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Die Staffeler Brücke über die Lahn muss dringend neu gebaut werden. Das soll am gleichen Standort passieren. 

Lahnbrücke

An dieser Stelle wird die neue Brücke gebaut

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Die Staffeler bekommen eine neue Lahnbrücke - am bisherigen Standort. Die CDU ist letztlich dafür, tut sich aber schwer damit, und die SPD, die das immer wollte, wirkt trotzdem nervös.

Limburg - Wir leben in emotionalen Zeiten. Es wirkt so, als ob es kein Thema gibt, dass die Menschen nicht aufwühlen könnte. Was für die einen eine Fällung der Platanen auf dem Neumarkt, ist für die anderen eine Brücke, die noch gar nicht steht, aber auf gar keinen Fall dort gebaut werden darf, wo sie sich ein Landrat vorstellen kann. Es geht um die marode Lahnbrücke in Staffel, die neu gebaut werden muss - und zwar vom Landkreis.

Um es vorweg zu nehmen: Die Staffeler Lahnbrücke bleibt, wo sie ist. Das hat am Mittwochabend der Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Verkehr mit deutlicher Mehrheit entschieden. Sie wird nicht rund 350 Meter Richtung Aull verlegt.

Landrat Michael Köberle (CDU) hatte diese Variante ins Spiel gebracht und um eine Stellungnahme der Stadt gebeten. Bei der Staffeler CDU stieß er auf weitgehende Zustimmung, weil es die Option für eine Teilortsumgehung bietet - und bei der Staffeler SPD auf schieres Entsetzen, weil sie um die große Schwierigkeit und die extreme Dauer weiß, in Deutschland überhaupt irgendeine Umgehung zu realisieren und deshalb lange Zeit vor allem Anwohnerstraßen mit Verkehr belastet sähe.

Die städtische CDU-Fraktion ist in dieser Frage sichtlich gespalten. Es gab in der Fraktionssitzung eine knappe Mehrheit für die Variante, die Brücke an gleicher Stelle neu zu bauen.

Dass es eine politische Mehrheit für den bisherigen Brückenstandort gibt, war schon vor Beginn der Ausschusssitzung klar. Manuel Barfuss (CDU) verteilte einen Ergänzungsantrag seiner Fraktion - mit dem die SPD eigentlich wunderbar hätte leben können, weil dort stand, dass die CDU am alten Brückenstandort festhält. Aber beim Lesen anderer Zeilen dieser Ergänzung reagierten einige SPD-Vertreter sichtlich nervös, als ob die CDU doch eine Brückenputsch plant.

Verwirrung um die "Nordseite" der Lahn

Die CDU schlägt vor, dass trotz des Neubaus der Brücke "in unmittelbarer Nähe" zum jetzigen Standort die "Option" berücksichtigt werden solle, die Zufahrtsstraße "zu einem späteren Zeitpunkt" entlang des Lahnufers an die bestehende Kreisstraße 475 anschließen zu können. Allerdings stand hinter Lahnufer "Nordseite". Und das verwirrte die SPD, insbesondere den Staffeler SPD-Chef Jens Fluck. In seinem nächsten Leben könnte der allseits geschätzte Buchhändler Staatsanwalt werden, spezialisiert auf Kreuzverhöre. Immer wieder fragte er CDU-Fraktionschef Dr. Christopher Dietz, wo denn nun genau bei der CDU das "nördliche" Lahnufer verlaufe.

Nach langem Hin und Her wurde klar, dass die CDU das "südliche" Lahnufer meint - und tatsächlich nicht die Absicht hat, schon morgen eine Autobahn in Staffel bauen zu lassen, um Schrebergärten am nördlichen Lahnufer zu vernichten.

Die CDU will Folgendes sicherstellen: Dass, laut Dietz, in ungefähr 20 Jahren die Möglichkeit besteht, vor der jetzigen Brücke, also auf der "südlichen" Seite, eine Abzweigung zu schaffen, um Richtung Aull eine neue Brücke bauen zu lassen, als eine Möglichkeit, eine Teilortsumgehung für Staffel zu schaffen. Ein Kompromiss, um die internen CDU-Befürworter eines Neubaus an anderer Stelle mitzunehmen.

Aber sollte es jemals so kommen: Auch über diese mögliche, noch gar nicht beschlossene Brücke würde ein Staffeler Sozialdemokrat niemals auch nur einen Fuß setzen. SPD-Fraktionschef Peter Rompf bestand auf eine getrennte Abstimmung dieses Absatzes, auch nachdem die CDU in der Sitzung diesen Passus noch einmal umformulierte, damit Missverständnisse ausgeschlossen sind. Zumindest im Ausschuss gab es dafür keine Mehrheit, sondern ein Patt zwischen CDU auf der einen Seite und SPD, Grünen und SÖFL auf der anderen Seite, was formal zu einer Ablehnung eines Antrags führt.

FDP: "Vertane Zukunftschance"

Die FDP enthielt sich. Das könnte sich bei der Abstimmung in der Sitzung der Stadtverordneten am Montag, 17. Februar, zwar noch ändern. Aber das, was der CDU vorschwebt, ist erst einmal theoretische Zukunftsmusik.

Die Liberalen verfolgen andere Pläne als die größere Hälfte der CDU und die geschlossene SPD, stehen damit aber allein da: Marion Schardt-Sauer (FDP) sieht die Möglichkeit, den im Jahr 2022 anstehenden Neubau der Lichfieldbrücke mit einer großen Umgehungsvariante über Staffel verbinden zu können - und hätte deshalb den Neubau der Staffeler Brücke an anderer Stelle unterstützt. Doch ihr Antrag, sich deshalb noch einmal zu vertagen, wurde bei einer Enthaltung durch die SÖFL abgelehnt. Für Schardt-Sauer eine "vertane Zukunftschance", die Verkehrsprobleme in Limburg zu lösen.

Zuvor hatte Fraktionssprecher Dr. Sebastian Schaub die Position der Grünen erklärt: Sie unterstützen den Neubau der Staffeler Brücke an gleicher Stelle, die nach Angaben des Landrats rund 3,8 Millionen Euro kosten soll. Mit den Stimmen von SPD und Teilen der CDU reicht das in der Sitzung der Stadtverordneten am Montag, 17. Februar, für eine satte Mehrheit.

Die alte Brücke muss dringend neu gebaut werden. Schon jetzt muss sie häufiger als vorgeschrieben auf ihre Standfestigkeit geprüft werden. Wie der Sprecher des Landkreises, Jan Kieserg, auf Anfrage mitteilte, ist eine Hauptprüfung eines Brückenbauwerks alle sechs Jahre vorgeschrieben und eine einfache Prüfung alle drei Jahre. Doch die Staffeler Brücke werde alle sechs Monate auf Risse und mögliche andere Schäden überprüft.

von STEFAN DICKMANN

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