Kurt Kardinal Koch (Mitte) spricht Richard Henkes selig, links Bischof Georg Bätzing. Das Bild des Paters ist vorher im Dom enthüllt worden. Foto: kna

Gewalt in Liebe umgewandelt

Limburg: Pater Richard Henkes selig gesprochen 

Richard Henkes kann jetzt als Seliger angerufen und als Märtyrer verehrt werden: Kurt Kardinal Koch hat den Pallottinerpater gestern im Dom für sein Lebenszeugnis seliggesprochen. Es war die erste Seligsprechung im Bistum.

Kurienkardinal Koch aus Rom hat am Sonntagnachmittag als Delegat des Papstes das entsprechende Schreiben von Franziskus verlesen, in dem Henkes als "heroischer Zeuge der christlichen Liebe" und als "unerschrockener Verkünder des Evangeliums" gewürdigt wird. Pater Henkes hatte unter dem Terrorregime der Nationalsozialisten im Konzentrationslager Dachau freiwillig sein Leben im Dienst an typhuskranken Mitgefangenen hingegeben. Er war wegen seiner Regimekritik inhaftiert worden. Sein Gedenktag ist auf den 21. Februar festgelegt worden.

Es war die erste Seligsprechung im Limburger Dom: Zusammen mit Diözesanbischof Georg Bätzing und dem Generalrektor der Pallottiner Pater Jacob Nampudakam feierten knapp 1500 Gläubige, darunter mehrere Bischöfe aus Deutschland und der Weltkirche, viele Pallottiner und Vertreter weiterer Gemeinschaften und Orden sowie Vertreter der Politik diese ungewöhnliche Premiere.

Seligsprechung in Limburg: Viele prominente Gäste

Unter anderem waren der rheinland-pfälzische Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Konrad Wolf und der hessische Kultusminister Alexander Lorz anwesend. Und ein Amtsträger konnte sich auch als Privatperson über diese Feier freuen: Der Bürgermeister von Ruppach-Goldhausen Klaus Henkes ist ein Großneffe des neuen Seligen. Mit dem Schönstatt-Pater Vinzenz Henkes feierte auch ein direkter Neffe Richard Henkes' mit.

Wegen des großen Interesses wurde das Ereignis zusätzlich auf die Domplatte und in die Stadtkirche übertragen. Unter den Gästen waren etwa 250 Besucher aus Tschechien, wo Pater Henkes zuletzt wirkte. Die Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen war ihm ein Herzensanliegen. Henkes Heimatgemeinde Ruppach-Goldhausen pflegt mit dem tschechischen Strahovice eine Gemeindepartnerschaft. Entstanden ist sie im Zuge des Seligsprechungsverfahrens, das von Bischof em. Franz Kamphaus, gestern ebenfalls im Dom, im Jahr 2003 eröffnet worden war. Im Dezember 2018 erkannte Papst Franziskus das Martyrium von Pater Henkes an.

Koch würdigte Pater Henkes in seiner Predigt als "Märtyrer der Nächstenliebe aus Liebe zu Christus".

Kurt Kardinal Koch inszeniert die Reliquie des neuen Seligen.

Liebe, Opfer und Kreuz: Diese Begriffe seien untrennbar verwoben in Leben und Wirken des Pallottinerpaters, der sich selbst als "Opferpriester" bezeichnet und dies durch sein Leben bezeugt habe mit der Hingabe bis zum Tod für andere Menschen. Er habe das Wort Gottes nicht nur gelesen und interpretiert, sondern gelebt - als "Kreuzträger für andere". Und er habe sehr früh und klar wahrgenommen, dass die nationalsozialistische Ideologie mit dem christlichen Menschenbild nicht zu vereinbaren ist. Deshalb sei Henkes immer wieder in Konflikt mit dem Nazi-Regime geraten, von der Gestapo verhört und schließlich inhaftiert worden, zunächst in Isolation in Ratibor, später in Dachau.

Limburg: Das Kreuz als Symbol

Dass die Seligsprechung am Fest der Kreuzerhöhung gefeiert werde, bezeichnete Koch als höchst passend. Denn Pater Henkes habe sein Leben als Opfer für Christus hergegeben und damit Anteil am Kreuz Jesu Christi erhalten. Henkes sei ein besonders glaubwürdiger Zeuge dieses Festes und seiner Bedeutung. Das Kreuz sei dabei kein Widerspruch oder kein Gegensatz zur Liebe Gottes, sondern die Darstellung seiner Liebe zu den Menschen. "Denn in der Liebe Jesu am Kreuz sind wir erlöst von unseren Sünden und seine Liebe ist der Wärmestrom der Erlösung", sagte Koch.

Jesus habe die an ihm geübte Gewalt in Liebe umgewandelt. Pater Henkes folge Jesus in diesem "Ur-Martyrium" nach. Dabei habe er genauso wie Jesus das Martyrium nicht gesucht, denn "das christliche Martyrium ist keineswegs von Todessehnsucht und Lebensverachtung geprägt; sein entscheidendes Merkmal ist vielmehr die Liebe".

Großes Geschenk Gottes

"Ein großes Geschenk Gottes" nannte Pater Jacob Nampudakam die Seligsprechung. Es sei eine Ermutigung, "überall und ohne Angst für den christlichen Glauben einzutreten und die unendliche Liebe Gottes zu allen Menschen, besonders zu den Verfolgten, Schwachen und Kranken zu bezeugen". Henkes sei ein leuchtendes Beispiel, das weltweit dazu aufrufe, für die Würde des Menschen einzutreten. Und als Brückenbauer zwischen Tschechen und Deutschen lehre er uns, nationale und ethnische Grenzen zu überwinden und für den Frieden zwischen den Völkern einzutreten.

Auch für den Limburger Bischof Georg Bätzing ist der Pallottinerpater Vorbild und Ermutigung. "Seine Entschiedenheit, sein Einsatz für das Evangelium, für Wahrheit und Versöhnung wollen uns Orientierung geben." Dass es ein besonderer Tag für die Kirche und ihn ist, sagte er bereits zur Begrüßung im Dom: "Was hier und heute geschieht, das bewegt unsere Herzen sehr, aber es hat auch Bedeutung für die Kirche der ganzen Welt."

Zur Seligsprechung hat der Diözesanbischof zudem ein Hirtenwort verfasst. Darin geht es um Henkes Nachfolge, um dessen Gespür für Wahrhaftigkeit und dessen innere Freiheit.

Nach einem Fest bei strahlendem Sonnenschein im Bischofsgarten gab es ein gemeinsames Abendlob in der Pallottinerkirche St. Marien. Während der Domchor unter Leitung von Judith Kunz mit Domorganist Carsten Igelbrink die Liturgie im Dom musikalisch gestaltete, wirkten hier Organist Frank Sittel und der von Christoph Hilfrich dirigierte Chor der Marienkirche mit. 

oh

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