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Der Arzt Achim Lauer bietet in der Einrichtung in der Rudolf-Schuy-Straße einmal in der Woche eine Sprechstunde an.

Gesundheit

Besondere Sprechstunde: Limburger Arzt hilft Obdachlosen

Eine Sprechstunde für Wohnsitzlose und andere Menschen in prekären Lebenssituationen bietet Achim Lauer an. Dabei kommt der Arzt quasi zu den Betroffenen.

Limburg - Zum ersten Mal seit Jahren sitzt der 53-Jährige wieder einem Arzt gegenüber. An den letzten Besuch kann sich der Obdachlose kaum noch erinnern. Achim Lauer ist der Arzt, der die Sprechstunde anbietet. Der Allgemeinmediziner hatte bis Oktober 2018 eine Praxis in Aarbergen und befindet sich im Ruhestand. In der Rudolf-Schuy-Straße 8 in Limburg bietet er aber nun wieder Sprechstunden an. Das Zimmer dafür befindet sich direkt neben dem Gemeinschaftsraum in der städtischen Einrichtung für Wohnsitzlose.

"Der größte Fehler ist der erhobene Zeigefinger"

"Der größte Fehler ist der erhobene Zeigefinger. Die Leute sind, wie sie sind", sagt der Mediziner. Die Hemmschwelle bei denen, die ohne festen Wohnsitz sind oder auf der Straße leben, medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen, sei hoch. In normalen Sprechstunden seien sie oft nicht gerngesehen, bekämen das auch sofort zu spüren. "Wie wollen ein medizinisches Angebot machen, das angenommen wird", sagt Michael Friedrich vom Walter-Adlhoch-Haus. Die Einrichtung der Caritas ist in die Betreuung der Bewohner des Hauses Rudolf-Schuy-Straße 8 mit eingebunden.

"Das ist ein Quantensprung in der Versorgung und unterstreicht, dass wir uns als Stadt bemühen, unserer Verantwortung gerecht zu werden", sagt der 1. Stadtrat und Sozialdezernent Michael Stanke (CDU). "Wir werden noch eine Liege besorgen und die Grundausstattung für das Sprechzimmer stellen", ergänzt Jessica Magnus, die als Sozialarbeiterin für die Stadt den Wohnsitzlosen zur Seite steht. Es gibt bisher schon eine medizinische Versorgung der Wohnsitzlosen, die über das Malteser Netzwerk aufgebaut wurde. Diese läuft über einen Arzt in Weilburg, der auch weiterhin zur Verfügung steht. Doch mit der Sprechstunde in der Rudolf-Schuy-Straße wird sich die Versorgung deutlich verbessern und kommt näher an die Patienten, davon sind Magnus und Friedrich überzeugt.

Limburger Arzt: Beschwerden oft ähnlich

Offene Stellen am Körper, eitrige Wunden, vielfach aber auch Krankheitsbilder und -erscheinungen, die Folge von jahrelangem übermäßigem Alkoholkonsum sind. Achim Lauer kennt die Beschwerden der Menschen, die einen Großteil ihres Lebens auf der Straße verbringen. Seit 16 Jahren ist er bereits in der Obdachlosenbetreuung in Wiesbaden aktiv. Dort sind viele seiner Patienten nicht mehr in einer Krankenkasse, dies erschwert die Versorgung. In Limburg ist die Quote derer, die noch eine Versichertenkarte haben, deutlich höher. Die anschließende Medikamentenversorgung ist somit gesichert. Die fällige Rezeptgebühr trägt das Walter-Adlhoch-Haus aus einem Gesundheitsfonds.

Die Sprechstunde in der Rudolf-Schuy-Straße 8 ist nicht nur für die Bewohner der Einrichtung gedacht, sondern für alle Personen, die nicht krankenversichert sind oder sich in prekären Lebenssituationen befinden. "Wir wollen aber keine Insellösungen schaffen, sondern wollen ein Netzwerk an medizinischer Versorgung aufbauen", sagt Lauer. Deshalb gibt es auch Gespräche mit dem Landkreis, mit dem Ärztenetzwerk Piano und anderen, die zur medizinischen Versorgung betragen. "Wir brauchen Fachärzte, die bei psychischen Erkrankungen weiterhelfen oder auch dann zur Verfügung stehen, wenn es drogeninduzierte Erkrankungen gibt", sagt Lauer. Natürlich gehören in dieses Netzwerk nach seiner Auffassung auch Apotheken, Krankenhäuser und Sanitätsfachgeschäfte.

"Wer kommt, der kommt", sagt Lauer über seine Sprechstunde. Sein Vorbild ist das "Mainzer Modell", das von dem Mediziner und Sozialpädagogen Dr. Gerhard Trabert initiiert und mit aufgebaut wurde. Das "Mainzer Modell der gesundheitlichen Versorgung von wohnungslosen Menschen" sorgt für ärztliche, pflegerische und sozialarbeiterische Hilfe in medizinischen Sprechstunden in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe und Unterkünften für Geflüchtete. Mit dem "Arztmobil", einer rollenden Ambulanz, werden in Mainz zudem wohnungslose Menschen auf der Straße aufgesucht.

Aufsuchende medizinische Hilfe, das werde auch in Limburg angestrebt, sagt Friedrich. Ein "Arztmobil" wird dazu nicht nötig sein. "Menschen mit besonderen sozialen Benachteiligungen haben eine hohe Hemmschwelle, um medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Oftmals können sie auch keine Sprechstunden mehr aufsuchen.". Die aufsuchende Versorgung sei auf jeden Fall ein wichtiges Ziel.

Besser medizinische Versorgung

Der Einstieg in eine verbesserte medizinische Versorgung soll zunächst einmal mit der Sprechstunde umgesetzt werden. Dabei kann Achim Lauer auf eine bewährte Kraft setzen. Christa Geier steht ihm als Arzthelferin zur Verfügung. Diese Aufgabe hatte sie schon in seiner Praxis in Aarbergen übernommen. Nun setzt sie die Mitarbeit mit dem Mediziner fort.

"In der ersten Sprechstunde hatte ich vier Patientinnen und Patienten. Nach der Vorstellung des Angebots eine Woche zuvor beim gemeinsamen Kaffeetrinken war das ein guter Auftakt", sagt Lauer. Die Sprechstunde des Arztes findet bei Bedarf jeden Dienstag ab 9 Uhr in der Rudolf-Schuy-Straße 8 statt. Eine Anmeldung über das Walter-Adlhoch-Haus unter (0 64 31) 94 82 10 ist notwendig. Wichtig ist Achim Lauer zudem ein runder Tisch mit Krankenhäusern, Rettungsdiensten sowie dem Ärztenetzwerk Piano.

og

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