1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg

„Fühle mich im Stich gelassen“: Alleinerziehender Mutter reicht Geld kaum zum Leben

Erstellt:

Von: Tobias Ketter

Kommentare

Nadja Barkowski, gelernte Arzthelferin aus Obertiefenbach, ist momentan in Elternzeit, um sich um ihre neun Monate alte Tochter zu kümmern.
Nadja Barkowski, gelernte Arzthelferin aus Obertiefenbach, ist momentan in Elternzeit, um sich um ihre neun Monate alte Tochter zu kümmern. © tob

Eine alleinerziehende Mutter aus Obertiefenbach erzählt von ihrem Alltag mit zu wenig Geld. Ein Problem, nicht nur im Landkreis Limburg-Weilburg.

Limburg-Weilburg – Das Kümmern um das eigene Baby ist eine sehr erfüllende, aber zugleich auch überaus schwierige Aufgabe. Besonders herausfordernd ist das, wenn Mütter oder Väter ihre Kinder alleine großziehen müssen. Teilweise wird dann auch mal das Geld knapp, da oftmals die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit neben dem Leben mit einem Neugeborenen nicht umsetzbar ist. So geht es auch Nadja Barkowski aus Obertiefenbach. Die gelernte Arzthelferin ist momentan in Elternzeit, um sich um ihre neun Monate alte Tochter zu kümmern.

"Ich beziehe derzeit Elterngeld und Kindergeld. Das sind insgesamt 1375 Euro", sagt die alleinerziehende Mutter. Die Summe reiche nicht aus, um vernünftig mit ihrem Baby zu leben und ihm etwas zu bieten. In ihrer Not nahm die 28-Jährige an vereinzelten Tagen einen Nebenjob an, und sie verkaufte einige ihrer Sachen im Internet. "Dadurch hatte ich zumindest für einige Tage mal ein paar Euro in der Tasche, um einzukaufen", so Barkowski. Ein Nebenjob sei allerdings nicht dauerhaft mit den Aufgaben der Kindererziehung vereinbar.

Mutter aus Region Limburg fühlt sich von Staat und Ämtern im Stich gelassen

"Ich fühle mich vom Staat und von den Ämtern im Stich gelassen. Die Elternzeit ist definitiv kein Genuss, da man jeden Cent umdrehen muss", sagt die junge Mutter. Die Kosten für einen halbtägigen Kita-Aufenthalt ihrer Tochter werden den Angaben von Barkowski zufolge allerdings derzeit vom Jugendamt übernommen. "Das war aber ein harter Kampf", erzählt sie. "Ich musste zunächst über drei Monate hinweg in Vorleistung treten, bis ich dann endlich das Geld zurückerhalten habe."

Die aktuelle Situation belaste die 28-Jährige auch psychisch, da sie manchmal nicht wisse, wie der Kühlschrank wieder gefüllt werden könne. In ihrer Not hat sich Barkowski an den Förderkreis Obdachlosenhilfe Limburg gewendet. Die Gruppierung betreibt eine Einrichtung namens "Unser Lädchen" in der Kreisstadt. Liegt eine Bedürftigkeit vor, erhalten die Menschen an Ort und Stelle Lebensmittel. "Beim ersten Besuch des Lädchens wurde ich weggeschickt, weil mir ein nötiger Verdienstnachweis gefehlt hat", sagt die Frau aus der Gemeinde Beselich.

Mutter aus dem Kreis Limburg-Weilburg erhält Hilfe von "donum vitae"

Hilfe bekam sie dann von der Beratungsstelle "donum vitae" in der Domstadt. "Die Mitarbeiter haben sich darum gekümmert, dass ich das Angebot von ,Unser Lädchen' in Anspruch nehmen kann und ich habe von der Organisation auch eine Spende in Höhe von 100 Euro bekommen", sagt Barkowski. Daraufhin konnte sie das Lädchen zwei weitere Male besuchen, um sich und ihre Tochter zu ernähren. "Ich bin der Beratungsstelle sehr dankbar. Sie hat mir wirklich weitergeholfen", betont die 28-Jährige. Sie wünscht sich allgemein mehr Beratungen in der Region, damit andere Mütter und Väter künftig nicht in die selbe Notlage wie sie geraten. "Die Aufklärungangebote durch Krankenkassen, Jugendämter und andere Einrichtungen sollten schon vermehrt in der Schwangerschaft beginnen und genutzt werden", ist sich Barkowski sicher. Diese helfe dann vermutlich dabei, frühzeitig zu wissen, wo man sich bei Schwierigkeiten hinwenden könne.

