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Das ist Strecke des Lkw-Angriffs in Limburg: Die Diezer Straße ist eine der meist befahrenen Straßen in Limburg. Hier quälen sich im Stoßverkehr jeden Tag Hunderte Lkw ihren Weg in die Limburger Innenstadt, um auf die Autobahn zu gelangen. Der mutmaßliche Amokfahrer aus Syrien bog links ab, um stadtauswärts zu fahren. In Höhe des Landgerichts verursachte er den folgenschweren Unfall.

Protokoll des Montagabends

Chronologie der Horrorfahrt: Das passierte in Limburg in den Minuten des Lkw-Angriffs 

17.18 Uhr in Limburg. Eigentlich ein gewöhnlicher Montagabend. Dann kapert ein 32-Jähriger einen Lkw und fährt in mehrere Autos. Protokoll eines Abends, der eine Stadt erschütterte. 

Limburg - Wer ist der mutmaßliche Amokfahrer von Limburg an der Lahn? Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt handelt es sich um einen 32-jährigen Syrer, der „dringend verdächtig“ ist. Er ist am Dienstag (08.10.2019) dem Ermittlungsrichter vorgeführt worden. 

Noch am Montag (07.10.2019) sollen zwei Wohnungen im Landkreis Offenbach und im Landkreis Limburg-Weilburg durchsucht worden sein. Dabei soll es sich nach Informationen dieser Zeitung um eine Wohnung in Mensfelden in Mittelhessen handeln, in der der mutmaßliche Amokfahrer bei einem Verwandten übernachtet haben soll. Der Täter selbst hat seinen Wohnsitz in Langen im Landkreis Offenbach. 

Limburg an der Lahn: Was den zeitlichen Ablauf des Lkw-Angriffs bekannt ist

17.18 Uhr: Der verdächtige Syrer zieht auf der Diezer Straße in Limburg den Fahrer eines weißen Lkw gewaltsam aus der Fahrerkabine. Diese Zeitung spricht circa eine Stunde nach dem Unfall mit dem Lkw-Fahrer. Er steht fassungslos vor der Unfallstelle direkt vor dem Limburger Landgericht. Der Mann, der inzwischen als 32-jähriger Syrer identifiziert ist, habe seine Fahrertür aufgerissen und ihn angestarrt. Auf seine mehrfache Frage, was das soll, habe er nicht reagiert, ihn stattdessen vom Fahrersitz gezerrt, und sei losgefahren. Er selbst sei seinem Lkw hinterhergerannt.

17.19 Uhr: Bei der Polizei geht der erste Notruf ein. 

Lkw-Angriff in Mittelhessen: Horrorfahrt endet vor Landgericht Limburg

17.20 Uhr: Der mutmaßliche Amokfahrer ist inzwischen links abgebogen und fährt nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft ungebremst auf vor ihm stehende Fahrzeuge auf. Betroffen sind sieben Pkw und ein Kleintransporter. Die mutmaßliche Amokfahrt endet vor dem Landgericht in Limburg. Acht Insassen in den Autos und der Tatverdächtige selbst werden leicht verletzt. Es gibt aus Sicherheitskreisen aber auch die Theorie, dass sich im gestohlenen Lkw ein elektronisches Bremssystem automatisch aktiviert haben könnte, weil die Sensoren auf die direkt vor dem Lkw langsam herfahrenden Autos reagierten und der mutmaßliche Amokfahrer so die Kontrolle verlor. 

17.21 Uhr: Chaos auf der Schiede nach dem Unfall, einer insgesamt vierstreifigen Bundesstraße bei Limburg an der Lahn. Die beiden Fahrstreifen stadtauswärts sind komplett blockiert durch den Lkw, der quer zur Fahrbahn steht, und den vom Lkw mitgeschleiften, demolierten und teils zerquetschten Autos. Einige steigen aus den Unfallautos aus, manche sind leicht verletzt, andere schwerer. Passanten und Anwohner leisten Erste Hilfe. Darunter ist auch eine Gruppe von Joggern, die bei der Bundespolizei im benachbarten Diez (Hessen) ausgebildet werden. Sie bemerken den Syrer, der sich seltsam verhält. Er soll auf eine Frau in der Jogginggruppe aggressiv reagiert haben, etwas Arabisches gemurmelt und „Allah“ gesagt haben. 

