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Wohnungsbedarf bis 2040 in Limburg-Weilburg.

Wohnungsnot

Schock: So viele Wohnungen fehlen in Limburg-Weilburg bis zum Jahr 2040

Nach einer Prognose des Statistischen Landesamtes fehlen im Landkreis Limburg-Weilburg etliche Wohnungen.

Limburg - In nahezu allen Städten und Gemeinden des Landkreises Limburg-Weilburg übersteigt die Nachfrage nach freien Wohnungen, Häusern und Bauplätzen derzeit das Angebot. Wie Monica Ludwig von Ludwig Immobilien aus Bad Camberg sagte, sei dieser enorme Bedarf hauptsächlich dafür verantwortlich, dass die Preise so stark gestiegen sind. "Es fehlen vor allem bezahlbare Baugrundstücke für junge Familien", sagt sie. Andreas Baum von Remax-Immobilien hat momentan auch jede Menge zu tun, denn besonders für Häuser und Wohnungen in Limburg, Hadamar, Bad Camberg und Elz erhält er viele Anfragen. 

Wohnungsbedarf bis 2040 in Limburg-Weilburg.

"Die Menschen suchen vor allem Wohnraum in Gebieten, die eine starke Infrastruktur haben. Dies ist in den größeren Ortschaften des Landkreises meist der Fall", erklärt er. Besonders gefragt seien Zwei-Zimmer-Wohnungen. "Aufgrund der hohen Nachfrage ist momentan jede Immobilie verkauf- und vermietbar. Nur der Preis muss dafür stimmen. Das ist nicht immer der Fall", sagt Baum. Besonders Eigentümer in ländlichen Regionen hätten manchmal eine überzogene Preisvorstellung.

Limburg-Weilburg: Mietpreise besonders hoch

Laut Mietspiegel, der einen Überblick von finanziellen Angemessenheitsgrenzen für Kaltmieten im Kreis Limburg-Weilburg gibt, sind die Mietpreise in Limburg, Elz und Bad Camberg besonders hoch. Die Angemessenheitsgrenze für eine 50-Quadratmeter-Wohnung in Limburg und Elz liegt bei 353,14 Euro. In Bad Camberg wurde sie sogar auf 392,62 festgelegt. Deutlich geringere Zahlen lassen sich für die Gemeinden Brechen, Hünfelden, Runkel, Selters und Villmar finden. In den fünf Kommunen beträgt die Grenze 338,92 Euro. In Beselich, Dornburg, Elbtal, Hadamar und Waldbrunn sogar nur bei 331,91 Euro. In Weilburg und Umgebung scheinen die Preise durchschnittlich am günstigsten zu sein. Eine 50-Quadratmeter-Wohnung soll dort nicht über 312,88 Euro kosten.

Viele Städte und Kommunen aus der Umgebung haben sich zu der aktuellen Wohnsituation geäußert. In einigen Gemeinden sind die Verhältnisse nahezu identisch, doch es gibt auch Ausnahmen. Hier ein Überblick:

Beselich:"In der Gemeinde herrscht eine große Nachfrage nach Wohneigentum und nach Mietwohnungen", sagt Andreas Ott vom Bauamt der Gemeinde. Das Interesse an Häusern übersteige die Wohnungsnachfrage.

Brechen:In Nieder- und Oberbrechen sowie in Werschau sei die Nachfrage insgesamt höher als das Angebot. "Ausgeschriebene Wohnungen sind meist schnell wieder belegt", sagt Gerhard Stillger vom Bürgerbüro. Er begründet das hohe Interesse mit der guten Lage und der Bahnanbindung.

Diez:In der Verbandsgemeinde suche man in städtischen Gebieten meist Mietwohnungen. Die Nachfrage nach Häusern sei auf dem Land höher. In der gesamten Region gebe es noch Miet- und Kaufangebote, die auf einem kommunalen Immobilienportal zu finden sind, berichtet Sabine Ksoll von der Verbandsgemeindeverwaltung.

Dornburg:Die Bauplatznachfrage sei besonders hoch, jedoch gebe es kaum Anfragen für bereits errichtete Immobilien. "Auf der gemeindeeigenen Homepage werden freie Baugrundstücke aufgezeigt - jedoch immer mit Einverständnis der Eigentümer" erklärt Hauptamtsleiter Holger Kirch.

Elz:"Das Interesse für Häuser, Baugrundstücke und Wohnungen ist in der Kerngemeinde Elz hoch. Die unmittelbare Nähe zur Kreisstadt Limburg, die Nähe zu Hauptverkehrswegen wie der A 3 und der B 49 sowie die Nähe zum Fernbahnhof Limburg Süd machen den Standort Elz sehr attraktiv, insbesondere für Pendler", sagt Thomas Schneider vom Amt für Finanzen. Besonders junge Familien seien auf der Suche nach Wohnraum. "Für Mischgebiets- und Wohnbauflächen werden in Elz zwischen 110 Euro und 175 Euro gezahlt."

