Der weltberühmte Taj Mahal gehört zu jeder Indienreise dazu: Die Gruppe aus dem Landkreis Limburg-Weilburg stellte sich dort zum gemeinsamen Foto.

Alltag der Menschen in Indien

Reisegruppe aus Hadamar reist durch die Slums von Kalkutta

Eine Gruppe aus dem Pastoralen Raum Hadamar erlebte eine faszinierende Rundreise durch Indien. Es war jedoch nicht der Taj Mahal, der die Gäste am meisten beeindruckte.

Limburg-Weilburg - Auf einer Reise sind es oft die ungeplanten Begebenheiten, die am intensivsten in Erinnerung bleiben. Diese Erfahrung machte auch die Besuchergruppe aus dem Landkreis Limburg-Weilburg, die 14 Tage lang Indien erkundete. Der pastorale Raum Hadamar hatte die Rundreise unter der Leitung des aus Südindien stammenden Paters Sonu Thomas angeboten.

Die interessantesten Eindrücke aus dem 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Land - die größte Demokratie der Erde - sammelten die zwölf Reisenden aus dem Nassauer Land bei einem unfreiwilligen Fußmarsch durch die Millionenmetropole Kalkutta. Gleich am zweiten Tag ihres Indien-Besuchs hatte die Gruppe einem Gottesdienst im Mutterhaus des Ordens der Missionarinnen der Nächstenliebe beigewohnt.

Kein Durchkommen

Doch als die Besucher anschließend zurück zum Hotel wollten, ging gar nichts mehr: Der Verkehr in Kalkutta war wegen einer Kundgebung der Regierungspartei von Bengalen zum Erliegen gekommen. Die Menschen versuchten sich in überfüllten Bussen, auf offenen Lastwagenpritschen und auf anderen rollenden Vehikeln durch die Stadt zu kämpfen. Alles blieb friedlich, wohlgemerkt. Aber ein Durchkommen gab es nicht. Deshalb hatten die Limburger keine andere Wahl: Die Gruppe musste den rund fünf Kilometer langen Weg zum Hotel zu Fuß zurücklegen. Und der führte mitten durch die Slums von Kalkutta.

Die deutschen Besucher beobachteten, dass das Leben vieler Inder auf der Straße stattfindet. Dort wird gekocht und gegessen, geschlafen und gehandelt, am Straßenrand gewaschen, Autos repariert, Flugblätter gedruckt, Hühner geschlachtet, Haare geschnitten und vieles mehr. Alle handwerklichen Tätigkeiten finden in und vor den Häusern statt. Jeder lässt sich dabei gern über die Schulter schauen. Die Gruppe erlebte auf dem Weg zum Hotel das alltägliche Leben der Inder in der Millionenstadt hautnah mit. Besonders beeindruckten die vielen strahlenden Gesichter, die farbenfrohe Kleidung und die Höflichkeit der Menschen. Nicht wenige wollten ein Foto mit den hellhäutigen und im Vergleich zu den Indern sehr hochgewachsenen Nordeuropäern machen. Erst am Abend erfuhren die Reisenden aus dem Fernsehen, dass an diesem Tag mehr als zehn Millionen Menschen nach Kalkutta gekommen waren.

Bettler gab es übrigens nicht auf den Straßen. Die Menschen seien zwar sicherlich arm, es liege auch vielerorts Unrat herum und der Müll staple sich an verschiedenen Stellen. Aber die meisten Menschen wirkten auf die Besucher zufrieden und gingen mit Freude ihrem mehr oder weniger bescheidenen Tagwerk nach.

Nie ohne Hupe

Dabei seien sie Meister der Improvisation. Über Digitalisierung werde nicht lange diskutiert, die Glasfaserkabel werden einfach oberirdisch quer durch die Landschaft an Hauswänden und Straßenlampen entlang gezogen. Der Verkehr war für die Deutschen natürlich gewöhnungsbedürftig. Das wichtigste Utensil an jedem Pkw und Motorrad ist die Hupe, so schien es. Und Verkehrsregeln gibt es offenbar keine - obwohl Reiseleiter Pater Sonu heftig widersprach: Die Huperei habe System, erklärte er und werde schon in der Fahrschule gelehrt.

Beeindruckende Erlebnisse standen auch auf der weiteren Rundreise auf dem Programm. Am folgenden Morgen ging es mit einem Linienflug weiter nach Neu-Delhi. Auf einer Stadtrundfahrt auf den Spuren von Mahatma Gandhi ging es um das politische Indien. Der weltbekannte Taj Mahal in Agra bezauberte die Besucher durch sein imposantes Hauptgebäude mit massiver Kuppel und kunstvoll behauener, mit Edelsteinen besetzter Marmorfassade. Kochin, die Hauptstadt von Kerala im Süden Indiens, ist eine geschichtsträchtige Hafenstadt. Das Christentum dort ist älter als in Europa. Die Limburger verweilten fast einen ganzen Tag auf einem Hausboot in den Backwaters von Kerala, einem verzweigten Wasserstraßennetz im Hinterland der Malabarküste. Die atemberaubende Natur bleibt unvergesslich: Die Ufer sind gesäumt von Kokospalmen, dazwischen liegen Reisfelder und Lagunen.

Mit dem Bus ging es weiter ins Landesinnere nach Munnar, dem höchstgelegenen Tee- und Gewürzanbaugebiet Indiens. Eine besondere Überraschung gab es in Vazhathoppe, dem Geburtsort von Pater Sonu. Nach dem Gottesdienst wurden die Damen in Landeskleidung, den Sari, eingekleidet. Die Herren erhielten Lungis, bevor die Familie zum indischen Mittagessen einlud. Nach einem Weiterflug nach Chennai und Besichtigung des Grabes des Apostels Thomas trat die Gruppe die Heimreise ins Nassauer Land an. Eine erlebnisreiche, anstrengende und unvergessliche Reise ging zu Ende.

og 

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