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Erst nach Stunden konnte das brennende Wohnhaus in Mengerskirchen vollständig gelöscht werden. Zurück bleibt eine traumatisierte Familie.

Zwei Kinder starben

Notfallseelsorger am Limit nach Brand-Drama: „Denn es wird nichts wieder gut“

Das Brand-Drama in Mengerskirchen bei Limburg hat ein ganzes Dorf schockiert hinterlassen. Zwei Kinder starben. Und selbst die Notfallseelsorger sind ratlos.

Mengerskirchen - Zwei junge Mädchen kommen ums Leben, gestorben am Dienstagmorgen in den Flammen ihres brennenden Zuhauses in Mengerskirchen. Für die Eltern und den fünfjährigen Bruder geht das Leben weiter. Hilfe in den ersten Stunden leisten die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Notfallseelsorge Limburg-Weilburg. Doch kann es nach einem schrecklichen Erlebnis wie dem Verlust der eigenen Kinder überhaupt so etwas wie Trost geben?

Brand-Drama in Mengerskirchen bei Limburg: Seelsorger ratlos

„Das Wort Trost mag ich überhaupt nicht“, sagt Hedi Sehr, Leiterin der Notfallseelsorge im Kreis Limburg-Weilburg. „Denn trösten können wir in einer solchen Situation überhaupt nicht“, sagt Sehr mit Blick auf den Tod der beiden vier- und zehnjährigen Mädchen, die am Dienstag bei einem Hausbrand in Mengerskirchen bei Limburg ums Leben gekommen sind. So sieht das auch Sehrs Stellvertreter Alois Heun, der an diesem Tag eine traurige Pflicht zu erfüllen hatte: Er musste den völlig verzweifelten Eltern die Nachricht überbringen, dass ihr ältestes Kind das Feuer nicht überlebt hat. Wenige Stunden später folgte die zweite Hiobsbotschaft: Auch das jüngste Kind ist tot.

„Man kann niemanden trösten, der so etwas erlebt hat“, bestätigt Heun. Zumindest nicht so kurz nach einem Unglück, wenn das Geschehene erst einmal verarbeitet werden muss. Selbst langfristig werde es schwierig sein, ein solches Grauen zu verarbeiten, sagt Sehr. „Denn es wird ja nichts wieder gut, sondern es kann nur weitergehen.“ Bevor so etwas wie Normalität einkehrt, werde es sehr lange dauern, schätzen beide Notfallseelsorger. Und: „Es wird Wunden geben, die bleiben“, sagt Sehr.

Brand-Drama in Mengerskirchen bei Limburg: Auch Feuerwehr betreut

Dennoch sei seelischer Beistand für die Opfer dringend notwendig, auch wenn wirkliche Hilfe kaum zu leisten sei. „Wir können nur Perspektiven aufzeigen“, sagt Sehr. „Man muss in dieser Phase erst einmal zeigen, dass man da ist und Zeit für die Opfer hat.“ Sechs Helfer waren am Dienstag im Einsatz, um sich sowohl um die überlebenden Familienmitglieder als auch um die Feuerwehrleute zu kümmern, die selbst Schreckliches gesehen haben. 

Sie waren es, die die toten Mädchen aus dem Obergeschoss des brennenden Hauses holen mussten. Zwar hätten vor allem die älteren Feuerwehrleute schon viel erlebt, „doch sobald Kinder involviert sind, ist alles ganz anders“, berichtet Sehr aus langjähriger Erfahrung. „Denn viele Feuerwehrleute haben auch eigene Kinder oder Enkel.“

Hedi Sehr aus Obertiefenbach und Alois Heun aus Hintermeilingen berichten aus ihrer Erfahrung als Notfallseelsorger. Fotos: Rolf Goeckel

Mengerskirchen bei Limburg: Brand-Drama hat schwere Folgen

Nach einem traumatischen Erlebnis reagierten die Menschen ganz unterschiedlich, berichten die beiden Notfallseelsorger aus ihrer Praxis. Einige seien zunächst einmal wie gelähmt und ziehen sich zurück, während andere sich geradezu in Aktivitäten stürzen. „Da ist jeder Mensch ganz anders“, sagt Alois Heun. „Manche Opfer sind stumm und sagen gar nichts, bei anderen greift ein Ablenkungsmechanismus, die müssen dann einfach irgendetwas tun.“

Ein schwerer Gang stehe der Familie aber erst noch bevor: die Beisetzung ihrer Mädchen. „Dann erst werden sie richtig begreifen, was eigentlich passiert ist“, meinen Sehr und Heun. Wichtig in dieser Situation sei deshalb ein soziales Netzwerk, das Halt gibt, allen voran die eigene Familie. Da sei es gut, dass sich sowohl die Großeltern, deren Lebenserfahrung hier zum Tragen komme, als auch mehrere Tanten um die Betroffenen kümmern.

Brand-Drama in Mengerskirchen bei Limburg: Familie als Stütze

Wichtig sei auch, dass der Familie rasch psychologische Hilfe zuteil wird. Die Notfallseelsorge habe daher schon vor längerer Zeit eine Liste von Psychologen zusammengestellt, die sich speziell in der Betreuung von traumatisierten Opfern auskennen. Aber: „Trauerarbeit ist oft ein Schritt vor und wieder zurück“, weiß Sehr. 

Viel werde auch von der Persönlichkeit der Opfer abhängen. „Die Resilienz, also die psychische Widerstandsfähigkeit, ist ganz unterschiedlich“, sagt Sehr. Sie habe Opfer erlebt, die nach längerer Zeit wieder ihren Weg gehen und „ganz wunderbar aus einem Unglück wieder herauskommen“. Es gebe aber auch Menschen, die das nicht schafften.

Brand-Drama bei Limburg: Mengerskirchen als Unterstützung

Eine große Unterstützung für die Familie ist nach Einschätzung von Alois Heun und Hedi Sehr auch die gute dörfliche Gemeinschaft im Marktflecken Mengerskirchen. „Nicht alle Gemeinden haben diesen personellen Hintergrund“, sagt Heun mit Blick auf das Jugendbüro, Pfarrgemeinde und Zivilgemeinde, denen hier eine bedeutende Rolle zukomme.

Auch etliche Feuerwehrleute werden an dem Einsatz noch länger zu „knabbern“ haben, vermuten die Notfallseelsorger. „Die Bilder im Kopf wiederholen sich ständig“, sagt Hedi Sehr. Schwer zu verarbeiten sein dürfte beispielsweise, dass die Wehrleute das jüngere Kind erst nach vielen Stunden tot aus dem Haus bergen konnten. Als das Feuer schon gelöscht war, wurde das Kind mit der Wärmebildkamera entdeckt. „Es ist belastend, dass man die eigenen Möglichkeiten zunächst nicht einsetzen konnte“, so Sehr.

Spendenaufrufe nach Brand-Drama in Mengerskirchen bei Limburg

Die Gemeinde Mengerskirchen hat ein Spendenkonto eingerichtet. Empfänger: Spendenkonto, IBAN: DE50 5115 1919 0131 4443 33. Außerdem hat unsere Leserin Anni Humpert aus Friedrichsdorf eine Spendenmöglichkeit im Internet eingerichtet. Der Link lautet: https://www.gofundme.com/manage/2-kleine-madchen-sterben-bei-wohnhausbrand.

von Rolf Goeckel

Tragödie bei Limburg: Bei einem Brand in Mengerskirchen kommen zwei Kinder ums Leben. Die Feuerwehr wendet sich mit einer emotionalen Nachricht an die Familie.

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