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Es wird unerträglich auf der Erde, wenn wir uns nicht ändern, glaubt Dr. Gunther Tiersch.

Meteorologe warnt

Düstere Prognose: Sterben bald mehr Menschen durch extreme Temperaturen als im Straßenverkehr?

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Beim Fachplanertag Erneuerbare Energien der Ingenieurkammer Hessen in Limburg hat gestern Meteorologe Dr. Gunther Tiersch gesprochen. Er fürchtet, dass bald mehr Menschen an extremen Temperaturen als im Straßenverkehr sterben.

Beim Fachplanertag Erneuerbare Energien der Ingenieurkammer Hessen gestern in der Limburger Stadthalle warnte Hauptredner Dr. Gunther Tiersch davor, so wie bisher weiterzuleben und nicht noch mehr als bisher auf erneuerbare Energien zu setzen. 

„Nur durch ein Umdenken ist die drohende Klimakatastrophe noch zu verhindern“, sagte der ZDF-Chefmeteorologe. Der prominente Gast aus Mainz meinte, dass der Klimawandel immer mehr voranschreite. 

Erneuerbare Energien seien möglicherweise ein Mittel, um dem entgegenzutreten. Es würden mehr Windkraftanlagen benötigt, aber vor allem auch mehr Solaranlagen auf Dächern, die in der Bevölkerung weniger umstritten seien.

Der letzte Sommer war zu extrem

Tiersch sagte: „Ein Umbau der Gesellschaft findet aber momentan nicht in dem Maße statt, wie es notwendig wäre.“ Der Klimawandel sei schon deutlich zu spüren. Als Beispiel nannte er die extremen Schneefälle in den Alpen diesen Winter. Und er erinnerte an den letzten trockenen Sommer mit viel zu wenig Niederschlägen, wo man in Deutschland fast gemeint habe, man lebe am Mittelmeer. 

Doch zum Beispiel für die Landwirtschaft wäre es nach Meinung des Wetterexperten überhaupt nicht schön, wenn eine deutliche Klimaerwärmung in Deutschland zum Dauerzustand werden würde. Einen so extremen Sommer über diese Länge habe er noch nie erlebt, meinte der ZDF-Wetterexperte.

Klimakatastrophen: Erdrutsche und Überschwemmungen

Auch Starkregenereignisse in dieser Intensität habe es vorher noch nie gegeben. Erdrutsche, Überschwemmungen und Einschränkungen in der Kanalisation seien Folgen, wenn das Wasser keine Möglichkeit mehr habe, auf natürlichem Wege abzulaufen. 

In den Städten sieht der Experte für die Zukunft die Gefahr, dass durch stärkere Winde größere Bäume in großer Zahl umfallen könnten. Hier sei es wahrscheinlich geboten, diese durch kleinere Bäume zu ersetzen, die nicht so leicht umkippen könnten. Das müsse man dann aber erst einmal der Bevölkerung klarmachen.

Wälder sturmsicher machen

Tiersch berichtete, dass in Deutschland bereits eine durchschnittliche Erwärmung um zwei Grad feststellbar sei, in den arktischen Gebieten gar bis zehn Grad. „Wenn das so weitergeht, dann ,Gute Nacht‘“, merkte der Redner an. 

Ein Sommer wie 2018 über mehrere Jahre könnte seiner Meinung nach die Kulturlandschaft in Deutschland dauerhaft verändern. Dann würden nach seiner Einschätzung der Forst und die Landwirtschaft extreme Probleme bekommen. Wahrscheinlich müsse man verstärkt Mischwälder anlegen, um den Forst sturmsicherer zu machen.

Gift für die Landwirtschaft

Im Sommer werde es heißer, im Winter nasser. Nasse Böden im März sind, wie der ZDF-Experte sagte, „Gift für die Landwirtschaft“. Selbst wenn im Sommer genug Regen fallen würde, werde er künftig durch mehr Hitze wahrscheinlich früher verdunsten, glaubt Tiersch. Darum werden voraussichtlich Landwirte künftig nicht mehr drumherum kommen, Wassertanks anzulegen, in denen sie im Winter das Wasser sammelten, das sie dann im Sommer verwendeten.

Tiersch meinte, bei weiterer Zunahme der Temperatur werde der Weinanbau in Deutschland explodieren. Bald schon könne man dann wahrscheinlich die ersten Erdnüsse ziehen. Er prognostiziert, dass man es Ende diese Jahrhunderts auf der Erde temperaturmäßig kaum noch dauerhaft aushalten werde, wenn sich jetzt nichts ändere. 

„Ich möchte hier keine dauerhaften Temperaturerhöhungen um sechs bis sieben Grad“, sagte er. Gerade in den Städten würden diese seiner Einschätzung nach im Hochsommer eine extreme Belastung. Es drohten dann zudem 30 wirklich tropische Nächte im Jahr, wo die Temperatur nachts nicht unter 20 Grad sinken werde.

Düstere Prognosen

Tiersch sagte voraus, dass vermutlich mehr Menschen an extreme Temperaturen sterben würden als im Straßenverkehr. Natürlich bringe es aber auch nichts, wenn die anderen Länder der Welt nicht mitziehen würden. „Wir müssen was verändern und dabei die Leute mitnehmen“, forderte der ZDF-Wetterexperte. Er hofft, dass die Speicherkapazitäten für regenerative Energien deutlich besser werden, dezentral in Zukunft die Energie für die eigene Region sauber und nachhaltig erzeugt werden 

Schüler demonstrieren jeden Freitag deutschlandweit gegen die derzeitige Klimapolitik.

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