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Der Limburger Bürgermeister Dr. Marius Hahn hat als Dienstwagen einen Passat Plug-in-Hybrid der Energieversorgung (EVL). 

Umstrittene Fahrzeuge 

Das sind die  neuen Luxus-Dienstwagen für die Bischöfe im Kreis Limburg-Weilburg

Im Kreis Limburg-Weilburg gibt es neue Dienstwagen: Bischof und Weihbischof fahren noble Autos - und das gefällt nicht jedem.  

Limburg-Weilburg – Das Foto vom Limburger Skandal-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ging um die Welt. Im Talar schwang er sich vor dem Dom in einen Luxus-Oldtimer. Die Aufnahme diente als weiteres Symbol für seinen Protz - dabei vergaßen fast alle den Hinweis, dass der Oberhirte den Wagen lediglich bei einer Veranstaltung gesegnet hatte.

Tebartz hatte freilich auch einen schicken Dienstwagen, einen dunkelblauen BMW mit abgedunkelten Scheiben. Und er sorgte kurz vor seinem unrühmlichen Abgang in Limburg letztmals wegen eines Dienstwagen für Ärger. Während seiner Auszeit beauftragte Tebartz im Januar 2014 einen Mitarbeiter, für ihn eine neue BMW-Luxuslimousine zu bestellen.

Nach Skandal in Limburg: Genauerer Blick auf Dienstwagen der Verantwortlichen im Bistum

Seitdem schauen nicht nur die Katholiken genauer hin, in welchen Fahrzeugen die Verantwortlichen des Bistums sitzen. Und vor wenigen Tagen machten manche große Augen: Sowohl Bischof Dr. Georg Bätzing als auch Weihbischof Dr. Thomas Löhr haben neue Dienstwagen bekommen. Graue Audi A 8 mit einem Hybrid-Diesel mit 210 KW/286 PS. Grundpreis 90 600 Euro. Schöne Autos, die aber in diesem Zusammenhang nicht jedem gefallen.

Was viele nicht wissen: Das Bistum würde deutlich weniger zahlen als Otto Normalbürger. 

Dienstwagen in Limburg: Hersteller locken Behörden

Die Hersteller locken jedoch nicht nur die Kirchenoberen mit einem "Behördenprogramm". Davon profitieren auch andere Amtsträger, Behördenchefs und die Leiter mehr oder weniger öffentlicher Einrichtungen. Mercedes, BMW und Audi gewähren Großkunden dem Vernehmen nach bis zu 30 Prozent Rabatt. Die Wenigsten kaufen neue Fahrzeuge, fast alle leasen welche für ein Jahr - zu ähnlich günstigen Konditionen. Über Geld spricht man in diesen Fällen freilich nicht; dazu müssen die Nutznießer sich vertraglich verpflichten.

Die Frage nach der "Dienstwagen-Flotte" kontert Bistumssprecher Stephan Schnelle energisch. "So ein Blödsinn", sagt er spontan. Das Bischöfliche Ordinariat (BO) verfügt nach seinen Angaben über zwei Audi A 8 für den Bischof und den Weihbischof (ohne abgedunkelte Scheiben) und einen Audi A 6 für die übrige Bistumsleitung wie Generalvikar oder Domkapitulare. Der im Januar 2019 zugelassene S tronic hat einen Hybrid-Diesel und 150 KW. Viertes Dienstfahrzeug im BO ist ein VW-Transporter, den vor allem die Hausmeister und Gärtner nutzen.

Kreis Limburg-Weilburg: Verantwortliche im Bistum privat bescheiden: Peugeot 208, Opel Vectra und Passat

Georg Bätzing und Thomas Löhr ließen sich bis Juli jeweils in A 8, 3.0 Liter Diesel mit 286 PS chauffieren. "Jährlich werden mit diesen Dienstwagen ca. 40 000 bis 50 000 Kilometer zurückgelegt", sagt Schnelle. Die Fahrer würden den Würdenträgern auch bei der Liturgie assistieren und weitere Aufgaben im Bistum erfüllen.

