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Der leidenschaftliche Motorradfahrer Joachim Ost befürwortet die Pläne von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und wünscht sich mehr Zweiräder auf den Straßen.

Viel Kritik und wenige Befürworter 

Unterschiedliche Reaktionen auf neue Pläne des Bundesverkehrsministers Scheuer in Limburg

Schon nach wenigen Übungsstunden könnte man mit dem Autoführerschein künftig Leichtkrafträder fahren, wenn es nach den kürzlich vorgestellten Plänen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geht. Diese werden aber auch im Kreis Limburg-Weilburg weitgehend abgelehnt.

Limburg - Dürfen in Zukunft Menschen mit einem Autoführerschein auch Motorrad fahren? Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plant dafür eine Gesetzesänderung. Das Konzept des Politikers sieht vor, dass alle Besitzer eines Pkw-Führerscheins auch mit Leichtkrafträdern am Straßenverkehr teilnehmen können, ohne dass sie zuvor eine Prüfung ablegen müssen. Eine 90-minütige Theorieeinheit und sechs praktische Fahrstunden sollen ausreichen, um die 15-PS-Motorräder, die auf über 100 km/h beschleunigt werden können, zu nutzen. Die Übungsstunden könnten dabei auch auf Fahrübungsplätzen absolviert werden. Zudem müssen die Fahrer mindestens 25 Jahre alt sein und bereits seit fünf Jahren einen Autoführerschein besitzen.

Der Verkehrsminister hofft, dass durch die Neuerung der CO2-Ausstoß verringert wird und es mehr Mobilitätsoptionen gibt. Unfallexperten stehen der Idee allerdings kritisch gegenüber. Die Verkehrssicherheit werde stark beeinflusst, so dass es zukünftig zu mehr Unfällen kommen könne. Wir haben regionale Fahrschulen, einen Motorradfahrer und weitere Institutionen zu der Thematik befragt.

Oft als Zweitfahrzeug

Laut Bruno Reuscher, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht, wolle Scheuer das EU-Recht, das eine solche Änderung in der Fahrerlaubnis-Verordnung erlaubt, nutzen. Dass weniger Kohlendioxid in die Luft geblasen wird, glaubt er nicht. "Das macht wenig Sinn, denn ich glaube nicht, dass die Motorradfahrer komplett auf das Auto verzichten werden. Vielmehr könnte das Motorrad als Zweitfahrzeug angemeldet werden, um bei gutem Wetter Spaßfahrten zu unternehmen. Das hilft dem Klimaschutz nicht wirklich weiter", sagt er.

Um derzeit einen Motorradführerschein zu erhalten, seien fünf Überland-, zwei Autobahn- und drei Nachtfahrten nötig. Außerdem gebe es meist noch viele weitere Übungsfahrten vor der Prüfung und 16 Theoriestunden zu je 90 Minuten seien vorgesehen, um optimal für den Straßenverkehr gerüstet zu sein. "Der Unterschied bezüglich der Übungsstunden, zwischen der aktuellen Regelung und dem Vorschlag von Scheuer, ist einfach zu groß", sagt Reuscher.

"Es ist eine absolut schwachsinnige Idee. Die Sicherheit im Straßenverkehr wird stark darunter leiden", kritisiert Hartmut Arbes von "Heart Drive". Der Inhaber der Fahrschule sagt, dass das Fahrgefühl auf einem Zweirad nicht mit dem eines Autos zu vergleichen sei. "Bei einem Motorrad muss der ganze Körper bewegt werden, um es in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Das erfordert viel Übung", erklärt er.

Auch Hans-Jürgen Hahnefeld kritisiert die Pläne von Andreas Scheuer. Laut dem Besitzer der gleichnamigen Fahrschule sei der aktuelle Weg wesentlich sicherer. "Ich gehe davon aus, dass sich durch eine solche Neuerung die Unfallzahlen erhöhen werden und die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet ist", sagt er. Bei Motorrädern gebe es einige physikalische Besonderheiten, die man den Fahrschülern in vielen Übungsstunden näher bringen müsse. "Es reicht definitiv nicht aus, ein paar Stunden auf der Maschine zu sitzen, um optimal für den Straßenverkehr vorbereitet zu sein", betont Hahnefeld.

Fahrlehrer Georg Geis aus Frickhofen schaut ebenfalls mit Skepsis auf die Ideen des Verkehrsministers. "Die Blicktechnik bei einem Motorrad ist anders als beim Auto. Außerdem müssen Zweiradfahrer viel aufmerksamer sein, da sie schnell übersehen werden. Zudem bieten Motorräder kaum Schutz. Es gibt keine Karosserie und keine Airbags", sagt Geis. Er spricht sich sogar für mehr Übungsstunden vor einer Motorradfahrprüfung aus. "Es gab schon so viele tödliche Unfälle. Diese werden noch weiter zunehmen, wenn Scheuer seine Pläne wirklich durchsetzt", erklärt Geis.

"Wir blicken mit etwas Bauchschmerzen auf den Plan des Ministers", sagt der Vorsitzende des Landesverbandes der Hessischen Fahrlehrer, Frank Dreier. Er plädiert dafür, dass zumindest eine Praxisstunde im Straßenverkehr stattfinden muss. Außerdem sei eine 90-minütige Theorieeinheit viel zu wenig. "Ich halte vier Theorieabschnitte, die jeweils eineinhalb Stunden dauern, für nötig", betont der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes.

Früher schon erlaubt

Der leidenschaftliche Motorradfahrer Joachim Ost aus Münster dagegen befürwortet die Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung. "Früher waren Autos und Motorräder weit weniger sicher und trotzdem durfte man mit eine Autoführerschein die Leichtkrafträder fahren. Ich sehe kaum ein Problem darin, eine solche Regelung wieder einzuführen", sagt Ost. Roller bis 50 km/h, die mit einem Autoführerschein gefahren werden dürfen, seien deutlich gefährlicher als die 15-PS-Maschinen. "Rollerfahrer werden oft geschnitten, weil sie so langsam sind, so dass dadurch viele Gefahrensituationen entstehen", erklärt er.

Aber auch Ost plädiert dafür, dass die praktischen Übungsstunden im Straßenverkehr stattfinden sollten. "Auf dem Fahrübungsplatz können nicht alle Situation simuliert werden." Sonst stimmt er dem Vorschlag Scheuers zu. "Verkehrssicherheit ist natürlich wichtig aber der Sicherheitswahn in Deutschland ist extrem groß. Bei dieser Thematik übersteigt der Nutzen das Risiko. Auf deutschen Straßen, besonders in den Großstädten, gibt es immer weniger Platz, so dass mehr Motorräder für eine Entlastung sorgen werden", sagt Ost.

Tobias Ketter

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