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Am Limburger Dom mit seinen sieben Türmen gibt es für Turmfalken genug Platz, um zu brüten.

Beste Aussicht auf Dom und Lahn

Vögel brüten am Dom – Turmfalken fühlen sich besonders wohl

Turmfalken lieben Nistplätze in großer Höhe. Am Limburger Dom brüten immer wieder Pärchen in den Fensternischen der Türme. Doch nicht nur die Greifvögel schätzen die Wohnung mit Aussicht.

Limburg – Wenn Bruder Elmar seine Haustiere besuchen will, muss er schwindelfrei sein. Vom Hauptschiff des Limburger Doms geht der Küster durch eine schmale, unscheinbare Tür, an der Empore vorbei und auf uralten, ausgetretenen Steinstufen immer weiter nach oben. Dort, in den höchsten Stockwerken der beeindruckenden Kathedrale, fühlen sich Turmfalken, aber auch Tauben und Fledermäuse wohl.

Während Tauben bei der Wahl ihrer Nistplätze wenig anspruchsvoll sind, bevorzugen die Turmfalken, daher auch ihr Name, hoch gelegene Orte für die Aufzucht ihrer Jungen. "Die kleinen Greifvögel sind selten, aber nicht in ihrem Bestand bedroht", sagt Fritz Kohl, stellvertretender Sprecher der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) im Kreis Limburg-Weilburg.

Limburg: Nistplätze am Dom erhalten

Die Turmfalken brüten auf den sieben Domtürmen in den Fensternischen und auf schmalen Vorsprüngen. Fritz Kohl erklärt: "Falken bauen keine Nester. Sie legen ihre Eier in alte Nester von anderen Vögeln oder notfalls auch auf den nackten Stein." Für den Vogelkundler ist wichtig, dass solche Nistplätze auch bei Sanierungen erhalten bleiben. Schon kleine bauliche Veränderungen können den standorttreuen Tieren manchmal das Nisten unmöglich machen.

Leserin Sonja Will hat kleine Falken in der Fensternische abgelichtet.

Als im Jahr 2012 Teile des Limburger Schlosses in Stand gesetzt wurden, haben der Nabu-Kreisverband, die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises und die Hochbauabteilung der Stadt Limburg gemeinsam geprüft, wie sich tierischer "Wohnraum" erhalten beziehungsweise sogar neu schaffen lässt. Dafür wurden im Dachbereich des Schlosses Spezialnistkästen für Dohlen, Mauersegler und Fledermäuse installiert.

Limburger Dom: Gitter angebracht

In den Domtürmen sind innen vor den Steinfenstern Gitter angebracht. Bruder Elmar erzählt, dass man mal ausprobiert habe, die Gitter zu öffnen, aber dann hätten die Tiere oft nicht mehr herausgefunden. So suchen sich die tierischen Untermieter in den tiefen Fensternischen ein passendes Plätzchen - Ausblick aus über 60 Metern Höhe über das gesamte Lahntal inklusive.

Auch diese kleinen Tauben wohnten in den Fensternischen des Limburger Doms. Mittlerweile sind sie ausgeflogen.

"In der Brutsaison hört man die Jungtiere im gesamten Dachstuhl nach Futter schreien", erzählt Bruder Elmar. Nicht umsonst trägt der Turmfalke den wissenschaftlichen Namen "Tinnunculus" - das bedeutet "schellend, klingend" und hängt mit den charakteristischen Rufen der Vögel zusammen.

Auch als "Rüttelfalken" sind die etwa 35 Zentimeter großen Jäger bekannt. Kohl: "Die Vögel rütteln mit schnellem Schlag mit den Flügeln und bleiben so förmlich in der Luft stehen, bis sie eine Maus entdeckt haben. Dann geht es im Sturzflug zu Boden."

Eine Nilgans mit ihren Küken vor der Pforte der Barmherzigkeit des Doms.

An einen ganz besonderen Gast erinnert sich Bruder Elmar, der seit knapp fünf Jahren in Limburg ist, noch gut: Eine Nilgans hatte in einem Becken am Ende einer Dachrinne ihr luftiges Nest gebaut. Als die Jungen zum ersten Mal das Nest verließen, fielen sie an die 40 Meter in die Tiefe - und dem Domküster stockte kurz der Atem.

Doch Mama Gans und ihre Kinder waren wohlauf. "Sie spazierten dann vor der Pforte der Barmherzigkeit herum. Da geht einem dann schon das Herz auf", sagt der 59-Jährige und lächelt.

Von Eva Jung 

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