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Museumsdirektor Professor Dr. Matthias Kloft mit dem ältesten Ausstellungsstück: dem Birett des ersten Limburger Bischofs Jakob Brand.

Bistum Limburg

Das Museum in der ehemaligen Bischofswohnung wird eröffnet

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Fast sieben Jahre lang war die ehemalige Bischofswohnung für die Öffentlichkeit ein großes Geheimnis. Am Mittwoch öffnet das Bistum einen Teil der umgestalteten Räume für die Besucher des benachbarten Diözesanmuseums.

Limburg - „Kirche und Geld“: Diesem Thema sollte vor einem Jahr eine Sonderausstellung im neuen Teil des Diözesanmuseums gewidmet werden. Doch dann kam heraus, dass es die Kirche auch bei der Umgestaltung der ehemaligen Bischofswohnung nicht so genau mit dem Geld genommen hatte. Genauer gesagt, der kurz danach gefeuerte und im Herbst mit einem Vergleich ausgeschiedene Diözesanbaumeister. Er hatte Aufträge für 485 000 Euro vergeben, obwohl die Bistumsleitung lediglich 50 000 Euro ausgeben wollte.

Abgehakt. Am Mittwoch macht das Bistum nun auch den vorletzten Bereich des 31 Millionen Euro teuren Bischofshauses für die Öffentlichkeit zugänglich: Die im Erdgeschoss gelegenen Museumsräume im früheren Wohn-/Esszimmer und im Büro sowie die Kapelle. Nur die Gemächer im Untergeschoss bleiben versperrt; darunter das Bad mit der weltberühmten frei stehenden Wanne von Philippe Starck. Sie dienen als Depot des Museums.

Die ursprüngliche Privatkapelle des Bischofs mit den wunderschönen Glasfenstern von Johannes Schreiter steht den Besuchern des Museums künftig offen.

Der Charakter der Wohnung ist nicht verändert worden – die Einrichtung fehlt halt. . . Geld verschlangen ein Glasdach über der Terrasse und innen die Arbeiten, um die mit der neuen Nutzung verbundenen Auflagen für die Sicherheit, den Brandschutz und die Versicherungen zu erfüllen. Die im Sommer auf 225 000 Euro gedeckelten Kosten für die Umgestaltung seien nicht überschritten worden, sagt Diözesanbaumeister Stefan Muth.

Lesen Sie auch: Limburg: Ehemalige Bischofswohnung wird zum Museum

Museumsdirektor Professor Dr. Matthias Kloft gewährte Journalisten gestern Nachmittag einen ersten Einblick in die noch unvollständige Ausstellung. 130 Objekte erzählen die fast 200-jährige Geschichte des Bistums. Sie stehen im riesigen Bücherregal des Arbeitszimmers. Die Erklärungen kommen per Touchscreen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist eine neue Wand installiert worden. Auf kräftigem Violett, der Bischofsfarbe, werden Portraits der 13 Bischöfe gezeigt.

Diese Badewanne machte das Bistum weltberühmt: Der Raum wird allerdings abgeschlossen sein. Professor Kloft zeigte dort Gewänder aus dem Depot.

Im Wohn-/Esszimmer sind Skulpturen untergebracht; zunächst auch eine neapolitanische Krippe aus dem 18. Jahrhundert. Dort sollen künftig Sonderausstellungen zu sehen sein. Die Küche dazwischen ist der Empfang.

Wertvolles und Kurioses

Unter den Exponaten im Regal sind wertvolle Raritäten und kuriose Stücke: Darunter Brustkreuze verschiedener Bischöfe und Bußgeißel, mit denen sich Nonnen im 20. Jahrhundert im Kloster Johannisberg kasteiten. Die Gegenstände sind von oben links nach unten rechts chronologisch geordnet. Das älteste Objekt ist das Birett des ersten Limburger Bischofs, das Jakob Brand 1827 getragen hat. Die neuesten zwei Weingläser von der Bischofsweihe von Dr. Georg Bätzing am 18. September 2016.

Gleichzeitig mit dem neuen Teil in der früheren Wohnung eröffnet Bischof Dr. Georg Bätzing im Diözesanmuseum nächste Woche eine neue Ausstellung. Mit dem Motto „Katharina Kasper und die Armut im Westerwald“ kann das Bistum diesmal nichts falsch machen.

Die Luxus-Wohnung 

Zum neuen Bischofshaus gehörte auch die von Anfang an heftig umstrittene Bischofswohnung inklusive Privatkapelle. Der damalige Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hatte die Räume zum Jahreswechsel 2012/13 bezogen und am 8. September 2014 verlassen. Er hatte stets angegeben, nur eine 120 Quadratmeter große Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung auf einer Etage zu haben. Erst durch den Prüfbericht der nach dem Finanzskandal eingesetzten Kommission kam heraus, dass sich die mit aufwendiger Technik und edlen Materialien ausgestattete Luxus-Wohnung auf zwei Stockwerke erstreckte. Im ersten – jetzt vom Museum genutzten – befanden sich ein kombiniertes Wohn-/Esszimmer mit verglastem Kamin, eine Küche, ein Gäste-WC und ein großes Arbeitszimmer mit Durchgang zur Privatkapelle. Im zunächst geheimen Untergeschoss das Bad mit der weltberühmten frei stehenden Wanne, ein Schlafzimmer, ein weiteres Zimmer, ein Archivraum und ein Raum für eine Sauna. Alles in allem 283 Quadratmeter – und daneben ein Weinkeller und ein Koi-Becken. Die Kosten bezifferte das Bistum zunächst auf 300 000 Euro – tatsächlich waren es sechs Millionen.

von Joachim Heidersdorf

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