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Bei den Ragazzi der Tanzschule Josat-Dörr ging es beim Hessischen Rundfunk hinter den Kulissen hoch her. Da hatte selbst Schlagerstar Jürgen Drews (Mitte) seinen Spaß.

Mehr als nur Tango und Cha Cha

Limburger Tanzschulen bieten zum Welttanztag ein besonders Angebot

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Das angestaubte Image vergangener Jahre haben Tanzschulen längst hinter sich gelassen. Viele Angebote ergänzen inzwischen die klassischen Paartanz-Kurse. Das ist auch in Limburg bei den Tanzschulen Josat-Dörr und Schöffl so, die beide dem Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) angehören. Heute zum Welttanztag gibt es in einer der beiden ein besonderes Angebot.

Limburg - Die Älteren unter uns werden es wohl noch wissen. Der Besuch einer Tanzschule gehörte einfach dazu, doch Spaß und Unterhaltung waren dort bisweilen eher zweitrangig. Im Vordergrund standen die Tanzschritte, ganz früher erklangen gern auch mal die Tanzplatten von Bela Sanders und seinem Orchester, der selbst Beatles-Lieder tanzstundentauglich arrangierte und für den Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) jährlich "Tanzplatten des Jahres" produzierte. Darauf konnte man zwar ordentlich tanzen, aber angesagte Musik klang anders. Ein bisschen Benimmkurs gehörte seinerzeit auch noch zu den wöchentlichen Treffen, und wenn der Tanzherr Pech hatte, musste er sein Gegenüber nach dem letzten Tanz sogar noch Hause bringen.

Breiter aufgestellt

Das ist lange her und längst Vergangenheit. Denn auch Tanzschulen mussten mit der Zeit gehen und sich dem veränderten Freizeitverhalten nicht nur der jungen Leute anpassen. Wie auch die beiden Limburger Tanzschulen, deren Chefs - Ralf Josat (58) und Markus Schöffl (56) - beide Routiniers in ihrem Gewerbe sind. "Wir sind inzwischen viel breiter aufgestellt", sagt der gebürtige Limburger Josat, der seit 33 Jahren das Tanzstudio am Eschhöfer Weg betreibt. Nur mit Paartanzstunden komme eine Tanzschule nicht mehr aus. Neben Angeboten für Kinder gibt es nun auch Breakdance-Kurse, Hip-Hop, Zumba oder auch Tänze nach dem Computerspiel "Fortnite". Um nur einige Angebote zu nennen. Da hätte der gute Bela Sanders seine liebe Not gehabt.

Die wertvollste Zeit

Ähnlich geht es auch bei Schöffl zu. "Freizeit ist die wertvollste Zeit, die wir haben", sagt er. Da ist er mit Josat einig: Tanzen soll deshalb richtig Spaß machen, ein Anti-Stress-Programm sein. Auch bei seiner Tanzschule in der Hospitalstraße, die seine Eltern Karl-Heinz und Lisa Schöffl schon vor mehr als 60 Jahren gründeten, gibt es ein breitgefächertes Programm. Wer eben nur einen Kurs mit Discofox oder Salsa wolle, kann das kriegen. Das war zu Bela Sanders' Zeiten anders, als es in Kursen nur die ganze Palette vom Tango bis zum Cha Cha gab.

Im ZDF-Fernsehgarten ist Markus Schöffl (hier mit Moderatorin Andrea Kiewel) seit 20 Jahren als Choreograf Dauergast.

Ob die beiden Limburger Tanzschulen Konkurrenten sind? Eigentlich nicht wirklich. "Von der Basis her sind wir natürlich gleich", sagt Schöffl. Man kann dort tanzen lernen, aber jeder ging seinen eigenen Weg. Während Josat mit seinen Showtanzgruppen Europa- und Weltmeistertitel in die Domstadt geholt hat, ist das Fernsehen das geliebte Medium für Schöffl. Choreographien für Stars wie Lionel Ritchie hat er erstellt, er arbeitete für Stargeiger David Garrett und zwei Jahrzehnte für den ZDF-Fernsehgarten, war zwei Staffeln lang Jury-Mitglied bei der RTL-Show "Let's Dance" - um nur ein paar TV-Projekte zu nennen.

Projekte an Schulen

Und beide Tanzschulen arbeiten sogar Hand in Hand bei Projekten in der Tilemann- und der Leo-Sternberg-Schule in Limburg sowie der Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar. Sie bringen dort an Ort und Stelle den Jugendlichen die ersten Tanzschritte bei. In beiden Betrieben gibt es jeweils mehr als 20, zum Teil festangestellte Mitarbeiter; sie bilden auch neue ADTV-Tanzlehrer aus.

Ralf Josat

Die letzten Jahrzehnte waren aber nicht immer ganz einfach für die Tanzschulen. Nach den 68ern seien Tanzschulen eher verpönt gewesen, erinnert sich Josat. Während die Disco-Welle in den 70er und 80er Jahren die Leute wieder in die Tanzschulen brachte, ließen die Technoklänge in den 90er Jahren die Tanzlehrer eher verzweifeln. Und Hand aufs Herz: Was soll man darauf auch tanzen?

Für Josat ist das kein Problem mehr. Vom frühen Nachmittag bis zum späten Abend sind die unterschiedlichsten Angebote in seinen drei Tanzsälen präsent. Was auch an Sendungen wie "Let's Dance" liegt, in denen sein Kollege Markus Schöffl die Finger mit im Spiel hatte. Tanzen wird medienwirksam vermarktet, hat ein gesundes Image und soll - gut für die Älteren unter uns - der Vergesslichkeit vorbeugen.

Schöffl hat da aber noch ein Argument für einen Tanzkurs: "Damit man bei der Kirmes nicht ausgelacht wird." Und wenn man in der Tanzschule dann noch seinen Spaß hatte, ist man fein raus aus der Nummer. Selbst wenn Bela Sanders mit seinem Orchester aufspielen würde.

Der Welttanztag wurde 1982 erstmals ausgerufen und findet jedes Jahr am 29. April statt - dem Geburtstag des französischen Tänzers und Choreografen Jean-Georges Noverre (1727 - 1810), dem Begründer des modernen Balletts. Das nimmt das ADTV Tanz-Centrum Josat-Dörr (Eschhöfer Weg 9) zum Anlass, heute ab 14.45 Uhr zum Hineinschnuppern einzuladen. Man kann zuschauen oder auch kostenlos mitmachen. Die Angebote reichen vom Kindertanz über Hip-Hop, Salsa bis zum klassischen Gesellschaftstanz. Abends folgt ab 19 Uhr ein Showprogramm mit Modenschau. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.tanzen-in-limburg.de.

Markus Schöffl verzichtet auf eine Veranstaltung am heutigen Tag, er arbeitet vielmehr auf einen besonderen Termin im ZDF-Fernsehgarten am Sonntag, 5. Mai, hin: zu einem Auftritt des deutschen Sängers Mike Singer (aktueller Song: "Tinderella"), der mit seinen Alben schon die deutschen Charts anführte. Schöffl hat die Choreografie für 800 Tänzer erstellt. Mehr als 60 davon kommen aus Limburg.

von Matthias Geiß

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