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So sieht der Limburger Illustrator Michi Schmitt die Diskussion über die Gutachten und die Platanen. Er ist Mitglied der Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt der Platanen auf dem Neumarkt einsetzt.

KOMMENTAR -  Stadt will sich noch nicht äußern

Widersprüche? - Was steht in der neuen Platanen-Expertise?

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Was steht in der zweiten Expertise zu den Platanen auf dem Neumarkt? Die Stadt möchte diese Frage noch nicht beantworten. Auch den Namen des neuen Experten nennt sie vorerst nicht. Die Öffentlichkeit soll später informiert werden.

Limburg - Egal, was in der neuen, vom Bürgermeister angeforderten Expertise zu den Platanen steht: Es wird weder etwas am Beschluss der Stadtverordneten ändern, die Platanen durch andere Bäume zu ersetzen, noch den Eifer der Bürgerinitiative zügeln, die Platanen zu erhalten. Welchen Sinn hat also die zweite Expertise?

Die Standsicherheit von Bäumen zu überprüfen, ist eine dauerhafte Aufgabe der Stadt. Dafür bedarf es keiner Expertise. Und die Standsicherheit der Platanen ist laut Stadt aktuell gewährleistet.

Limburg: Was passiert mit den Platanen?

Wenn es um den Konflikt - die empfindlichen Wurzeln der Platanen auf der einen Seite und tiefe Erdarbeiten auf der anderen Seite - gehen sollte, verwundert eine weitere Expertise ebenfalls: Denn es gibt bereits einen Beschluss der Stadtverordneten, diesen Konflikt zu lösen, in dem die Platanen durch neue Bäume ersetzen werden - um den Platz deutlich attraktiver gestalten zu können und Großveranstaltungen stattfinden zu lassen.

Der Kardinalfehler war es, nicht eine schon seit dem Gutachten von 2012 mögliche und zwingend notwendige Grundsatzentscheidung zu den Platanen herbeizuführen - und mit einer realistischen Einschätzung die weiteren Planungen voranzutreiben.

Unser Autor Stefan Dickmann

Wie es mit den Platanen auf dem Neumarkt weiter geht, beschäftigt viele Menschen in der Stadt. Und obwohl die Verwaltung das Ergebnis eines seit 2012 vorliegenden Gutachtens zu den Platanen erst vor wenigen Wochen vom gleichen Gutachterbüro hat bestätigen lassen, hat Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) einen zweiten Experten mit einer Expertise zu den Platanen beauftragt. Das hat parteiübergreifend für Stirnrunzeln gesorgt. Am Mittwoch ließ Hahn im Haupt- und Finanzausschuss eine Mitteilung verteilen, die für mehr Klarheit sorgen sollte, aber noch nicht alle Fragen beantwortet.

Die zweite angeforderte Expertise begründet der Bürgermeister damit, dass das Gutachten des Büros Eiko Leitsch "bereits sieben Jahre alt ist". Der neue Experte solle dieses Gutachten von 2012 "auf Aktualität hin prüfen und insbesondere die Verkehrssicherheit der Platanen beurteilen und die Erhaltensfähigkeit und Erhaltenswürdigkeit der Bäume prüfen".

Das verwundert insofern, weil auf ausdrücklichen Wunsch der Verwaltung Gutachter Leitsch erst in diesem Sommer die Platanen noch einmal in Augenschein genommen und für eine Aktualisierung gesorgt hatte.

Sind die Platanen, so wie sie jetzt auf dem Neumarkt stehen, vielleicht in irgendeiner Art und Weise in ihrer Standsicherheit gefährdet? Klare Antwort der Pressestelle der Stadt: nein! "Die Platanen werden regelmäßig einer Baumkontrolle durch die Stadtgärtnerei unterzogen. Sie sind standsicher und damit auch verkehrssicher", teilte Stadtsprecherin Anna-Sophie Schindler gestern auf Anfrage dieser Zeitung mit. Dabei beruft sie sich explizit auf die Einschätzung des Büros Eiko Leitsch. "Wenn keine Arbeiten am Neumarkt vorgenommen werden, besteht aktuell keine Gefahr für Bürgerinnen und Bürger. An dieser Tatsache hat sich während der gesamten Diskussion um die Platanen nichts geändert."

Problem Bauarbeiten

Bei der neuen Expertise gehe es vielmehr darum, "inwiefern die Platanen bei der Umgestaltung des Platzes und den dabei ausgeführten Arbeiten beeinträchtigt werden und inwiefern dadurch die Standsicherheit und die Verkehrssicherheit beeinträchtigt werden". Aber auch dazu gab es vom Büro Leitsch im August eine klare Aussage: Sollte der Neumarkt, wie politisch mehrheitlich gewünscht und auch beschlossen, aufwendig neu gestaltet werden, was auch Erdarbeiten zur Folge hätte, sieht er den Bestand der Platanen gefährdet, weil während der Bauarbeiten Schäden an den Wurzeln zu befürchten und wohl nicht zu vermeiden seien. CDU und große Teile der SPD hatten sich deshalb dafür ausgesprochen, den Neumarkt ohne die Platanen neu zu gestalten und dafür neue Bäume zu pflanzen.

Gutachter Leitsch machte im August auch klar, was - aus seiner Sicht - notwendig wäre, um die Platanen noch Jahrzehnte zu erhalten: Die bestehenden Bäume bräuchten deutlich größere Baumscheiben und neues Substrat, damit die Wurzeln mehr Sauerstoff bekommen. Das wiederum hätte zum einen Auswirkungen auf die künftige Nutzung auf dem Neumarkt. Möglicherweise könnte dort nicht mehr jedes Fest stattfinden. Zum anderen wären aufwendige Erdarbeiten, zum Beispiel für die Schaffung eines politisch gewünschten Wasserspiels, nicht mehr möglich.

Hahn weist in dem Schreiben an die Stadtverordneten zwar darauf hin, dass der zweite Baumexperte grundsätzlich die Einschätzung aus dem alten Gutachten bestätige, "es gibt aber an einigen Punkten Differenzen zum Gutachten von 2012 und Unstimmigkeiten in der Einschätzung selbst". Die Verwaltung sei gerade dabei, diese Differenzen und Unstimmigkeiten aufzuklären.

Die erneute Einschätzung habe er in Auftrag gegeben, weile viele Bürger Bedenken geäußert hätten, dass die Platanen entnommen werden sollen. Da an erster Stelle die Sicherheit der Bürger stehe, sei es sehr wichtig, "erneut die Standsicherheit der Bäume und damit die Verkehrssicherheit dieser einschätzen zu lassen".

Vor einer Veröffentlichung der zweiten Expertise müssten darin entdeckte "Widersprüche und Unstimmigkeiten" von der Verwaltung geklärt werden. "Aktuell wird es als nicht sinnvoll erachtet, Widersprüchlichkeiten ohne Einordnung zu veröffentlichen", schreibt Hahn.

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