Die Lichfieldbrücke in Limburg hat zwei Fahrstreifen in jede Richtung. Während des Abrisses und Neubaus der Brücke werden zwei bis drei Jahre lang nur noch zwei Fahrstreifen (einer pro Richtung) zur Verfügung stehen. Foto: Ketter

Pendler brauchen starke Nerven

Verkehrschaos droht: Neubau der Lichfieldbrücke dauert länger

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Der Abriss und Neubau der Lichfieldbrücke (B8/B49) in Limburg kann deutlich länger dauern als angenommen. Ein Verkehrschaos droht.

Limburg - Der vom Jahr 2022 an geplante Abriss und Neubau der Lichfieldbrücke in Limburg dauert sehr viel länger als bisher angenommen. Statt vier Jahre kann es insgesamt bis zu sechs Jahre dauern. In den ersten zwei bis drei Jahren droht zudem ein Verkehrschaos, weil deutlich weniger Fahrzeuge die Brücke gleichzeitig passieren können.

Rund 31.000 Fahrzeuge überqueren jeden Tag die Lahn über die Lichfieldbrücke in Limburg. Dabei fahren nach Verkehrszählungen von Hessen Mobil mehr Autofahrer stadtauswärts als stadteinwärts.

Limburg Hessen: Neubau der Brücke dauert länger

Die Ende der 1960er-Jahre erbaute Brücke muss erneuert werden. Mit dem Abriss und Neubau soll im Jahr 2022 begonnen werden. Doch zumindest in den ersten zwei bis drei Jahren droht ein Verkehrschaos, weil in dieser Zeit statt bislang vier Fahrstreifen - jeweils zwei in beide Richtungen - nur noch zwei zur Verfügung stehen. Das erklärten drei Vertreter von Hessen Mobil am Mittwochabend im Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Verkehr und schauten dabei in besorgte Gesichter.

SPD-Fraktionschef Peter Rompf und Stadtverordnetenvorsteher Stefan Muth (CDU) wollten wissen, ob es nicht technisch möglich sei, schon in der ersten Bauphase eine dreistreifige Verkehrsführung zu ermöglichen, mit der die Stadt in der Vergangenheit - bei der Sanierung der Brücke - gute Erfahrungen gemacht habe. Die ernüchternde Antwort lautet: nein.

Rompf befürchtet einen "Verkehrskollaps", Muth sprach von "Verkehrsproblemen" bei nur zwei Fahrstreifen. Die Vertreter von Hessen Mobil machten deutlich, die Straßenverkehrsbehörde sei sich dieses Risikos sehr wohl bewusst und strebe deshalb eine "möglichst kurze Bauzeit" an.

Limburg Hessen: Baukosten für Brücke noch unklar

Die Lichfieldbrücke in Limburg besteht aus zwei Bauwerken - jeweils eines pro Fahrtrichtung. In der ersten Bauphase wird das eine Bauwerk abgerissen und anschließend neu gebaut. In dieser Phase wird der komplette Verkehr zweistreifig in beide Richtungen über das alte Bauwerk geführt.

Steht das neue Bauwerk, dürfte sich die Verkehrslage deutlich entspannen, weil es dann nach Angaben der Hessen-Mobil-Vertreter möglich ist, drei Fahrstreifen einzurichten. Dann könnte der Verkehr vormittags zweistreifig stadteinwärts geleitet werden (und einstreifig hinaus), abends wäre es genau umgekehrt. Die Stadt hatte während der Sanierung der Brücke damit sehr gute Erfahrungen gemacht - das befürchtete Verkehrschaos blieb aus.

Dass es auf der neuen Brücke mehr Platz für den Verkehr gibt, hat damit zu tun, dass es für Radfahrer und Fußgänger ein eigenes Brückenbauwerk geben wird (siehe Text unten).

Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) setzt sich für ein elektronisches Informationssystem für Autofahrer während der Bauzeit ein. Damit könnten sie auf der A 3 und der B 49 rechtzeitig vor der Baustelle Lichfieldbrücke gewarnt werden, wenn dort gerade Stau herrscht. Hessen Mobil prüft zumindest die Einrichtung solcher Anzeigentafeln, scheint aber davon noch nicht wirklich überzeugt zu sein.

Limburg Hessen: Verfahren zur Sanierung soll 2020 beginnen

Schon 2017 hatte Hessen Mobil gegenüber der Stadt angekündigt, die im Jahr 2012 erfolgte Sanierung könne maximal zehn Jahre den Bestand der Brücke sichern. Hessen Mobil strebe weiter einen Baubeginn für das Jahr 2022 an, teilte Sprecherin Sonja Lecher mit. Das hänge vom Verlauf des Planfeststellungsverfahrens ab, mit dem im Frühjahr 2020 begonnen werden soll. Über die geplanten Baukosten konnte sie noch keine Angaben machen.

Als erstes Brückenbauwerk soll die östliche Seite abgerissen werden, also die dem Dom zugewandte Fahrbahnseite, auf der es stadtauswärts geht. Das neue Bauwerk soll nur auf dieser Seite einen Seitenstreifen erhalten.

Ernsthafte Überlegungen, eine Lahnquerung für den Bundesstraßenverkehr an anderer Stelle zu prüfen, gab es offenbar nicht. Marion Schardt-Sauer (FDP) wollte das wissen. Der Auftrag des Bundes laute, einen Ersatzbau an gleicher Stelle zu schaffen, bekam sie zur Antwort.

Um die Finanzierung von 1,2 Millionen Euro streiten derzeit die Stadt Limburg und der Bund. Dabei geht es um die Frage, wie breit die neue Extra-Brücke für Radfahrer und Fußgänger werden soll. Sie soll parallel zur neu zu bauenden Lichfieldbrücke als eigenes Bauwerk auf der dem Dom zugewandten Seite entstehen.

Limburg Hessen: Mehr Platz für Verkehr auf Brücke

Erster Vorteil: Durch den Wegfall von Geh- und Radweg auf der neuen Brücke entsteht mehr Platz für den Verkehr. Der zweite Vorteil: Der Zugang zur Extra-Brücke wird erleichtert, weil sie sich nicht auf der Höhe der Fahrbahn, sondern darunter befinden soll und es eine nicht mehr so steile Auffahrt gibt.

Der Bund plant mit einer maximalen Breite von drei Metern, die Stadt wünscht vier Meter, um Konflikte im Begegnungsverkehr zu vermeiden. Und eben dieser eine gewünschte Meter mehr Breite (plus Länge) kostet zusätzlich 1,2 Millionen Euro. Der Bund will die zusätzlichen Kosten nicht übernehmen und die Stadt dafür zur Kasse bitten. Das heißt auch: Eine drei Meter breite Brücke nur für Radfahrer und Fußgänger würde ungefähr 3,6 Millionen Euro kosten. Der Erste Stadtrat Michael Stanke (CDU) machte in der Sitzung des Ausschusses deutlich: Die Stadt werde die 1,2 Millionen Euro nicht bezahlen. Er führe bereits Gespräche mit dem Bundesverkehrsministerium.

Das Argument: Limburg will (und muss) den Radverkehr in der Stadt attraktiver gestalten, um ein Dieselfahrverbot zu vermeiden. Das droht aufgrund der zu hohen Stickstoffdioxidwerte an der Schiede. Eine Einigung in diesem Konflikt ist wahrscheinlicher als ein Scheitern. 

dick

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