Terroranschlag in Mittelhessen? Erste Spekulationen schon kurz nach Lkw-Angriff in Limburg

17.26 Uhr: Der erste Rettungswagen erscheint. Kurz darauf kommen Feuerwehr und Polizei. Die Gegenfahrbahn stadteinwärts wird komplett gesperrt.

18 Uhr: Die ersten Journalisten tauchen an der Unfallstelle auf, darunter ein Vertreter dieser Zeitung. Zu diesem Zeitpunkt gehen die Journalisten noch von einem reinen Verkehrsunfall aus. 

18.10 Uhr: Am Unfallort macht sich das Gerücht breit, es könne sich um einen Terroranschlag handeln. Der mutmaßliche Täter sei in Polizeigewahrsam. Er liegt in einem Krankenwagen, der drei Meter neben dem Lkw steht. Zwei Polizisten bewachen den Verdächtigen, ein Notarzt kümmert sich um ihn. 

18.30 Uhr: Inzwischen ist die Unfallstelle in Limburg komplett abgesperrt. 

Zwei Stunden nach Lkw-Angriff in Limburg an der Lahn: Erste Stellungnahmen für die Presse

18.58 Uhr: Der Krankenwagen mit dem Syrer fährt los. Mit Blaulicht und Martinshorn. Im Schlepptau ein Polizeiauto mit Blaulicht. Sie fahren über die Lichfieldbrücke zur Polizeistation Limburg. 

19.30 Uhr: Die meisten unverletzten Unfallbeteiligten sind von Freunden und Bekannten abgeholt worden. Der Sprecher der Limburger Feuerwehr, Holger Goebel, und der Polizei, Markus Hoffmann, geben für die Presse aus Hessen eine kurze Stellungnahme ab. Sie reden von einem Verkehrsunfall, nennen die Zahl der Verletzten und die Anzahl der Rettungskräfte. Sie warten auf die Spurensicherung. 

Wegen Terrorverdacht: Generalstaatsanwaltschaft nimmt sich des Lkw-Angriffs in Limburg an

22 Uhr: Der Sprecher des Landeskriminalamts Hessen, Markus Sabais, gibt am Unfallort eine Stellungnahme ab. Er sagt nur, dass der Lkw gestohlen worden sei; wann und wo will er noch nicht sagen. Die Feuerwehr in Limburg an der Lahn beleuchtet den Unfallort, die Spurensicherung schaut sich den Lkw genau an. 

23 Uhr: Eigentlich soll es vor Ort noch eine Stellungnahme für die Medienvertreter geben. Doch die fällt aus. Der Sprecher der Polizei teilt im Weggehen mit, morgen solle man sich direkt an die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt wenden. Die ist auch für terroristische Anschläge zuständig.

von Stefan Dickmann

Zwei Tage nach dem Lkw-Angriff in Limburg ist das Motiv des Tatverdächtigen unklar. Der 32-Jährige aus Syrien schweigt bisher. Auch sonst sind viele Fragen offen. Der Terrorverdacht hat sich bisher nicht bestätigt. Alle aktuellen Entwicklungen beleuchtet unser News-Ticker. Ganz Hessen fragt sich, wer der der Festgenommene ist, dessen Vorname  Omar lautet. Jetzt äußert sich sein Cousin. Das sonst beschauliche Limburg an der Lahn und ganz Mittelhessen stehen nach den Geschehnissen des Montagabends derweil unter Schock. Die Anwohner gehen ganz unterschiedlichen mit der Krisensituation um. Dass ein Mann einen Lastwagen als Waffe benutzt. Nicht zum ersten Mal werden Fahrzeuge für Angriffe auf Menschen eingesetzt. Die Lkw-Amokfahrt und der Mord an einer Frau auf offener Straße haben in Limburg eine Debatte um die Sicherheitslage der Stadt ausgelöst. Im Interview wehren sich die Verantwortlichen im Rathaus gegen den Vorwurf, Limburg sei unsicher. 

In Hünfelden (Limburg-Weilburg) rückte das SEK aus*, weil ein Mann mit Suizid drohte. Auf einer Landstraße zwischen Groß-Gerau und Nauheim ist es indes zu einem schweren Unfall gekommen. Der Fahrer war nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis und stand unter Alkoholeinfluss. 

In Limburg hat ein 25-Jähriger in der Kreisverwaltung randaliert und Mitarbeiter angegriffen.* Die Polizei musste eingreifen.

In Limburg in Hessen wird eine Frau von ihrem Mann brutal mit einer Axt getötet. Nun erheben Freunde der Getöteten schwere Vorwürfe gegen das Frauenhaus.

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