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So soll das Dom Hotel bis Ende März zur Fleischgasse hin aussehen. Dies ist ein vorläufiger Entwurf, erklärt Architekt André Kramm. 

Altstadt

Limburg: Klage gegen Dom-Hotel-Aufbau - Gericht spricht Urteil zu Baustopp

Altstadtbewohner wollen den Baustopp am Dom Hotel in Limburg - nun spricht das Gericht sein Urteil.

Update von Donnerstag, 13.02.2020, 16.59 Uhr: Limburg – Das Limburger Dom Hotel kann wie geplant aufgestockt werden. Die 6. Kammer des Verwaltungsgerichts Wiesbaden hat den von einer Nachbarin gestellten Eilantrag gegen das Projekt abgelehnt. Das Gericht stellte fest, dass der Antragstellerin nach der im Eilverfahren vorgenommenen Interessenabwägung kein Anspruch gegen das Bauvorhaben zusteht. Dafür führt die Kammer mehrere Gründe an. 

Limburg: Geschäftsführer freut sich über Beschluss

Der genehmigte Aufbau verstoße objektiv nicht gegen die Vorschriften des öffentlichen Rechts und gegen die Abstandsflächenregelung in der Bauordnung. Die Maßnahme verletzte außerdem weder nachbarschützende Normen noch Denkmalschutzauflagen. In unmittelbarer Nähe zum Dom Hotel überstiegen in der Fleischgasse die Grenzabstände anderer Gebäude die jeweilige Straßenmitte erheblich und in einem ähnlichen Ausmaß. Die Richter erläutern weiter, dass sich das Hotel durch den Neubau auf eine Höhe von 15,68 Meter der örtlich prägenden Giebelstellung nähere. 

„Wir freuen uns sehr über den Beschluss und sind dankbar, das Vorhaben nun weiter umsetzen zu können“, sagten gestern die Dom-Hotel-Geschäftsführer Klaus Rohletter und Stefan Jung-Diefenbach. „Wir danken dem Architekten André Kramm für die weitsichtige Planung und die nachgewiesene Einhaltung der Rahmenbedingungen. 

Limburg: Bedauern wegen versäumter Information

Dank des Beschlusses des Verwaltungsgerichtes können wir mehr Gästen in der Innenstadt eine Unterkunft anbieten und auch Menschen mit Behinderung ein Angebot machen“, sagten Rohletter und Jung-Diefenbach. Beide bedauern, die Kommunikation vor Baubeginn unterschätzt und eine zeitnahe umfangreiche Information an die Nachbarn versäumt zu haben. „Wir werden jetzt regelmäßig über unsere Social-Media-Kanäle und unsere Homepage über den Baufortschritt informieren“, kündigen die Geschäftsführer an. Die Klägerin will sich erst äußern, wenn sie die detaillierte Begründung des Gerichts kennt.

Erstmeldung von Donnerstag, 23.01.2020, 20.12 Uhr: Limburg - Seit Dienstag vergangener Woche steht der riesige Baukran vor dem Dom Hotel, seit Mittwoch gibt es die Baugenehmigung, seit gestern bereiten Handwerker die Aufstockung des Gebäudes vor. Doch wenn es nach dem Willen mehrerer Altstadtbewohner geht, sind die Arbeiten schon wieder vorbei, bevor sie richtig begonnen haben. Anlieger haben einen Rechtsanwalt eingeschaltet und wollen in einer Eilverfügung einen Baustopp erwirken.

Limburg: Aufregung in der Altstadt ist groß

In einem modernen Bau mit gerader Wand und Flachdach sollen bis Ende März sechs neue Doppelzimmer entstehen; der insgesamt 800 000 Euro teure Ausbau im Bestand des freien Dachgeschosses sowie weiterer ungenutzter Flächen erfolgen.

Die Aufregung in der Altstadt ist groß. Die meisten scheinen von dem Projekt überrascht zu sein, obwohl die neuen Inhaber des fast 200 Jahre alten Vier-Sterne-Hotels ihre Pläne schon im Vorjahr angekündigt haben und die NNP auch bereits damals darüber berichtet hat.

Mehrere Nachbarn lehnten die Erweiterung ab, in dem sie der Abstandsflächenregelung nicht zustimmten. Viele sind empört. Auch darüber, dass die Stadt die Maßnahme nach ihrem Widerspruch im Eilverfahren genehmigt hat.

Bauarbeiten am Dom Hotel in Limburg: "Massiver Eingriff in die historische Altstadt"

Günter P. Butzbach hat bis gestern Abend 25 Unterschriften von Hauseigentümern gesammelt, die die Aufstockung in letzter Sekunde verhindern wollen. "Es werden noch mehr", sagte Gisela Timmesfeld, eine der Initiatorinnen.

"Die Aufstockung, etwa 3,50 Meter über der oberen Traufe des Gebäudes in der Fleischgasse, bei einer zusätzlichen Auskragung zur Fleischgasse hin, stellt einen massiven Eingriff in die denkmalgeschützte Altstadt dar", schreibt Architekt und Altstadtbewohner Franz Josef Hamm. Der Aufbau soll flächenbündig mit der unteren Fassade abschließen.