"Für die Limburger Bischöfe und die Bistumsleitung sind diese Fahrzeuge kein Statussymbol, sondern eher Arbeitsplätze, und die Herren sind auch keine Autonarren", betont Stephan Schnelle. "Der Dienstwagen wird von den Bischöfen auch als Büro genutzt. Sie arbeiten auf den oft langen Strecken. Nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache, dass man in den Fahrzeugen relativ sicher unterwegs ist."

Schnelle weist darauf hin, dass die Herren privat bescheiden unterwegs sind. Bätzing hat lange einen Peugeot 207 Kombi gefahren und den Pkw vor kurzem gegen einen blauen Peugeot 208 getauscht. Löhr hat einen mehr als zehn Jahre alten Opel Vectra, Generalvikar Wolfgang Rösch einen Passat.

Limburg: Landrat Köberle und Stellvertreter Sauer luxeriöser  unterwegs

Den stärksten Dienstwagen im Landkreis hat Landrat Michael Köberle (CDU): Einen Audi A 8 Drei-Liter-Benziner Quattro mit 340 PS/250 KW. Niemand merkt, dass die Luxuskarosse erst zwei Wochen alt ist. Sie ist identisch mit dem Vorgänger, den Köberle im Januar übernommen hatte. "Ich wollte gerne einen Hybrid, den gab es jedoch nicht als Allrad", erläuterte der Landrat gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Allrad sei für ihn sehr wichtig, um im Winter nicht im Westerwald steckenzubleiben.

Sein Stellvertreter Jörg Sauer (SPD) hat eine BMW 530e iPerformance Limousine Hybrid Benzin/Elektro mit 184 PS/135 KW. Beide haben Fahrer, die - wenn sie nicht am Steuer sitzen - im Kreishaus helfen. Zu den Kosten schweigt die Kreisverwaltung eisern. Rhein-Lahn-Landrat Frank Puchtler (SPD) legt die Karten offen auf den Tisch: "BMW 530 Diesel, 195 KW, Baujahr 2018, rund 10 000 km Jahresleistung. Monatliche Netto-Leasingrate 176 Euro. Rein dienstliche Nutzung", teilt er persönlich per E-Mail mit.

Polizeichef Frank Göbel fährt im Dienst ein Mercedes C 250d T-Modell, Kombi, Diesel, Automatik, Baujahr: 3/2018, 204 PS, Jahreslaufleistung bis 30 000 Kilometer. "Eine private Nutzung ist nicht erlaubt. Streifenwagen gibt es ja bereits als Hybridfahrzeuge. Ich hoffe, dass dies auch bei zivilen Leasingfahrzeugen der Polizei irgendwann möglich sein wird", sagt Göbel.

Land Hessen stellt Spitzen der Justiz Dienstwagen

Das Land Hessen stellt außerdem den Spitzen der Justiz Dienstwagen. Bei ihnen gilt ebenso wie bei der Polizei, dass auch andere Mitarbeiter die Autos für Dienstfahrten nehmen dürfen. Für Landgerichts-Präsident Manfred Beck steht eine BMW Limousine 520d, 140 PS, Baujahr 2019 bereit; der Leasingvertrag geht über ein Jahr und sieht eine Laufleistung von bis 200 000 Kilometer vor. Die monatliche Leasingrate beträgt 201,24 Euro.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Michael Sagebiel teilt einen Audi A 6, Quattro Avant Diesel Hybrid mit 231 PS mit Kollegen, die zu Terminen oder viele Akten transportieren müssen.

