagte der stellvertretende Pressesprecher der Behörde Manuel Jung gestern auf Anfrage dieser Zeitung. „Die Untersuchungen müssen bis ins Detail diffizil aufgearbeitet werden, bevor wir etwas rausgeben.“

Neben Axt und Schlachtermesser stellten Polizisten am Tatort eine PTB-Pistole, mit Gas und Knall geladen, auch durchgeladen, aber nicht abgefeuert, sicher.

Limburg: Film zeigt die komplette Bluttat

Der vollständige Film ermöglicht nun ein zuverlässiges Bild vom Tathergang. Die in sozialen Netzwerken veröffentlichten Szenen ließen teilweise andere Rückschlüsse zu. So war etwa auf einem Video zu sehen, dass der Mörder regungslos auf dem Boden lag, als zwei Polizisten auf ihn zuliefen. Dies hatte zur Annahme geführt, dass er nach der Wahnsinnstat zusammengebrochen ist.

Imad scheint überhaupt nicht verletzt gewesen zu sein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat er sich allerdings erhebliche innere Verletzungen zugezogen, die im Krankenhaus der Justizvollzugsanstalt Kassel behandelt werden.

Limburg: Wurde im Frauenhaus die Gefahr unterschätzt?

Am Tatort sorgte am Montag (28.10.2019) ein DIN-A4-Blatt mit Vorwürfen gegen das Limburger Frauenhaus für Aufsehen, Diskussionen und Empörung. „Sie war im Frauenhaus, aber ihr Mann hat sie gefunden. Sie wollte eine Wohnung finden, aber die Personen im Frauenhaus haben ihr nicht geholfen. Ruhe in Frieden, Sanae“, heißt es in holprigem Deutsch.

Eine schwere Anklage, zu der sich das Frauenhaus nicht äußern will. Fnp.de hat am Montag aus sicherer Quelle die Aussagen einer Bekannten des Opfers bestätigt bekommen, wonach das Versteck der Tunesierin in Limburg schon länger aufgeflogen war. Sowohl der von ihr nach heftigen Streitigkeiten verlassene, angeblich gewalttätige Ehemann als auch Verwandte von ihm sind wiederholt an der Einrichtung aufgetaucht. Haben die Verantwortlichen und die Betroffene die Gefahr unterschätzt?

Nach unseren Informationen sollten die Mutter und ihre beiden Kinder in ein Frauenhaus in einer anderen Stadt verlegt werden. Zu spät. Geklärt werden muss die Frage, wie Imad an die streng geheime Adresse in Limburg gekommen ist.

Axt-Opfer seit Ende Juli in Limburg

Seine Frau hatte Ende Juli Zuflucht in Limburg gefunden. Die Kinder, ein Junge und ein Mädchen im Alter von drei und zwei Jahren, gingen hier in den Kindergarten. Sie sind in der Obhut des Jugendamtes.

Der in Deutschland geborene und aufgewachsene Mann mit tunesischen Vorfahren hatte seine in Tunesien als Lehrerin tätige Frau nach Deutschland geholt. An einer Volkshochschule in Rheinland-Pfalz unterrichtete Sanae Arabisch. Das Paar lebte anfangs in Andernach und seit etwa vier Jahren in einem kleinen Ort bei Mendig, knapp 70 Kilometer von Limburg entfernt. Der Arbeiter soll sehr eifersüchtig gewesen sein und seiner Frau vorgeworfen haben, fremdzugehen, erzählen Bekannte ebenso wie Augenzeugen des Mordes. Außerdem habe er unter dem Verlust der Kinder gelitten.

Von Joachim Heidersdorf

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