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Mario Bauer, Gemeindebrandinspektor in Hünfelden

Trockenheit

Nach dem Großeinsatz: Extreme Belastung für die Feuerwehr

Ein Großeinsatz wie der Brand am Mittwochabend zwischen Mensfelden und Linter fordert ganzen Einsatz. Eine extreme Belastung und viel Engagement von freiwilligen Helfern, die am nächsten Tag wieder wie gewohnt zur Arbeit gehen.

Hünfelden/Limburg - Der langen, heißen Nacht folgt der Arbeitstag, und die Feuerwehrleute haben über das Google-Kartenmaterial noch einmal nachgemessen: Über 13 Hektar standen gestern Abend beim Flächenbrand in der Nähe des Mensfelder Kopfs in Flammen (wir berichteten). Ein mehr als 15 Fußballfelder großes Gebiet zwischen Mensfelden und Linter rund um den Hof Talwiese. Ein Ausbreiten des Feuers auf das Naturschutzgebiet Mensfelder Kopf konnten die Wehren verhindern, die mit 89 Feuerwehrleuten und 25 Einsatzfahrzeugen gegen den Brand ankämpften. Bis gegen 22.30 Uhr waren sie im Einsatz, dem Löschen folgte die Brandwache. Auch für den Hünfeldener Gemeindebrandinspektor Mario Bauer war gegen 22.30 Uhr Feierabend. Die Presse informieren, Brandberichte schreiben - das alles gehört mit zur Feuerwehrarbeit.

Selbst und ständig

Der 39-Jährige ist selbstständig. Donnerstags ist er ohnehin im Hünfeldener Rathaus tätig - für die Feuerwehr. Also begann er dort gestern um 7.30 Uhr, setzte drei Stunden später die Arbeit im eigenen Unternehmen fort. Die IT-Firma StarCom-Bauer beschäftigt 38 Mitarbeiter. Zwei davon sind Feuerwehrleute, der Firmenchef selbst und ein Mitarbeiter aus Hahnstätten, der auch gerade häufig zu Flächenbränden gerufen wird. Das ist natürlich eine Belastung für ein Unternehmen. Selbst wenn die durch einen Einsatz ausfallende Arbeitszeit staatlich entlohnt wird: Kundengespräche, vereinbarte Termine können in einem solchen Notfall nicht immer gehalten werden. Ein Auftrag könnte flöten gehen. Trotzdem ist Bauer das Engagement für die Feuerwehr sehr wichtig.

Er hatte sich bei der Anmeldung seines Betriebes vor Jahren dafür entschieden, Katastrophenschutz statt Bundeswehrdienst zu leisten. Später hätte er mit diesem Einsatz für die Allgemeinheit aufhören können, doch Mario Bauer wählte einen anderen Weg: Er hat das Ganze sogar noch intensiviert. Sieben Jahre war er stellvertretender Wehrführer in Heringen, jetzt Gemeindebrandinspektor. "Für die Kollegen ihn Hahnstätten ist es gerade extrem", beobachtet er. Im benachbarten Aargebiet brennt es zurzeit sehr häufig. 

Stephan Meurer, Wehrführer in Limburg Foto: Stefan Dickmann

"In der Mehrzahl der Fälle konnte die Ursache durch laufende Arbeiten auf dem Feld festgestellt werden", meldete die Diezer Polizei. Maschinendefekte, Überbeanspruchung von landwirtschaftlichen Maschinen können Ursachen sein. In einigen Fällen lassen sich die Gründe, neben der bekannten extremen Trockenheit, nicht sofort und endgültig klären.

Fast schon Alltag

Für den Limburger Wehrführer Stephan Meurer sind häufige Einsätze nichts Ungewöhnliches. "Das soll jetzt nicht großspurig klingen, aber das ist für die Limburger Feuerwehr fast schon Alltag", sagt der 41-Jährige. Er spricht von 250 bis 300 Einsätzen im Jahr. Aber es gibt natürlich Unterschiede, so wie im Moment die extreme Hitze und die Trockenheit hinzukommen, bei der sich Feuer schneller ausbreiten kann. Stephan Meurer ist Hausmeister in Limburg. Für einen Arbeitgeber im öffentlichen Dienst lässt sich ein Feuerwehreinsatz oft besser organisieren. Natürlich bleibt Arbeit liegen, die aufgeholt werden muss. "Aber es ist etwas anderes, ob ich hier etwas nachhole oder jemand muss in den Einsatz, und eine Maschine steht dadurch still, die im Betrieb gerade dringend gebraucht wird", weiß Meurer.

Für ihn war die Feuerwehr von Anfang an Ehrensache: "Mein Urgroßvater war schon dabei, mein Opa, mein Vater. Ich bin mit zehn Jahren in die Jugendfeuerwehr und habe später in die Einsatzabteilung gewechselt." Noch als Zugführer übte er Leitungsfunktionen in der Jugendfeuerwehr aus, jetzt ist er selbst Wehrführer, und das mit vollem Einsatz.

Teamarbeit

"Ohne die Unterstützung des Arbeitgebers ginge das nicht. Dann könnte ich das nicht machen", sagt Stephan Meurer. Das geht vielen so, die tagtäglich ihren Einsatz leisten. Wie am Mittwochabend zwischen Mensfelden und Linter: 89 Feuerwehrleute, 25 Einsatzfahrzeuge, Kräfte aus Mensfelden, Nauheim, Heringen, Kirberg, Dauborn, Hahnstätten, die Drohnenstaffel Limburg-Weilburg, die Gemeindebrandinspektoren aus Hünfelden und Hahnstätten und die Polizei.

Ohne die Unterstützung des Arbeitgebers ginge das nicht. Dann könnte ich das nicht machen.

von Petra Hackert

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