Hadamar:180 Euro pro Quadratmeter müssen beim Kauf von Bauplätzen in den Neubaugebieten "Galgenberg" und "Am Bruchborn" gezahlt werden. Zwar gäbe es aktuell noch 13 offene Grundstücke, jedoch seien bereits für alle Bewerber vorhanden. Auch die Nachfrage nach Mietobjekten übersteige das Angebot.

Hahnstätten:"Die Nachfrage nach Miet- und Kaufobjekten in der Verbandsgemeinde Hahnstätten ist sehr hoch", sagt Thomas Biebricher von der Verbandsgemeindeverwaltung. Besonders Ein- und Zweifamilienhäuser seien begehrt. Biebricher begründet das große Interesse mit den steigenden Preisen in den Städten. Eine Grundstücks- und Gebäudebörse auf der gemeindeeigenen Homepage helfe dabei, eine Wohnung zu finden.

Limburg: 300 Mieter auf Wohnungssuche

Etwa 300 Personen seien aktuell auf Wohnungssuche, berichtet die Pressestelle der Kreisstadt. Die Nachfrage übersteige das Angebot deutlich. Es gebe momentan wenige Investoren für neuen sozialen Wohnungsbau, allerdings fördere die Stadt ein Wohnungsbauprojekt im Stadtteil Blumenrod.

Mengerskirchen:Ein- bis Zwei-Familienhäuser seien in der Gemeinde besonders gefragt. Laut Hauptamtsleiter Manfred Horz habe man in den vergangenen zehn Jahren jährlich etwa 30 Immobilien verkauft. "2019 ist mit bereits 20 Veräußerungen, bis zum 30. April, eine deutliche Steigerung zu verzeichnen" sagt er.

Merenberg:"Die Nachfrage in der Gemeinde steigt, deshalb planen wir momentan ein neues Baugebiet mit bis zu 60 Plätzen in Merenberg" sagt Bürgermeister Oliver Jung. Der Quadratmeterpreis für Grundstücke liege in Merenberg zwischen 110 und 120 Euro. Im Ortsteil Reichenborn könne man Grundstücke für 90 Euro pro Quadratmeter erwerben. Auch das Interesse an Mietwohnungen sei hoch, so dass leerstehende Gebäude nahezu unmittelbar wieder besetzt würden.

Selters:"Bei uns im Rathaus gehen des Öfteren Anfragen von Wohnungssuchenden ein", berichtet Ordnungsamtleiter Nils Hartmann. Bürger können auf der Homepage der Gemeinde eine Immobilienbörse finden. "Mit dieser Börse möchten wir Wohnungssuchende bei ihrer Suche unterstützen", sagt Hartmann. Generell sei eine steigende Nachfrage zu erkennen.

Villmar:Die stellvertretende Bauamtsleiterin Ute Schwarz berichtet, dass auch in ihrer Gemeinde Miet- und Kaufobjekte sowie Bauplätze sehr begehrt seien. 95 Euro pro Quadratmeter betrage der Grundstückspreis in den Neubaugebieten in Aumenau und Weyer. Das Ortskernförderprogramm "Unserem Dorf mehr Leben geben" kümmere sich um die Sanierung alter Gebäude.

Limburg-Weilburg: Viele Mieter treffen auf wenig Wohnungen

Auch aufgrund der hohen Nachfrage wird es in den kommenden beiden Jahren einen Bevölkerungsanstieg im Landkreis Limburg-Weilburg geben. Das "Institut Wohnen und Umwelt" hat eine Prognose für die Bevölkerungsentwicklung im Kreis veröffentlicht. Laut dieser Prognose werden nur die Einwohnerzahlen in Weilburg bis zum Jahr 2020 zurückgehen. 

In allen anderen Kommunen ist mit einem Wachstum oder einer Stagnation zu rechnen, so dass auch immer mehr Wohnungen und Häuser benötigt werden. Laut dem Institut wird sich die Situation allerdings bis zum Jahr 2030 wieder etwas entspannen. Ein Rückgang der Bevölkerung wird, unter Berücksichtigung aller wahrscheinlichen Zukunftsfaktoren, vorausgesagt, so dass zwischen 2030 und 2040 nur noch für Limburg, Hadamar und Bad Camberg (siehe obenstehende Grafik) eine überhöhte Nachfrage prognostiziert wird.

Von Tobias Ketter

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