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Sie protestieren für Arbeitnehmerrechte.

Auf Missstände aufmerksam machen

Das war die 1. Mai-Kundgebung in Limburg

300 Vertreter von Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbänden haben gestern bei einem Demonstrationszug durch Limburg auf Einladung des Deutschen Gewerkschaftsbundes für die Arbeitnehmerrechte protestiert und auf Missstände aufmerksam gemacht - besonders im Gesundheitswesen.

Limburg - "Der 1.Mai ist nicht einfach ein Feiertag", meinte DGB-Kreisvorsitzende Viktoria Spiegelberg-Kamens. Den Kampf für bessere Bezahlung und gegen Ausbeutung hätten früher viele Menschen mit dem Leben bezahlt. Spiegelberg-Kamens freute sich, dass es gelungen sei, die einzige gewerkschaftlich organisierte Veranstaltung in der Region am Maifeiertag zu erhalten. Sie haben den Eindruck, dass das Interesse in Limburg wieder steige, betonte die DGB-Kreisvorsitzende.

Es gehe, so die Limburgerin, nicht nur um die Arbeitsbedingungen deutscher Arbeitskräfte. Spiegelberg-Kamens sagte, auch viele ausländische Arbeitnehmer würden bei deutschen Unternehmen ausgebeutet. Sie dankte den anwesenden Politikern dafür, dass sie sich für die Forderungen der Gewerkschaften stark machten, unter anderem dafür, dass Mindestlohn eingeführt worden und eine Pflegeauszeit möglich geworden sei, ohne seine Stelle zu gefährden. Sie würde sich auch freuen, wenn der Wohnungsnotstand bald beseitigt sei und alle Eltern eine ausreichende Kinderbetreuung vorfänden.

Anja Golder, ver.di-Gewerkschaftssekretärin für Gesundheit und Soziales, betonte als Hauptrednerin, dass in allen Krankenhäusern mittlerweile aufgrund von Personalmangel gravierende Fehler passierten. Darunter litten Patienten und Mitarbeiter. Ein Problem sei, dass mittlerweile 30 Prozent der Krankenhäuser privat geführt würden und es folglich in erster Linie nur noch um wirtschaftliche Interessen gehe. Im ländlichen Bereich müssten zudem viele Geburtsstationen schließen, da eine mehrstündige Geburt für ein Krankenhaus nicht kostendeckend sei, so Golder. Das sei auch der Grund, warum es mittlerweile so viele Kaiserschnitte gebe.

So macht Arbeit krank

Golder ärgert sich, dass privaten Krankenhausbetreibern Investitionen in die Struktur wichtiger als die Bezahlung des Personals seien. Die ver.di-Vertreterin kritisierte, dass sich in Deutschland eine Krankenschwester um zehn Patienten kümmern müsse. In anderen, wirtschaftlich schwächeren Ländern Europas sei der Schlüssel deutlich besser, merkte sie an. So liege er in Norwegen bei 1:1,3. Die Arbeitsbelastung der deutschen Pflegekräfte führe dazu, dass sich viele krank meldeten, sagte sie. So müssten Fachfremde auf den Stationen aushelfen, würden neue Mitarbeiter nicht richtig angeleitet.

Sie stellen Europa in den Mittelpunkt.

Golder sprach die große Ausbeutung der Krankenpfleger in Deutschland an. Wer eigentlich einen freien Tag habe, werde gefragt, ob er mangels Personal nicht doch einspringen könne. Folglich hätten die Mitarbeiter gar keine Zeit mehr, sich um ihr eigenes Wohlergehen zu kümmern. Pflegerinnen würden die Stundenzahl reduzieren, würden dann aber doch einfach so eingesetzt, als ob sie eine volle Stelle hätten. "Wenn jemand Mutter und Krankenpflegerin ist, weiß sie heute am Beginn des Arbeitstages nicht, ob sie am Nachmittag auch pünktlich die Kinder aus der Kindertagestätte abholen könne."

Was die ver.di-Vertreterin unakzeptabel findet, ist dass aufgrund des Pflegenotstands neue Mitarbeiter mit Zuschlägen von 300 Euro im Monat gelockt würden. Denn es sei extrem ungerecht, wenn andere, die in derselben Abteilung bereits 15 Jahre gute Arbeit leisteten, weniger bekämen. Aufgrund all dieser Probleme sei die Verweildauer von Fachkräften in der Altenpflege mittlerweile nur noch 8,4 und in der Krankenpflege 7,5 Jahre.

Zu wenig Wertschätzung

Golder sieht in der heutigen Zeit insgesamt zu wenig Wertschätzung der Arbeitgeber gegenüber dem Personals. Das stellt sie auch am Limburger St.-Vincenz-Krankenhaus fest. Weil zusätzliche Umkleiden nur Platz kosteten, müsste die Mitarbeiter sich hier trotz Ausbaus weiter in einer zentralen Umkleide umziehen und dann in der Kälte dorthin über den Hof laufen.

Bürgermeister Dr. Marius Hahn sagte, es sei 100 Jahre her, dass in Limburg dass erste demokratisch legitimierte Parlament gewählt worden sei. Europa habe uns Frieden und Freiheit gebracht. Es sei wichtig, in einer Gesellschaft leben zu dürfen, in der ein politisches Mandat nicht von Geschlecht, Herkunft oder Religion abhänge, in dem man Regierende kritisieren und Einspruch gegen Verwaltungsentscheidungen vor unabhängigen Gerichten einlegen könne. "Es ist nötig, die Jugend weiter darauf hinzuweisen, wie wertvoll 74 Jahre Frieden in Europa sind", betonte Hahn. Der Bürgermeister warnte davor, bei der Europawahl am 26. Mai leichtferig Feinde der Demokratie zu wählen. Zu was das führen könne, habe man auch in Limburg 1933 gesehen.

von Robin Klöppel

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