Wir haben außerdem beim gemeinnützigen St. Vincenz Krankenhaus, der Kreissparkasse Limburg, einer Anstalt des öffentlichen Rechts, und der von 40 000 Genossen getragenen Volksbank Rhein-Lahn-Limburg nachgefragt. Klinik-Geschäftsführer Guido Wernert fährt etwa 25 000 Kilometer im Jahr mit einem Audi A 6 Avant Diesel mit 313 PS, Baujahr 2014. Die beiden KSK-Vorstände Patrick Ehlen und Mario Rohrer haben einen A 6 beziehungsweise einen 5er BMW, jeweils Diesel mit Euro6 Norm, Baujahr 2017 bzw. 2018. Die Volksbank wollte sich nicht äußern. Der Audi Q 7 von Vorstand Klaus Merz, ein Drei-Liter-Diesel mit 272 PS, ist in Limburg allerdings nicht zu übersehen. Seine Kollegen fahren A 6 und 5er BMW.

Kreis Limburg-Weilburg: Spaßverderber Finanzamt

Von den Bürgermeistern im Landkreis hat lediglich Dr. Marius Hahn (SPD) einen Dienstwagen - formell nicht von der Stadt, sondern von der Energieversorgung (EVL). Das war vor wenigen Jahren anders, bis das Finanzamt den Rathauschefs einen Strich durch die lukrative Rechnung machte. Weil der geldwerte Vorteil seitdem anders besteuert wird, lohnt es sich für die Bürgermeister nicht mehr. Sie erhalten für ihre dienstlichen Fahrten nun entweder eine Pauschale oder rechnen die Kilometer ab.

In Limburg hat es Tradition, dass die EVL ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden, das ist stets der Bürgermeister, ein Fahrzeug zur Verfügung stellt, das dieser auch privat nutzen kann. Hahn hat mit dem VW Passat E Kombi (Plug-in-Hybrid) im Vorjahr insgesamt 9384 Kilometer zurückgelegt, davon 7988 für die Stadt und 1136 privat sowie 260 für die EVL. Über die Fahrten wird ein Fahrtenbuch geführt. Die Stadt hat laut Pressesprecher Johannes Laubach genau 6129,29 Euro gezahlt, Hahn privat 871,66 Euro. Für jeden Kilometer werden 62 Cent berechnet (die Umsatzsteuer und die Verwaltungskosten kommen dann noch hinzu). "Die Strecken in der Stadt lege ich gewöhnlich rein elektrisch zurück", betont Hahn.

Monatliche Pauschale oder 35 Cent pro Kilometer

Dem Bad CambergerBürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) steht kein Dienstwagen zur Verfügung: "Ich erhalte für die dienstliche Nutzung meiner privaten Fahrzeuge eine Pauschale von 160 Euro monatlich". Überwiegend nutze er einen Citroen Berlingo. Gelegentlich komme seine Ente, ein Citroen 2 CV, Baujahr 1984, zum Einsatz.

Der Bad Camberger Bürgermeister Jens-Peter Vogel fährt eine Ente.

Die HünfeldenerBürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer (parteilos) hat ebenfalls keinen Dienstwagen.

Der BrechenerBürgermeister Frank Groos (parteilos) hat ebenfalls keinen: "Für Fahrten innerhalb des Gemeindegebietes mit meinem Privat-Pkw bekomme ich eine Pauschale in Höhe von 25 Euro pro Monat."

Auch der SelterserBürgermeister Bernd Hartmann hat keinen eigenen Dienstwagen.

Die Bürgermeister im Nordkreis sind ausschließlich mit ihren Privatautos unterwegs. Das gilt für Michael Ruoff (CDU), Bürgermeister der Stadt Hadamar, und für ElbtalsBürgermeister Joachim Lehnert (parteilos).

Auch Horst Kaiser (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Elz, fährt mit seinem persönlichen Pkw.

DornburgsBürgermeister Andreas Höfner (CDU) teilt mit: "Ich mache also alle Dienstfahrten mit meinem Privat-Pkw. Die Gemeinde erstattet mir auf Nachweis 35 Cent je dienstlich gefahrenem Kilometer." Das gilt auch für Peter Blum, parteiloser Bürgermeister aus Waldbrunn

Von Joachim Heidersdorf

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