"Dass sich Alleinerziehende bei uns wegen finanzieller Schwierigkeiten melden, kommt immer wieder vor", sagt Regine Bach von "donum vitae". Verschiedene soziale Einrichtungen und auch der Wohlfahrtverband hätten ihr bereits signalisiert, dass Kinder von Alleinerziehenden besonders häufig von Kinderarmut betroffen sind. "Mein Eindruck ist, dass sich die Situation in den letzten Monaten durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten und Energiekosten verschärft hat", berichtet Bach. Die Leistungen nach dem SGB II seien knapp bemessen. "Sie decken das Existenzminimum ab. Durch die gestiegenen Kosten liegen manche Eltern bestimmt aber unterhalb des Existenzminimums", sagt die Expertin.

Beratungsstelle in Limburg: „Wir helfen auch bei der Beantragung von staatlichen Leistungen“

"donum vitae" verfügt übrigens über einen kleinen Hilfsfonds, aus dem in Einzelfällen Gelder zur sofortigen Hilfe unbürokratisch ausgeben können. Außerdem werden praktische Hilfen, wie beispielsweise Kleiderspenden aus dem Babykorb und Lebensmittel aus dem Lädchen der Obdachlosenhilfe, vermittelt. "Wir helfen auch bei der Beantragung von staatlichen Leistungen. Außerdem begleiten wir die Leute zu den entsprechenden Stellen und Behörden", sagt Bach.

Alleinerziehende sollten darüber hinaus zum Wohle des Kindes prüfen, ob dem Heranwachsenden Kindesunterhalt oder Unterhaltsvorschuss zusteht. "In der Schwangerschaft besteht darüber hinaus für Frauen mit geringerem Einkommen die Möglichkeit, Hilfen aus der Bundesstiftung Mutter und Kind bei uns zu beantragen", erklärt Bach. Auch dies solle eine werdende Mutter mit kleinem Einkommen immer prüfen lassen.

Georg Fritz vom Förderkreis Obdachlosenhilfe berichtet, dass sich bei der Organisation nur vereinzelt alleinerziehende Frauen in finanziellen Nöten melden. Eine erkennbare Zunahme gebe es nicht. Eine Sonderbehandlung in solchen Fällen sei nicht möglich. "Eine Bedürftigkeit muss gegeben sein und nachgewiesen werden", sagt Fritz mit Blick auf das Angebot von "Unser Lädchen". Dass Nadja Barkowski wegen des fehlenden Einkommensnachweises zunächst weggeschickt wurde, bedauert er allerdings sehr.

"In der Regel melden sich alleinerziehende Elternteile beim Jugendamt nicht wegen allgemeiner finanzieller Schwierigkeiten", stellt Kreissprecher Jan Kieserg klar. Eine Zunahme solcher Fälle habe es in den vergangenen Monaten auch nicht gegeben. Weder dem Amtsleiter, noch dem Fachdienstleiter in der "Wirtschaftlichen Jugendhilfe" sei ein Fall bekannt, in dem es drei Monate oder länger gedauert habe, bis über ein Antrag entschieden worden sei, wenn alle erforderlichen Angaben gemacht und die entsprechenden Unterlagen vorgelegen hätten, teilt Kieserg mit Blick auf die Rückerstattung der Kita-Gebühren von Barkowski mit. Es gebe derzeit keinen Bearbeitungsstau. "Die Fallzahlen haben in diesem Segment in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen", sagt der Sprecher. "Die Kita-Elternbeiträge werden nämlich zum Teil durch Mittel des Landes Hessen gedeckt und zunehmend stellen die Städte und Gemeinden des Landkreises die Eltern auch ganz oder teilweise von den Beiträgen für den Besuch der Kita frei." (Tobias Ketter)

Auch interessant

Kommentare