Manche Hauseigentümer sind auch deshalb sauer, weil die Stadt sonst bei allen möglichen Dingen, die sie verändern wollen, überaus kleinlich ist. Und in diesem Fall werde ein zusätzliches modernes Geschoss aufs Dach gesetzt, ohne den Denkmalbeirat oder ein anderes Gremium darüber zu informieren.

"Die Eigentümer der Häuser in der Altstadt protestieren gegen diese Maßnahmen und die Ungleichbehandlung bei Genehmigungen, denn sie müssen sich an die strengen Auflagen des Denkmalschutzes halten und tun dies gerne, um die historische Altstadt zu bewahren", heißt es im Formular für die Unterschriftensammlung.

Dom Hotel in Limburg: "Alle zuständigen Stellen einbezogen"

Die Verantwortlichen können die Aufregung nicht nachvollziehen. Klaus Rohletter und Stefan Jung-Diefenbach, die beiden Geschäftsführer des Dom Hotels, das im Eigentum der beiden Familien steht, bewerten die Aufstockung als "ein Beitrag zur Aufwertung der Fleischgasse".

Sie betonen, dass in den Prozess des Bauantrags alle zuständigen Stellen der Stadtverwaltung und die Bauaufsicht, insbesondere die Denkmalschutzbehörde, einbezogen worden sind. "Wir freuen uns sehr über die Baugenehmigung. Allen Beteiligten möchten wir für die zügige Bearbeitung danken", so Rohletter und Jung-Diefenbach. "Nun können wir die Kapazitäten von aktuell 42 auf 48 Zimmer erhöhen und somit auf die steigende Nachfrage nach Einzelzimmern unter der Woche sowie den Bedarf an Doppelzimmern am Wochenende gerecht werden."

Dom Hotel in Limburg: Enge Abstimmung mit der Denkmalpflege

Die Stadtverwaltung weist ebenfalls alle Vorwürfe zurück. "Das Vorhaben wurde aufgrund seiner zukünftigen Wirkung für das historischen Stadtbild und im Hinblick auf den Umgang mit dem Einzelkulturdenkmals des zu erweiternden Gebäudeteils des Dom Hotels in engem Kontakt im Vorfeld der Genehmigung zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege diskutiert und abgestimmt", teilte die stellvertretende Pressesprecherin Anna-Sophie Schindler gestern Nachmittag mit.

"Den Beteiligten - Bauherr, Landesamt für Denkmalpflege und Untere Denkmalschutzbehörde - ist dabei die Außenwirkung des Projektes deutlich bewusst, weshalb das Bauvorhaben über die Baueingabeplanung hinaus bis in die Werk- und Detailplanung und bis hin zur Auswahl der Materialien betreut wird."

Laut Schindler ordne das Land Hessen das Verfahren zur Baugenehmigung klar und eindeutig dem Magistrat "als Aufgabe zur Erfüllung nach Weisung" zu. Baugenehmigungsanträge seien ohne politische Einflussnahme zu prüfen und darüber zu entscheiden. "Daher wird der Denkmalbeirat auch nicht zu Einzelbaumaßnahmen im Zusammenhang mit Bauanträgen gehört. Dies ist auch in vergleichbaren Fällen in der Altstadt ebenso gehandhabt worden", erläutert die Sprecherin.

Das Zugeständnis, vor unmittelbar bevorstehender Übergabe der Baugenehmigung mit den Vorbereitungen beginnen zu dürfen, sei in Limburg auch bei anderen Vorhaben schon häufiger gemacht worden.

Dom Hotel in Limburg: Sondersitzung des Denkmalbeirats

Der Denkmalbeirat kommt am nächsten Dienstag zu einer Sondersitzung zusammen, um über das Thema zu beraten. Dies sagte Vorsitzender Dr. Gabriel Hefele gestern auf Anfrage dieser Zeitung. "Wir müssen nicht grundsätzlich zu allem gehört werden", stellte er klar. "Und wir beschließen auch nichts, sondern geben bei Bedarf Empfehlungen ab." Zum konkreten Fall wollte Hefele sich vor der Sitzung nicht äußern.

Schnelle Aufklärung verlangt die FDP-Fraktionsvorsitzende Marion Schardt-Sauer. Sie hebt "die Einzigartigkeit des weithin sichtbaren Objekts" zwischen Grabenstraße und Kornmarkt hervor. "Die Aufstockung lässt im Falle der Durchführung das Dom Hotel in seiner Außenwirkung massiver und dominanter erscheinen und verändert nachteilig das Gesamtensemble", schreibt sie in einem Brief an den 1. Stadtrat Michael Stanke (CDU). Schardt-Sauer möchte den verwaltungstechnischen Verlauf des Bauantrags offengelegt und zahlreiche Fragen, auch zu zusätzlichem Verkehr und Parkplätzen, beantwortet haben.

Ausgeführt werden die Arbeiten durch das Bauunternehmen Albert Weil AG, das ebenfalls Klaus Rohletter und Stefan Jung-Diefenbach gehört. Architekt André Kramm will bis nächste Woche weitere Details mit dem Landesamt für Denkmalpflege abstimmen. Die Experten würden den modernen Bau als einzige Möglichkeit für die notwendige Erweiterung des Hotels ausdrücklich begrüßen, sagte Kramm der NNP.

Von Joachim Heidersdorf

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