Limburger Domsingknaben 

Kommentar zu den Domsingknaben 

Das Domkapitel agiert unsensibel und ungeschickt

Das Domkapitel in Limburg macht im Fall der Domsingknaben so ziemlich alles falsch, findet Kommentator Joachim Heidersdorf. 

Limburg - Die Domsingknaben und das Domkapitel: Das sollte und das müsste eine enge und unzertrennliche Allianz sein. Ist es aber nicht. Im Gegenteil. Das Domkapitel macht in diesem Zusammenhang so ziemlich alles falsch, was es falsch machen kann. Der emeritierte Bischof Dr. Franz Kamphaus hat mir nach seinem Ausscheiden "gebeichtet", sein größter Fehler sei es gewesen, den Wert der Dommusik und der Domsingknaben zu gering geschätzt zu haben. Die heute Verantwortlichen scheinen ebenfalls nicht zu erkennen, wie wichtig die Arbeit der Chöre nicht nur für die Gestaltung der Gottesdienste, sondern für die Kirche insgesamt ist.

Die Entscheidung, das Musische Internat in Hadamar nach 51 Jahren zu schließen, offenbart das Dilemma in erschreckender Deutlichkeit. Der Wirtschaftlichkeit werden bedeutende Werte untergeordnet. Die Herren im Domkapitel hatten kein Gespür dafür, was sie mit diesem einsamen Beschluss anrichten: Keine Ahnung davon, dass sie damit viele Menschen verletzen, für die das Konvikt ein zweites Zuhause war; Identifikationsort und auch ein Stück geistliche Heimat. In Einzelfällen sicher noch mehr. In einer prägenden Phase des Lebens haben Kinder und Jugendliche dort zehn bis 15 Jahre verbracht. Vielen hat die Nachricht das Herz zerrissen,

Dabei ist der Umzug der Domsingknaben aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar, wahrscheinlich sogar vernünftig. Wenn die meisten Räume und Angebote nicht mehr genutzt werden, muss das Konzept geprüft werden. Mit dieser Analyse hätte das Domkapitel vor die Sänger und Eltern treten können, um sie auf die unausweichliche Diskussion vorzubereiten. Stattdessen holten Domdekan Dr. Löhr und Domkapitular Dr. Pax gleich den Hammer raus und verkündeten das Aus zum Sommer dieses Jahres. Ein brutaler Schlag vor den Kopf. Wie unsensibel. Und wie dumm. Dass sie schnell auf die massiven Proteste reagierten und nun versprechen, den Zeitplan zu prüfen und in einem Zukunftsprozess mit allen Beteiligten gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, macht die Sache nur unwesentlich besser. Was bleibt ihnen denn anderes übrig?

Das Domkapitel hätte aus dem von ihm mitverschuldeten Schlamassel lernen müssen. Die Kirchenmänner hätten den damals von vielen älteren Sängern abgelehnten Chorleiter von Anfang an unmissverständlich stärken oder aber ihn schnell ablösen müssen. Stattdessen schauten sie viel zu lange zu, gaben Verantwortung ab und leiteten erst nach erfolgloser dreijähriger Mediation den Neuanfang ein. Ausgerechnet jetzt, wo die Misstöne fast vergessen waren und der Chor (auch dank erwachsener Aushilfen) wieder überzeugt, dieser Paukenschlag.

Bei den Gedanken über die künftige Nutzung des Konvikts ist guter Rat teuer. Dass ein Großteil des Gebäudes leer steht, hätte das Bistum auch schon im August 2018 wissen sollen, als es den Kauf des Mundipharma-Objekts für 3,7 Millionen absegnete. Ob das Konvikt für die Verwaltung geeignet gewesen wäre, hätte wenigstens geprüft werden können.

Und was macht der Bischof? Gar nichts, er hält sich fein raus. Dr. Georg Bätzing hat in der Krise der Domsingknaben vor einem Jahr auf die Zuständigkeit des Domkapitels verwiesen. Dass Domdekan und Weihbischof Dr. Thomas Löhr in diesem Fall seit Langem eine überaus unglückliche Rolle spielt, sollte dem Chef mittlerweile nicht entgangen sein. Höchste Zeit, dass er sich einschaltet.   Von Joachim Heidersdorf

Im Internet läuft aktuell eine Petition gegen die Schließung des musischen Internats Hadamar.

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