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Bis das Kulturzentrum der Bosniaken mit Moschee eröffnet, wird es wohl noch bis Mitte 2020 dauern.

Eröffnung 2020

Neue Moschee in Limburg wird später fertig - Gemeinde distanziert sich von Extremismus

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Noch ein knappes Jahr, dann soll das Islamische Kulturzentrum der Gemeinde der Bosniaken auf der Dietkircher Höhe fertig sein. Die Gemeinde hofft dort auch auf Austausch mit Nicht-Muslimen und distanziert sich von Extremismus.

Limburg - Bis das neue Islamische Kulturzentrum mit Moschee im Dietkircher Gewerbegebiet eröffnen wird, wird es wohl noch bis Mitte kommenden Jahres dauern. Neben Gebetsräumen für Frauen und Männer werden auf 4200 Quadratmetern Fläche für eine Million Euro auch ein Gemeinschaftsraum für Veranstaltungen und Feiern und Schulungsräume für die 150 Mitglieder der Islamischen Gemeinde der Bosniaken Limburg entstehen. Es wird im Gebäude zudem ein für alle offenes Restaurant geben.

Hanin Saljic, einer der Räte der Gemeinde, sagt, dass die Fertigstellung des Kulturzentrums wohl ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant erfolgen werde. Warum es von der Grundsteinlegung bis zur Fertigstellung zwei Jahre dauert? Saljic erläutert, dass die Mitglieder der Gemeinde fast alles in Eigenleistung bauen würden. Viele von ihnen seien selbst beruflich in der Baubranche tätig und hätten einfach wenig Zeit.

Moschee in Limburg: Gläubige aus dem ehemaligen Jugoslawien

Die Gläubigen aus dem ehemaligen Jugoslawien aus dem Limburger Raum hätten in der Kreisstadt bisher eine türkische Moschee besucht, sagt Saljic. Doch dort spreche der Imam eben nicht in ihrer Sprache. Außerdem möchten die Gläubigen aus dem früheren Jugoslawien - Bosnien, Serbien, Montenegro, Kosovo und Nordmazedonien - auch einen Ort haben, an dem sie untereinander zusammenkommen und ihre Kultur pflegen können.

Wie der Rat berichtet, seien sie in Deutschland überall verstreut. Ziel des Kulturzentrums sei, dass sich hier Menschen aus dem früheren Jugoslawien besser kennenlernen könnten. "Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht in Deutschland daheim fühlen", stellt Saljic klar. Viele der 150 Mitglieder der Gemeinde aus dem Raum Wiesbaden bis Koblenz lebten lange in Deutschland, seien hier voll integriert. "Wir arbeiten mit Deutschen zusammen und spielen mit ihnen Fußball. Wir sind wirklich keine Außerirdischen", sagt Saljic.

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Einige der Familien seien schon mit der ersten Gastarbeiterwelle in den 1960er Jahren nach Deutschland gekommen und längst germanisiert. Dennoch sei der Wunsch da, die alten Wurzeln weiter zu pflegen. Das bedeute aber nicht, dass die Muslime aus dem früheren Jugoslawien in Dietkirchen nur unter sich bleiben möchten. Saljic betont, dass in dem Kulturzentrum jeder willkommen sein werde. Dazu gebe es dort auch das Restaurant.

Moschee in Limburg: Austausch auf Augenhöhe

Ziel sei es, sich mit Gläubigen anderer Religionen auf Augenhöhe auszutauschen. "Wir leben genauso Grundwerte wie Christen. Für uns ist jeder Mensch gleich", versichert der Rat. Von daher findet er es schade, wenn sich Teile der deutschen Bevölkerung durch Medien und Politik aufhetzen ließen, ein negatives Bild von Muslimen bekämen, das ihrer großen Mehrheit in keinster Weise gerecht werde. Wenige negative Dinge verbreiteten sich aber immer schneller als viele positive Dinge, sagt Saljic. Die Gemeinde bestehe aus normalen, arbeitenden und in Deutschland voll integrierten Bürgern, nicht aus Terroristen und Extremisten.

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Der Rat hat den Eindruck, dass Kinder heute zu sehr von der Straße und Smartphones erzogen würden. Von daher sollen Kinder im Kulturzentrum mehr über Religionen, Werte, Kulturen lernen. Saljic macht deutlich: "Es gibt keine schlechte Religion, wenn man sie richtig praktiziert." In ihrer Gemeinde lernten die Kinder Respekt gegenüber anderen, gegenüber dem Land Deutschland und den Deutschen. Wie ein Mensch sei, hänge auch von seinem Umfeld ab. "Wir sind in Ex-Jugoslawien in einem sehr liberalen System aufgewachsen", betont Saljic. Ihre Gesellschaft sei sehr europäisch geprägt und offen gewesen. Von daher findet es der Rat erschreckend, wie viel Unwahrheiten öffentlich verbreitet und Muslime prinzipiell in ein negatives Licht gerückt würden.

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Leute ihrer Gemeinde hätten im deutschen System Abitur und Studium geschafft, seien sehr gebildet. Sie seien Unternehmer, hätten gute Positionen in Banken, Versicherungen und Behörden. "Ich habe in der Schule Hermann Hesse gelesen", sagt Saljic. Von daher sei es immer wichtig, sich wirklich über andere Menschen zu informieren, bevor man sich ein Urteil über sie erlaube.

Viele der Familien der Gemeinde seien über den Bosnienkrieg in Deutschland gelandet und geblieben. Der deutschen Gesellschaft gebühre ein großes Dankeschön, dass sie viele der Bosnier im Krieg aufgenommen habe, sagt der Rat "Wir fühlen uns wirklich sehr wohl hier und daheim."

Auch ein anderes Thema beschäftigt die Bürger. Vor allem in großen Städten wird über ein Verbot von Steingärten diskutiert. Auch der Naturschutzbund Deutschland fordert dies explizit. Im  Kreis Limburg-Weilburg wird ebenfalls Bedarf gesehen.

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