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Die Menschen sind nach den Terroranschlägen in Sri Lanka schwer verunsichert.

Sie wollen nur noch weg

Nach Terror in Sri-Lanka: So erlebte Familie aus Limburg die Anschläge

Nach Terror in Sri-Lanka: So erlebte Familie aus Limburg die Anschläge. Ihr Hotel liegt nur wenige Kilometer von einer betroffenen Kirche entfernt.

Update vom 12. November 2019: Spektakulärer Schlag der Polizei gegen den "Islamischen Staat": Am Dienstag wurden in Offenbach drei IS-Anhänger festgenommen, die einen Terroranschlag im Rhein-Main-Gebiet planten.

Limburg - Sie möchten nur heim: Andreas Baer (37) war mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern gerade eine Woche auf Sri Lanka, als die Attentatsserie begann. Ein Anschlag traf eine Kirche, nur drei Kilometer entfernt von ihrem Hotel in Waikkal, berichtet der Limburger. Das Fischerdorf an der Westküste ist idyllisch gelegen mit einem schönen Strand – 17 Kilometer vom Flughafen Colombo entfernt. 

Seine Frau zucke jedes Mal zusammen, wenn es ein lautes Geräusch gebe. Sie und die Kinder könnten nachts nicht schlafen, die ganze Familie sitze auf gepackten Koffern, fürchte um das eigene Leben und das ihrer Kinder. Die Baers wollen sie beschützen. Vor etwas über einer Woche war alles noch ganz anders: Ein Empfang wie aus dem Bilderbuch. „Die Leute sind hier total nett und gastfreundlich. 

Anschläge in Sri Lanka: Einheimische und Touristen wähnten sich sicher 

Wir hätten nie gedacht, dass so etwas passieren könnte“, sagt der Systemadministrator am Landesarbeitsgericht in Frankfurt gestern am Telefon. Schnell hatten sie sich eingelebt. Dann verletzte sich Sohn Linus (4) beim Spielen. Eine Kopfwunde, die genäht werden musste. Kein Problem. Gestern wäre Kontrolltermin im Krankenhaus gewesen. Keine Chance. 

Allen wurde dringend geraten, das Hotel nicht zu verlassen. Mindestens genauso besorgt wie der Familienvater ist dessen Vater. „Wenn ich könnte, hätte ich den nächsten Flieger genommen und wäre schon dort“, sagt Hans-Josef Baer. Der ehemalige Trainer des Limburger Hockeyclubs telefoniert mit seinem Sohn bis das Gespräch abbricht, was immer wieder passiert. Aber der Hadamarer weiß: 

Für Familie Baer aus Limburg gingen die Anschläge glimpflich aus

„Es geht ihnen gut, das haben sie bestätigt.“ Er hat sich auch zu Hause bei der Kinderärztin erkundigt. Sie hat ihn beruhigt: Die Kopfwunde des kleinen Linus ist versorgt. „Und die Fäden kann man auch drei Wochen später noch ziehen“, sagt Hans-Josef Baer. Die Nachsorge in Deutschland wäre kein Problem. Wenige Nachrichten kämen von außen, berichtet der Sohn an Ort und Stelle. 

Er informiere sich über das Internet und den Telefonkontakt nach Hause. „Uns wurde gesagt, alles ist in Ordnung, wir sollten im Hotel bleiben und etwas trinken“, erzählt er. Deeskalation so weit wie möglich. Intensiver habe es ein örtlicher Reiseführer ausgedrückt, mit dem er Kontakt habe. „Der Mann ist total verzweifelt“, sagt der Limburger. Denn: Vor elf Jahren gab es schon einmal einen schweren Anschlag auf Sri Lanka, den der Guide miterlebt habe. 

Sri Lanka könnten wegen der Anschläge die Einnahmen ausgehen

Den Terror, die Folgen, den Einbruch des Tourismus, die fortwirkende Angst. Auf einmal ist das alles wieder da. Wenn niemand mehr kommt, bedroht das auch seine Existenz. Touristen im Hotel-Umfeld reagierten ganz unterschiedlich, beobachtet Andreas Baer. Ein weiteres Pärchen wolle ebenfalls schnellstmöglich nach Hause. Zwei andere gaben sich ganz cool. „Jetzt ist es doch schon passiert. Was soll noch kommen?“

Familie Baer zeigte trotz der Anschläge in Sri Lanka Zweckoptimismus

 Sie zeigten Zweckoptimismus, warteten ab. Bei anderen werde die Angst immer größer. Auch bei Binana Baer. „Meine Frau ist total verzweifelt“, sagt der Familienvater. Auch wegen der Kinder. Tochter Selina (10) habe große Angst, am wenigsten verstehe Linus (4) die Bedrohung, erklärt dessen Opa zu Hause. Wie läuft ein Rücktransport? Daniela Uhlemann vom Limburger Reisebüro „Die Reiseprofis“, wo die Familie gebucht hatte, erläutert das so: „Die Reiseleitung vor Ort kümmert sich und prüft, welche Maschinen verfügbar sind, um schnellstmöglich zurückzukommen.“ 

Nach den Anschlägen in Sri Lanka so schnell wie möglich zurück nach Limburg

Durch die Oster-Feiertage sei auch hier weniger Personal im Einsatz gewesen, doch habe man ein Krisenmanagement eingerichtet. „Das Umbuchen der Flüge ist in Arbeit, allerdings brauchen sie auch Platz für vier Personen.“ Ursprünglich geplanter Rückflugtermin war der Freitag, wenn es geht, soll es schneller klappen. „Wir sitzen auf gepackten Koffern“, sagt Andreas Baer. Das ist auch gut so, denn: „Wenn das Okay, kommt, dass sie fliegen können, müssen sie bereit sein“, sagt Daniela Uhlemann. 

Unter Umständen beginne dann sofort der Bustransport zum Flughafen. Bei aller Angst: Leid tun den Baers die Opfer, aber auch die Menschen, die dort wohnen, arbeiten, mit terrorisiert werden. Die, die vom Tourismus leben wie ihr einheimischer Reiseführer, bei dem die Verzweiflung wächst. Die vier Baers in Sri Lanka versuchen, so schnell wie möglich heim zu kommen. „Ich bin heilfroh, wenn sie wieder in Deutschland sind“, sagt Senior Hans-Josef Baer. Solange hält er den Atem an und hofft, dass sie sich bald wieder in die Arme schließen können.

Indes hatten die Menschen in Limburg ein schreckliches Erlebnis: möglicherweise hat sich in Limburg ein Terroranschlag mit einem Lkw ereignet. 

Von Petra Hackert

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