Nichts mehr da: Nudeln waren im Limburger Globus am Wochenende fast ausverkauft. foto: privat
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Nichts mehr da: Nudeln waren im Limburger Globus am Wochenende fast ausverkauft. 

Coronavirus

Hamsterkäufe wegen Coronavirus - Diese Lebensmittel sind besonders begehrt

  • vonRobin Klöppel
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Aus Furcht vor dem Coronavirus SARS-CoV-2 und Covid-19 kaufen viele Menschen in Supermärkten in Limburg die Regale leer. Die Hamsterkäufe haben auch Profiteure.

  • Angst vor Coronavirus SARS-CoV-2 sorgt für leere Regal in Limburg
  • Hygienemittel und Nudeln in Limburger Supermärkten besonders begehrt
  • Händler machen mehr Umsatz
  • Limburg - Samstag (29.02.2020) war kein normaler Tag in den Supermärkten von Limburg und Umgebung. Auch in der Region ließen sich viele von der Angst vor dem Coronavirus anstecken und kauften aus Sorge vor Quarantäne und Lebensmittelknappheit vor allem massenhaft Hygieneartikel, Wasser und langlebige Konserven. Im Limburger Globus-Markt zum Beispiel fehlten Grundnahrungsmittel wie Weizenmehl, Zucker und Nudeln.

    Coronavirus SARS-CoV-2 und Covid-19: Hamsterkäufe in Supermärkten in Limburg

    Auffällig: Vor allem die günstigen Produkte sowie die italienischen Markennudeln im Super-Sonderangebot waren ausverkauft. Die Einkäufer reagierten überwiegend verwundert oder amüsiert auf die Hamsterkäufe und fotografierten die leeren Regale. Sonst gibt es samstags oft Probierstände im ganzen Markt - dieses Mal war nicht einer zu sehen. Großer Andrang stattdessen an den Hygienestationen mit Desinfektionsmittel, die an verschiedenen Stellen aufgestellt sind.

    Limburg: Leere Regale wegen Coronavirus SARS-CoV-2 und der Gefahr von Covid-19

    René Khestel aus Villmar beobachtete das Treiben kopfschüttelnd. "Die Gefahr, in Deutschland im Straßenverkehr zu sterben, ist um ein Vielfaches höher", sagt er.

    Im Globus, wo deutlich mehr Betrieb herrschte als vor den meisten Feiertagen, fotografierte auch Michael Kremer ein nahezu leeres Regal für Konserven und Eintöpfe. Er verbreitete das Bild in den sozialen Medien mit dem Kommentar "Oh, mein Gott. Wir sterben aus". Silke Bachmann verschickte ein Foto von einem nahezu leeren Fleischregal im Limburger Kaufland.

    Covid-19: Großer Andrang in Supermärkten in Limburg wegen Coronavirus SARS-CoV-2

    Der Marktleiter sagte auf Nachfrage, er wisse nicht, ob das mit dem Coronavirus zu tun habe, da das Kaufland Jubiläum feiere und auch deshalb mehr los sei.

    "Hamsterkäufer" Mustafa Gül vor dem Limburger Bereket-Center.

    Helmut Hübinger schildert seine Erlebnisse von Samstag in der Obertiefenbacher Aldi-Filiale: "Keine Kartoffeln, Zwiebeln, Obst und Gemüse mehr in den Regalen. Vereinzelte abgepackte Fleischportionen sind noch in den Kühlregalen. Bei Grundnahrungsmitteln wie Nudeln, Zucker, Mehl und Speiseöl auch fast nur leere Regale." Die Verkäuferinnen hätten gesagt, dass sie so etwas noch nie erlebt hätten. Der Villmarer wundert sich, da in Deutschland beispielsweise 2017 rund 33 000 Menschen an einer schweren Grippe gestorben seien, ohne dass dies irgendwen groß interessiert habe.

    Covid-19: Desinfektionsmittel und Nudel sind besonders begehrt

    Kaybee Cashmore aus Diez erlebte bei ihren Einkäufen bei Lidl und Rewe Samstag: "Dosen, Nudeln, Reis, Fertiggerichte, Käse, Wurst, Tiefkühlwaren, Klopapier, Desinfektionsmittel - alles leer. Unfassbar!"

    Kirsten Fischer aus Runkel gibt zu, eine der Hamsterkäuferinnen gewesen zu sein. Für ihren Mann, die beiden Kinder und sich habe sie so viel Wasser und haltbare Lebensmittel besorgt, dass sie damit etwa vier Wochen überleben könnten. Wenn sich alles beruhigt habe, werde sie einige Vorräte an eine Tafel spenden.

