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Wenn die Lkw-Fahrer ihre gesetzlichen Ruhezeiten einhalten müssen, herrscht in ganz Deutschland dichtes Gedränge auf den Autobahnrastanlagen. Das gilt auch für Limburg-Ost.

Verkehr

250 Lkw-Stellplätze fehlen - Rastanlagen sollen erweitert werden

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Im Autobahnabschnitt zwischen Bad Camberg und Limburg sollen rund 250 zusätzliche Parkplätze für Lkw geschaffen werden. Die mit den Planungen beauftragte Firma Deges schlägt vor, diesen Bedarf zu decken, indem die Autobahnrastanlagen Limburg-Ost und Bad Camberg-Ost (Richtung Köln) erweitert werden.

Limburg/Bad Camberg - Die Stadt Limburg muss nicht mehr befürchten, dass in Höhe des ICE-Gebiets eine neue Autobahnraststätte entsteht. Die mit der Planung beauftragte Firma Deges (hat die neue Limburger Autobahnbrücke gebaut) sieht vor, die bestehenden Rastanlagen Limburg-Ost und Bad Camberg-Ost (jeweils in Fahrtrichtung Köln) zu erweitern, um im Idealfall den Bedarf von 250 zusätzlichen Stellflächen für Lkw zu decken. Das teilte auf Anfrage dieser Zeitung Deges-Sprecherin Simone Döll mit.

Deges-Projektleiter Ghaddanfar Najajra ergänzt, der Limburger Standort solle den Großteil der noch fehlenden Lkw-Parkplätze abdecken. Im Blickpunkt steht dabei eine benachbarte Fläche, die noch von der Firma Tetra Pak als Parkplatz genutzt wird.

Sollte die Erweiterung der Limburger Rastanlage nicht im erforderlichen Maße möglich sein, weil zum Beispiel dieser Parkplatz nicht oder nur zum Teil als Erweiterungsfläche zur Verfügung steht, gibt es einen Plan B: Und der sieht nach Angaben des Projektleiters der Deges neben der Erweiterung der beiden Rastanlagen zusätzlich den Bau eines Lkw-Parkplatzes plus WC mit rund 50 Stellflächen vor, der im Autobahnabschnitt zwischen Bad Camberg und Limburg entstehen soll.

Lkw-Parkplatz in Werschau?

Nach Dölls Angaben hat die Deges je Fahrtrichtung drei potenzielle Neubaustandorte für solche Anlagen ermittelt. In Fahrtrichtung Köln gehören zu diesen potenziellen Flächen auch zwei Flächen, die in den jeweiligen Kommunen hochumstritten sind: zum einen eine Fläche in Höhe des Limburger ICE-Gebiets zwischen der A 3 und der B 8, die nach Angaben Najajras noch weiter im Gespräch ist, und zum anderen eine Fläche zwischen den Gemarkungen Brechen und Hünfelden. Sowohl die Stadtverordneten in Limburg als auch die Gemeindevertreter in Brechen haben sich aber bereits dagegen ausgesprochen, auf den genannten Flächen eine neue Autobahnraststätte zu errichten, was ebenfalls mal ernsthaft im Gespräch war. Es ist fraglich, ob ein kleinerer Lkw-Parkplatz auf weniger Widerstand stoßen würde. Die Befürchtungen, die mit solchen Lkw-Parkplätzen einhergehen, sind die Angst vor Lärm und Licht.

Die Deges hat in der Gemeinde Brechen angefragt, wie sie zu einem Lkw-Parkplatz an der A 3 stehen würde. Bürgermeister Frank Groos (parteilos) macht gegenüber dieser Zeitung deutlich, ein solches Vorhaben auf Werschauer Gemarkung stoße in Brechen weiterhin auf große Ablehnung. "Dabei geht es uns nicht nur um Lärm und Licht", sagt Groos. "Das würde uns auch erheblich in unserer Siedlungspolitik einschränken." Werschau sei schon genug gebeutelt mit der unmittelbaren Nähe zur A 3 und zur ICE-Strecke plus dem Kieswerk.

Zurückhaltender äußert sich die Bürgermeisterin von Hünfelden, Silvia Scheu-Menzer (parteilos). Noch gebe es keinen Beschluss der Gemeindevertreter. "Wir warten ab", sagt sie. Das heiße nicht, dass Hünfelden einen Lkw-Parkplatz auf Dauborner Gemarkung auf jeden Fall akzeptieren werde. Es sei sinnvoll, sich mit der Gemeinde Brechen abzustimmen, falls die Planungen für die Errichtung eines Lkw-Parkplatzes konkreter würden.

Görgeshausen wehrt sich

Aber auch in Fahrtrichtung Frankfurt ist zwischen Limburg und Bad Camberg die Schaffung eines zusätzlichen Lkw-Stellplatzes mit WC geplant, erklärt Deges-Projektleiter Najajra. Das werde wesentlich davon abhängen, wann eine neue Autobahnrastanlage am Elzer Berg (auf Elzer Gemarkung) gebaut werden könne. Denn seit dem Wegfall der Rastanlage Limburg-West (musste wegen des Neubaus der Limburger Autobahnbrücke weichen) fehlen auch hier Stellflächen für Lkw.

Eigentlich ist die Standortfrage einer Rastanlage "Elzer Berg" schon seit 2012 geklärt, zumindest zwischen dem Bund und der Gemeinde Elz: Sie soll auf einem ehemaligen Bundeswehrdepot entstehen. Allerdings liegt ein Teil der erforderlichen Fläche auf der Gemarkung Görgeshausen. Und die Bürger dort sind strikt gegen eine Autobahnrastanlage vor ihrer Haustür. "Es gibt deutlich bessere Plätze für eine Autobahnraststätte", sagte der Ortsbürgermeister von Görgeshausen, Jürgen Kindler, im November vergangenen Jahres dieser Zeitung. Die am Elzer Berg geplante Raststätte wäre nur 250 Meter entfernt von seiner Gemeinde. In dieser ablehnenden Haltung sei sich Görgeshausen mit der Verbandsgemeinde Montabaur und Rheinland-Pfalz einig. Die Autobahn und die ICE-Trasse seien schon laut genug.

Der Elzer Bürgermeister Horst Kaiser (CDU) zeigte sich schon damals frustriert über das Veto aus Görgeshausen. Hessen Mobil wäre bereit, die Lärmschutzwand an der A 3 zugunsten von Görgeshausen zu verlängern und freiwillig einen Sichtschutzwall an der Rastanlage zu errichten.

Aber nach Kindlers Angaben befürchten die Bürger in Görgeshausen noch ein weiteres Problem: eine Zunahme der Prostitution durch eine Raststätte am Elzer Berg. "Was machen Lkw-Fahrer am Wochenende, wenn sie nicht fahren?" Görgeshausen habe es nur durch eine Sperrbezirksverordnung geschafft, die Prostituierten am Ortseingang zu vertreiben. Die seien erst aufgetaucht, als bekannt geworden sei, dass in unmittelbarer Nähe eine Autobahnraststätte entstehen soll.

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