    Coronavirus SARS-CoV-2: "Hamsterkäufe völlig übertrieben"

    Sigrid Löhr findet Hamsterkäufe "völlig übertrieben". Sie sei Samstagmittag im Aldi in Bad Camberg gewesen, wo auch die Hölle los gewesen sei. Fast alle Regale seien leer gewesen. In der DM-Drogerie in Bad Camberg habe es noch nicht mal mehr Sagrotan zum Putzen gegeben.

    Nichts mehr da: Nudeln waren im Limburger Globus am Wochenende fast ausverkauft. 

    Jürgen Mandel aus Obertiefenbach meint: "Wir kaufen ganz normal für einen Monat, dann wie gewohnt die frischen Sachen wöchentlich." Er hält nichts von der aktuellen Hysterie: "Ich denke, es ist Panikmache. Die Leute kaufen auch Ladenhüter."

    Coronavirus SARS-CoV-2 und Covid-19 in Limburg: Mehr Tote durch Rechtsradikalismus und Gruppe

    Heinz-Jürgen Deuster aus Weilburg verweist darauf, dass "wir in Deutschland mehr Tote durch Rechtsradikalismus haben als durch den Coronavirus". Er finde Panik und Hamsterkäufe als völlig unangemessen. Natürlich könne man zur Vorbeugung gegen das Virus einiges tun, "aber es gibt mehr Grippetote, und darüber regt sich keiner auf".

    Oliver Thiel aus Elz erzählt, er sei von der Kassiererin gefragt worden, ob 500 Gramm Joghurt, zwei Steaks, fünf frische Forellen, etwas Parmesan und ein Sixpack Bier in seinem Wagen alles seien. "Ja, das reicht bis Montag", antwortete er trocken.

    Limburg: Volle Parkplätze und Hamsterkäufe

    Marijn Ritter aus Bad Camberg fragt sich: "Wie werden die Läden aussehen, wenn wirklich mal eine Katastrophe hereinbricht?"

    Am türkischen Bereket-Center in Limburg ist der Parkplatz rappelvoll. Inhaber Hüsein Kaya musste einen Mitarbeiter abstellen, der draußen die Verkehrsströme lenkt. Kaya berichtet im Gespräch mit der NNP: "Reis, Tee und Konserven. Alles weg." Normalerweise verkaufe er an einem Samstag eine Palette Reis. An diesem Tag seien fünf Paletten weggegangen. Brot sei völlig ausverkauft. Der Bereket-Chef sagt: "Wir hatten heute doppelt so viele Kunden wie an einem normalen Tag. Ich hatte alle drei Kassen besetzt, aber wir kamen trotzdem kaum nach." Kayas Eindruck: "Die Leute scheinen Angst und Panik zu haben."

    Corona: Nicht alle in Limburg haben Angst vor dem Virus

    Auch er hat an diesem Tag zwei Sorten von Kunden. Kalbim Eser sagt cool: "Daran sterben doch nur Alte und Leute mit Immunschwäche. Warum soll ich mir also einen Kopf machen und mehr kaufen als sonst?". Mustafa Gül hingegen hat sich groß eingedeckt mit Nudeln, Mehl, Toilettenpapier und Kosmetikartikeln wie Shampoo. "Panik habe ich nicht, aber heute habe ich beim Anblick der leeren Regale schon das Gefühl, dass ich mehr als sonst kaufen sollte", meint Gül.

    Coronavirus: Händler machen mehr Umsatz

    Tim Metlagel, Betreiber des Limburger Rewe-Marktes, berichtet der NNP: "Wir haben heute locker 20 Prozent mehr Umsatz als an einem normalen Samstag gemacht." Die Leute hätten besonders viele Konserven gekauft, vor allem Nudeln und Getränke seien extrem gefragt gewesen. Hygieneartikel seien ausverkauft. Er habe Nachschub bestellt und hoffe, dass dieser am Montag eintreffe. Jörg Götzinger, Betreiber des Edeka-Marktes in Lindenholzhausen, erläutert: "Ich habe gemerkt, dass es losgeht, als am Mittwoch der erste Kunde einen ganzen Einkaufswagen voll mit Nudeln machte." Er schätzt ein Umsatzplus von etwa 25 Prozent. Bei ihm seien Zucker, Mehl, Konserven und Suppen "wie verrückt" gekauft worden. "Bei den Hygieneartikeln sind alle Lager leer", sagt er. Bei den Lebensmitteln gebe es aktuell zum Glück keine Lieferengpässe.

    Von Robin Klöppel

    Bislang hat Sars-CoV-2 keine Auswirkungen auf das Abitur. Trotzdem sind wegen des Coronavirus Schulen in Limburg-Weilburg in Alarmbereitschaft.

    Mittlerweile sind erste Fälle des Coronavirus im Rhein-Lahn-Kreis und im Westerwaldkreis aufgetreten. Größere Veranstaltungen in und um Limburg sollen verboten werden.

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